Corona

Wie die Stadt die Inzidenz ermittelt und meldet

Die Inzidenz ist im Kreis leicht gestiegen. Foto: Christian Beier
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Die Inzidenz ist im Kreis leicht gestiegen.

Gesundheitsamt und Robert-Koch-Institut unterscheiden sich häufig bei den Werten

Von Björn Boch

Solingen. Oftmals ist es ein einziger Fall, der entscheidet, ob die Inzidenz unter oder über einem kritischen Wert liegt. Beispiel Solingen: Vorige Woche lag die Sieben-Tage-Inzidenz am 29. Juli bei 50,2 – wegen einer Neuinfektion an diesem Tag wäre die Klingenstadt beinahe in eine strengere Regelstufe (Wert über 50) gerutscht, wäre diese nicht durch das Land ausgesetzt worden. Das ST hat sich daher noch einmal mit der Inzidenzberechnung und dem Meldeweg der Zahlen beschäftigt – und erklärt, warum Stadt sowie NRW-Gesundheitsministerium (MAGS) und Robert-Koch-Institut (RKI) unterschiedliche Zahlen veröffentlichen.

Wie wird die Inzidenz berechnet?

Der Wert bezeichnet die Zahl der Neuinfektionen binnen sieben Tagen, die der Vergleichbarkeit halber auf 100 000 Einwohner gerechnet werden. Man addiert also die Neuinfektionen von sieben Tagen und teilt die Summe durch 1,59, da Solingen amtlich 159 245 Einwohner hat (die weiteren Nachkommastellen beeinflussen das Ergebnis nicht signifikant). Die Klingenstadt selbst geht zwar von mehr als 163 000 Einwohnern aus, hat sich bei der Berechnung aber dem RKI als maßgeblicher Institution gebeugt.

Wie werden die Zahlen gemeldet?

Das Gesundheitsamt erhält Befunde mit einem elektronischen Datums- und Zeitstempel automatisiert von Laboren, erklärt Britta Schroer, Leiterin des Infektionsschutzes beim Gesundheitsamt. Dann muss zunächst geprüft werden, ob es sich tatsächlich um neue Fälle handelt – oder um Tests in einer Quarantäne bei bereits bekannten Infizierten. Zudem kann es vorkommen, dass ein Ergebnis gar nicht zu Solingen gehört – etwa, weil die Person zwar hier den Test gemacht hat, aber andernorts gemeldet ist. Stehen alle Solinger Neuinfektionen fest, werden diese manuell mit zahlreichen Merkmalen ergänzt, etwa dem Impfstatus. Das verlangt das RKI. Dann werden die Fälle nachmittags an das Landeszentrum für Gesundheit und das RKI übermittelt.

Wann werden die Zahlen veröffentlicht?

Gesundheitsministerium und RKI veröffentlichen die Zahlen um Mitternacht mit Datum des Vortages – mit Aktualisierungen bis in die frühen Morgenstunden. Die Stadt gibt ihre Zahlen in der Regel am Vormittag bekannt – die Zahlen werden mit aktuellem Datum veröffentlicht.

Warum sind die Solinger Zahlen manchmal andere?

Die Stadt veröffentlicht die Zahlen, die am Vortag erfasst und gemeldet wurden. Land und RKI dagegen halten sich an den elektronischen Datums- und Zeitstempel – weisen eine Neuinfektion also zum Beispiel auch Tagen zu, die bereits länger in der Vergangenheit liegen. Das geschieht insbesondere dann, wenn Fälle die Stadt Solingen erst mit Verzug erreichen, etwa weil sie irrtümlich zunächst einer anderen Kommune zugeordnet wurden, der Getestete kürzlich umgezogen ist oder Tests im Ausland gemacht wurden – dann ist der Meldeweg in der Regel länger.

Hat das Auswirkungen auf die Inzidenz?

Selten: Dazu müssten zwischen Test und Ergebnis beziehungsweise Weiterleitung mehr als sieben Tage liegen. Sind es weniger, liegt die Meldung ja im zu berechnenden Sieben-Tage-Zeitraum. Maßgeblich ist ohnehin die Zahl, die das RKI veröffentlicht – die Stadt lässt sehr alte Fälle daher aus der Inzidenzberechnung raus. So erklärt es sich, dass die Stadt trotz eines Plus von vier Fällen gegenüber Gesundheitsministerium und RKI in der Vorwoche die gleiche Inzidenzzahl gemeldet hat (55,9, | Grafik). Vier Fälle von Urlaubern hatten die Stadt erst mit mehr als sieben Tagen Verzug erreicht, wie Britta Schroer erklärt.

Welchen Spielraum gibt es beim Meldeweg?

Keinen, weil die Daten seit Beginn des Jahres mit elektronischem Datums- und Zeitstempel versehen sind. Lokale Ämter kommen gar nicht erst in die Versuchung, Fälle liegenzulassen, um einen Grenzwert einzuhalten – ebenso wäre Druck von außen zwecklos. „Wir wollen die Meldungen aber auch gar nicht verschleppen, weil es nicht der Sache dient“, betont Guido Krämer, Verwaltungsleitung beim Stadtdienst Gesundheit. „Daran haben wir kein Interesse.“

Impfungen und positive Tests

PCR-Tests: Während bei Antigen-Schnelltests in seltenen Fällen nach Impfungen falsch positive Ergebnisse entstehen, ist das bei PCR-Tests nahezu ausgeschlossen. Wer positiv getestet wird, ist also trotz Impfung mit dem Coronavirus infiziert. Die Impfung schließt eine Erkrankung nicht aus, verhindert aber einen schweren Verlauf.

Häufigkeit: Aufgrund sehr kleiner Fallzahlen will das Gesundheitsamt noch keine genaue Aussage darüber treffen, wie hoch der Anteil der Geimpften bei den Erkrankten ist. Zumal man für die Wirksamkeit der Impfung auch berücksichtigen müsste, wie viele sich dank der Impfung nicht infizieren, betonen Guido Krämer und Britta Schroer. Klar sei: Die Ungeimpften und die noch nicht doppelt Geimpften stellen die große Mehrheit bei den Erkrankten. Derzeit seien viele jüngere Menschen betroffen, für die der Zugang zum Impfstoff aufgrund der Knappheit erst später möglich war und die daher noch gar nicht oder erst einmal geimpft sind.

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