Montagsinterview

Corona ist Herausforderung für die Kultur

Sonja Baumhauer leitet seit dem 1. Mai das Kulturmanagement der Stadt. Foto: Michael Schütz
+
Sonja Baumhauer leitet seit dem 1. Mai das Kulturmanagement der Stadt.

Neue Leiterin des Kulturmanagements arbeitet an einem Zukunftskonzept.

Von Philipp Müller 

Seit dem 1. Mai sind Sie die neue Leiterin des Kulturmanagements im Theater und Konzerthaus, wie haben Sie sich eingelebt?

Sonja Baumhauer: Ich habe mich schon sehr gut eingelebt und bin sehr herzlich aufgenommen worden. Natürlich tauchen hier und da noch Fragen auf, die mir meine Mitarbeiter gerne mit ausführlichen Antworten und Informationen zu den Hintergründen beantworten. Das ist für mich natürlich sehr hilfreich und in der Einstiegszeit wichtig.

Können Sie schon beurteilen, wo die Stärken des Hauses und des Teams liegen?

Baumhauer: Die Stärken des Teams liegen vor allem in der Kundenorientierung. Alleine in der Zeit, in der das Haus aufgrund der Corona-Pandemie geschlossen war und viele Fragezeichen zur Wiedereröffnung im Raum standen, war das Team sehr lösungsorientiert. So konnten wir gemeinsam zeitnah unser Juni-Programm auf die Beine stellen. Zuvor wurde auf der Bühne des Pina-Bausch-Saals ein „Filmstudio“ eingerichtet. Hier veröffentlichte unser Technik-Team verschiedenste Kulturveranstaltungen als Stream.

Gibt es auch Schattenseiten oder Bereiche, die jetzt ausgebaut werden müssen?

Baumhauer: Sowohl inhaltlich als auch baulich haben Kultureinrichtungen heute andere Anforderungen als noch vor einigen Jahren. Wir sind dabei ein Zukunftskonzept zu erstellen, um diesen Bedarfen in ihrer Vielfältigkeit gerecht zu werden.

Mit Zuschuss des Landschaftsverbands Rheinland soll das erstellt werden, was passiert dabei konkret?

Baumhauer: Wir sind sehr dankbar, mit Unterstützung des Landschaftsverbandes Rheinland dieses Zukunftskonzept für das Haus entwickeln zu können. Dafür suchen wir Partner, die sowohl im technischen Bereich versiert sind als auch den Kulturbetrieb kennen. So können wir gemeinsam mit aktiven und auch zukünftigen Kulturschaffenden das Konzept entwickeln. Wichtig ist mir, dass wir mit dem Konzept für die zukünftige Nutzung noch stärker als heute „Kultur für alle“ etablieren können.

Der Start Ihrer Amtszeit fiel in die Beschränkungen mit Corona, wie haben Sie das erlebt?

Baumhauer: Natürlich war das eine herausfordernde Situation, da insbesondere der Kulturbereich massiv von den Einschränkungen betroffen war und weiterhin ist. An meinem ersten Arbeitstag, dem 4. Mai, galten ja noch die harten Beschränkungen und das Haus war geschlossen. Glücklicherweise ermöglichten uns erste Lockerungen schon im Juni wieder vor kleinem Publikum live zu starten. Unsere Gäste wieder begrüßen zu dürfen war natürlich für das gesamte Team absolut motivierend.

Wie sind die Vorstellungen beim Publikum angekommen?

Baumhauer: Wir haben sehr, sehr positive Resonanz von unserem Publikum und auch von den Künstlerinnen und Künstlern erhalten. Gestartet haben wir mit dem Kinder-Mal- und Klangfest. Diese sonst sehr „wuselige“ Veranstaltung war auch jetzt ausverkauft, wenn auch anders strukturiert und mit weniger Kindern durchgeführt. Die Ticketverkäufe aller weiteren Veranstaltungen stiegen stetig an. Offensichtlich fühlten sich unsere Gäste wohl und sicher.

Zuvor und auch bis Ende Juni gab es viel Video-Kultur als zeitversetzten Livestream, wird davon etwas in die Zukunft gerettet?

Baumhauer: Das wird in Zukunft sicher immer wieder aufgenommen – als Ergänzung oder je nach Format in Kombination mit dem Live-Erlebnis. Wir konnten sehr gute Erfahrungen sammeln und beabsichtigen die vielfältigen Möglichkeiten zukünftig auch konzeptionell einzubinden.

Zur Zukunft gehört auch ein neuer Spielplan für die kommende Saison, wann erscheint er?

Baumhauer: Coronabedingt wird die gedruckte Ausgabe vermutlich erst Anfang August erscheinen. Die digitale Veröffentlichung unseres Spielplans erfolgt am 13. Juli. Neu ist, dass ab dann Tickets online auf www.theater-solingen.de gebucht werden können oder wie gewohnt an unserer Theater- und Konzertkasse erhältlich sind. Unser Programm der Saison 2020/2021 startet am 1. September.

Welche Rolle spielte dabei Corona?

Baumhauer: Wir gehen von der aktuellen Coronaschutzverordnung aus, die es uns unter Einhaltung der Hygiene- und Abstandsbedingungen ermöglicht, die Säle wieder vollständig zu füllen. Weil sich die Bedingungen in den vergangenen Wochen mehrfach geändert haben, mussten wir ebenso oft den Spielplan anpassen. Unser Credo ist: Wir wollen unserem Publikum das Bestmögliche unter den jeweils gültigen Corona-Bestimmungen anbieten.

Sollte weniger Publikum kommen dürfen, führt das zu Einnahmeverlusten. Wie gehen Sie damit um?

Baumhauer: Selbstverständlich ist das ein Risiko. Schon das Juni-Programm war nicht wirtschaftlich gestaltbar. Kulturveranstaltungen gehören aber zur Grundversorgung der Bevölkerung. Als städtischer Akteur haben wir hier eine Verantwortung, die wir auch in schwierigen Zeiten erfüllen.

Gibt es für die weitere Zukunft inhaltlich Schwerpunkte, die sie setzen ?

Baumhauer: Ein umfassendes Angebot der kulturellen Bildung ist mir wichtig. Ich möchte im kommenden Spielplan mehr Möglichkeiten schaffen, die an die Kultur heranführen und sie erlebbar und gestaltbar machen. Mein Anliegen ist es, Hemmschwellen abzubauen und zur Kultur-Mitgestaltung anzuregen. Kultur ist uns Menschen immanent. Es gilt, das Interesse daran zu wecken und Kultur mit allen Sinnen wahrnehmbar zu machen, für alle.

Streben Sie ein Netzwerk beispielsweise mit der Cobra oder dem Probenraumhaus Monkeys, dem Kammerspielchen in Gräfrath oder Vereinen wie Waldmeister an?

Baumhauer: Vernetzung ist die Grundlage für einen lebendigen Austausch und vielfältige Mitgestaltung. Schon bevor ich eingestiegen bin, wurde begonnen, genannte und weitere Akteure zusammenzuführen. Hieran möchte ich anknüpfen und verlässliche Strukturen für gemeinsame Angebote schaffen. Trotz Corona konnte ich bereits viele Kreative unterschiedlicher Einrichtungen kennenlernen. Ich freue mich schon jetzt auf weitere Planungen.

Zur Person

Beruf: Sonja Baumhauer leitete zuvor in der Stadt Monheim den Bereich Kultur und Bildung. Sie leitete dort das Ulla-Hahn-Haus. Zuvor arbeitete sie in der Filmothek NRW. Die 42-Jährige lebt in Langenfeld und kennt das Theater und Konzerthaus aus vielen Besuchen diverser Vorstellungen. Sie hatte sich gegen 19 Mitbewerber für die Nachfolge des früheren Leiters Hans Knopper durchgesetzt.

Das Theaterprogramm bietet bereits die neuen Abo-Reihen an. Kunden des Kulturmanagements können ihre Verträge ruhen lassen.

Aufführungen vor Publikum finden jetzt wieder im Theater und Konzerthaus statt. Viele Sitzplätze müssen leer bleiben.

Das könnte Sie auch interessieren

Top-Links

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Kindstötungen in der Hasseldelle: Väter schoben Verantwortung für die Kinder von sich
Kindstötungen in der Hasseldelle: Väter schoben Verantwortung für die Kinder von sich
Kindstötungen in der Hasseldelle: Väter schoben Verantwortung für die Kinder von sich
Corona: Betriebsärztin impft 270 BIA-Mitarbeiter - Coronaschutzregeln verlängert
Corona: Betriebsärztin impft 270 BIA-Mitarbeiter - Coronaschutzregeln verlängert
Corona: Betriebsärztin impft 270 BIA-Mitarbeiter - Coronaschutzregeln verlängert
Verstöße gegen Corona-Regeln: Stadt nimmt 400 000 Euro Bußgeld ein
Verstöße gegen Corona-Regeln: Stadt nimmt 400 000 Euro Bußgeld ein
Verstöße gegen Corona-Regeln: Stadt nimmt 400 000 Euro Bußgeld ein
Unbekannte töten Frösche am Heidebad
Unbekannte töten Frösche am Heidebad
Unbekannte töten Frösche am Heidebad

Kommentare