Pandemie

Corona: Grundschulen in Solingen sind am Limit

Die rote Kachel auf der Corona-Warn-App haben viele Lehrer regelmäßig. In den Grundschulen droht von den oft noch nicht geimpften Kindern eine große Ansteckungsgefahr. Foto: Christian Beier
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Die rote Kachel auf der Corona-Warn-App haben viele Lehrer regelmäßig. In den Grundschulen droht von den oft noch nicht geimpften Kindern eine große Ansteckungsgefahr.

Es gibt immer mehr Infektionen und Quarantänen bei Lehrern und Schülern. Das neue Testverfahren, das bald kommen soll, könnte eine Verbesserung der Lage bringen.

Von Simone Theyßen-Speich

Solingen. Lag die Corona-Inzidenz am Freitag in Solingen bei 2550, so ist sie bei den Grundschülern mit 6274 und bei den Jugendlichen bis 14 Jahre mit 5552 mehr als doppelt so hoch. In den Schulen sind Infektionen und Quarantänen deshalb tägliches Thema – bei den Schülern und bei den Lehrern.

Grundschullehrer Stefan K., der anonym bleiben möchte, schildert die Situation, „die momentan sehr belastend für alle Schüler, Lehrer und Eltern ist“. Er selbst kann momentan nicht in die Schule. Bereits zum zweiten Mal hat er sich mit dem Virus infiziert. Erkältungssymptome und Abgeschlagenheit trotz dreifacher Impfung – auch das belastet.

Der Pädagoge kritisiert vor allem das Testverfahren, das noch bis Ende des Monats in den Grundschulen praktiziert wird. Wenn ein Lolli-Pooltest positiv ist, sollen alle Kinder der Klasse einen Antigen-Schnelltest beibringen. „Oft kommt die Benachrichtigung vom Labor aber erst abends, dann können Eltern mit dem Kind nicht mehr ins Testzentrum“, so die Kritik.

Also kämen viele Kinder morgens in die Schule, um den Schnelltest dort zu machen. „Mehrmals waren trotz eines positiven PCR-Pooltests am nächsten Tag alle Schnelltests in der Klasse negativ. Und der Pooltest am übernächsten Tag war dann wieder positiv“, skizziert der Pädagoge das nervenaufreibende Verfahren. Erst nach Tagen habe sich herausgestellt, dass mittlerweile fünf Kinder in der Klasse infiziert waren. Es gebe auch Klassen, in denen die Hälfte der Schüler infiziert sind oder andere, in denen sich Kinder bereits zum zweiten Mal angesteckt haben. Aus seiner eigenen Klasse sei bislang nur eine Handvoll Kinder zweifach geimpft.

Der Lehrer möchte auch die eigene Gesundheitsgefährdung in den Blick rücken. „Gerade in den ersten Klassen muss man den Kindern beim Schnelltest helfen, sie kennen ja den Nasenabstrich gar nicht, weil sie bislang nur Lolli-Tests gewohnt waren. In den Testzentren haben die Mitarbeiter dafür Schutzanzüge an, die haben wir Lehrer in den Schulen nicht.“

Neue Regel ab 28. Februar wird in Solingen positiv bewertet

Das jetzt vom NRW-Schulministerium ab dem 28. Februar angekündigte Verfahren sieht er grundsätzlich positiv. Statt der PCR-Lollitests sollen Eltern ihre Kinder dann dreimal pro Woche zu Hause testen – vor der Schule oder am Vorabend. Die Tests erhalten sie von den Schulen. Durch die erneute Änderung in der Teststrategie soll sichergestellt werden, dass positiv getestete Kinder erst gar nicht in die Schule kommen. An den Förderschulen, deren Schüler als vulnerable Gruppe gelten, bleibt das Lolli-PCR-Testsystem bestehen.

„Das neue Verfahren ist zumindest logischer“, so Lehrer Stefan K. Er hofft, dass auch alle Eltern die geforderte eidesstattliche Erklärung abgeben, die Tests regelmäßig durchzuführen. Kritisch sieht er die Regelung, dass für geimpfte oder genesene Schüler und Lehrer die Testpflicht komplett entfällt.

Derweil bleibt die Lage in den Schulen angespannt. „Bei größeren Ausbruchsgeschehen werden immer wieder einzelne Klassen in Quarantäne geschickt“, so Stadtsprecher Daniel Hadrys. Im vergangenen Schulhalbjahr habe es aber in Solingen keine Schule gegeben, die aufgrund der Corona-Lage geschlossen werden musste. „Schulleitungen und Lehrkräfte arbeiten am Limit, können den Betrieb und den Unterricht aber trotzdem aufrechterhalten.“ Dort, wo die Lage nichts anderes zulasse, werde vorübergehend auf Distanzunterricht gewechselt.

Auch die Solinger Lehrergewerkschaften VBE und GEW begrüßen jetzt die Änderung und die Möglichkeit, „dass, sich die Lehrer wieder auf die Arbeit mit den Kindern konzentrieren können“. Sie hoffen auf hohe Verantwortungsbereitschaft der Eltern.

Auch die Eltern würden zunehmend dünnhäutiger. „Wir haben eine Klasse, wo seit Januar jeder Pooltest positiv war. Da reagieren Eltern auch schon mal aggressiv, wenn sie mitbekommen, dass Kinder noch auf Geburtstagsfeiern gehen oder Familien den freiwilligen Test verweigern“, so Stefan K.

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