Corona bedeutet für die Szene eine ungewisse Zukunft

Entertainerin Teneja spielte einen Auftritt vor der Rehaklinik an der Burger Landstraße. Archivfoto: cb

Solinger Musiker fiebern Auftritten entgegen – doch Regeln und Verbote erschweren das Livegeschäft

Von Philipp Müller

Mitte März konnten Solingens Musiker die Gitarrenkoffer zuklappen. Das Schlagzeug steht im Proberaum, die DJ-Mischpulte sind nur noch an die kleinen Boxen im Studio angeschlossen. Die Kultur wurde auf Null gefahren. Der Tageblatt-Autor der „Solinger Rockgeschichte“, Julian Müller, hatte in der ST-Serie immer wieder auf diese Tatsache hingewiesen. Aber er berichtet auch von Projekten, die die Solinger Musik angestoßen hatten, anstoßen wollen oder noch auf den Weg bringen werden.

Das war sicher nicht vollständig, wird es auch heute nicht sein, hat auch nicht diesen Anspruch. Doch ein Blick in die aktuelle Zeit lohnt trotzdem. Denn einige Formate werden sich etablieren, andere wieder verschwinden. Leonora Huth, Luisa Skrabic oder Teneja nutzen die Zeit ohne feste Engagements, um Konzerte auf Höfen und Balkons zu geben. Teilweise wurde das durch Sponsoren ermöglicht.

Julian Müller selbst trat im Oberbergischen an einer Talsperre mit Suprafon für die Rock-TV-Ikone Rockpalast auf. Der Stream hat fünfstellige Zugriffe. Die Band See You gab im Pina-Bausch-Saal ein Video-Konzert im Rahmen des ausgefallenen Dürpelfestes. Wann sie freilich wieder etwa die Ohligser Festhalle oder die Fläche vor der Bühne an der Grünstraße füllen dürfen, bleibt zumindest ungewiss.

Das Kulturmanagement hatte schnell die Zeichen der Zeit erkannt und das Video-Format mit vielen Künstlern auf den Weg gebracht. Senjam spielten zur Kulturnacht afrikanischen Reggae, NoMess präsentierten jazzigen Soul.

Der frühere ST-Journalist Uli Preuss setze mit einer ganzen Schar an Musikern ein Projekt eines Danke-Songs für alle Helfer in der Pandemie um. Den Song „Wir sind Solingen“ von See You setzten die Solo-Musiker und Bands Jannik Föste, Luisa Skrabic, Teneja, Proms, BePrepared, Destiny Calling, Karmas Choice, Juicy Souls, Pirates of Love und C.Braz um. Knapp 18 000 Aufrufe zeugen vom Erfolg.

„Wir wollen endlich wieder vor Menschen spielen.“

Jan Hauke, Jan & Jascha

Doch wie geht es weiter? Das Beispiel von Jan & Jascha zeigt: Es wird nicht einfach. Die beiden Solinger starten gerade in den Schlager-Charts mit ihrem Folk-Pop durch. Auftritte im TV gab es. Doch die großen Bühnen sind im Moment noch nicht zu betreten. Großveranstaltungen bleiben bis Ende Oktober ausgesetzt. Ab August wollen Jan Hauke und Jascha Welzel dann konsequent Straßenmusik machen, hoffen so, auch CDs verkaufen zu können. „Wir wollen endlich wieder vor Menschen spielen“, betont Jan Hauke.

Wie schwierig alles wird, beschrieb Anja Stock, Geschäftsführerin der Cobra, im Tageblatt-Gespräch. Ab Ende August will das Kulturzentrum wieder mit Konzerten und anderen Veranstaltungen starten. Doch das werde zunächst ganz klein sein. Zu Beginn verlegt das Zentrum in Merscheid die Aktivitäten in den Biergarten der Kantine.

Ein erstes Biergarten-Konzert gaben Peter Gorny und Gregor Wehning bereits als Duo Pirates of Love. „Ich habe schon gemerkt, wie eingerostet ich bin“, bekannte Grille Wehning nach der langen Spielpause.

„Ich habe schon gemerkt, wie eingerostet ich bin.“

Grille Wehning, Pirates of Love

Zur Musikszene gehören auch die DJs mit ihrer Electro-Music. Kurd Maverick trat beim Auto-Konzert auf dem Walder Marktplatz auf. Doch DJ Topic oder Tube & Berger vermissen natürlich die Clubs. Sie sind weiter geschlossen. Jetzt stehen spannenden Zeiten an, um die Solinger Rock- und Musikgeschichte lebendig fortzuschreiben.

Meine erste Platte

-jm- „Meine erste Single war von Cliff Richard & The Shadows. Welche das war, kann ich gar nicht genau sagen, aber mein Tipp wäre ‘Move It’“, erzählt Erhardt Schulte, Ex-Bassist der Solinger Beat-Legenden Lonestars. „Diese Musikrichtung hat mir total gut gefallen. Ich bin dann zum Palenschat gegangen und habe mir dort die Platte gekauft.“ Zu der Zeit lebte seine Familie mit den Großeltern unter einem Dach: „Denen hat das nicht so gefallen. Sie haben mich gefragt, was das denn bloß für eine Musik sei.“ Doch die neuen Klänge beflügelten ihn. „Wir haben die Lonestars in einem Merscheider Wohnzimmer gegründet. Mir wurde der Bass zugelost“, erzählt Schulte, der eigentlich mit der Gitarre angefangen hatte. Die Musik seiner Jugend begleitet ihn bis heute: „Heute laufen bei WDR4 die Oldies aus den 60ern. Der Sender ist in meinem Auto dauerhaft eingestellt.“

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