Mein Leben als Papa

Comeback im Kindergarten: Als wäre er nie weg gewesen

Da bin ich wieder: Hannes begrüßt seinen Kindergarten. Foto: gf
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Da bin ich wieder: Hannes begrüßt seinen Kindergarten.

ST-Redakteur Gunnar Freudenberg erzählt vom Alltag mit seinen Söhnen Hannes (5) und Michel (2).

„Vermisst du den Kindergarten?“ Irgendwann wollte ich es doch mal wissen und fragte Hannes unvermittelt. „Nö, zu Hause ist es doch auch schön“, gab Hannes eine Antwort, die mich zwar freute und durchaus ehrlich gemeint war – aber sicher nicht die ganze Wahrheit enthielt.

Es stimmt: Langeweile kam in den 73 Tagen ohne Kindergarten fast nie auf. Weil Michel mittlerweile ein echter Spielpartner geworden ist. Weil die Mama viele gute Ideen hatte, um die Jungs bei Laune zu halten. Weil es endlich mal richtig schneite. Weil er Zeit und Ruhe hatte, sich das Rollschuhlaufen selbst beizubringen. Und weil er über Briefe den Kontakt zu seinen Freunden hielt. Wie sehr sie ihm trotzdem fehlten, zeigte sich aber spätestens bei der Geburtstagsparty seines besten Freundes Julian. Die fand – wie so vieles im Moment – online statt. Mit großer Wiedersehensfreude und Leuchten in den Augen der Freunde.

Es war klar: Trotz aller Bedenken würden wir das Angebot der Landesregierung annehmen, Hannes in dieser Woche wieder in den Kindergarten zu schicken. Zu seinen Freunden. Ein Stückchen Normalität für uns alle.

Erster Tag:

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„Tschüss Papa, tschüss Michel!“, ruft Hannes beiläufig, schließt hastig die Tür hinter sich und wischt damit meine Bedenken, er könnte bei seinem Kindergarten-Comeback vielleicht Anlaufschwierigkeiten haben, vom Tisch. Beim Fertigmachen gilt es zuvor nur einen kritischen Moment zu überstehen, als wir ihm beichten, dass er sein neues T-Shirt mit dem Blitz vorne drauf heute nicht anziehen kann, weil es noch in der Wäsche ist. „Bis morgen ist es fertig“, verspreche ich ihm. Akzeptiert. Im Kindergarten stürmt Hannes direkt auf seine Freunde zu und ist sofort wieder drin in seinem Alltag. Michel vermisst seinen Bruder zu Hause auch nicht so sehr wie erwartet, sondern genießt, dass die volle Aufmerksamkeit an diesem Vormittag ihm gilt.

„Die Jungs hatten richtig Spaß“, sagt mir die Erzieherin beim Abholen am Mittag, während Hannes im Hintergrund noch ein Elfmeterschießen beenden muss. Den ganzen Nachmittag verbringen Hannes und Michel tobend im Garten. Von Müdigkeit keine Spur. Auch abends nicht. Erst kurz vor 21 Uhr schläft Hannes ein.

Zweiter Tag:

Wir haben vergessen, den Trockner anzustellen. Hoffentlich denkt er nicht. . . Er denkt dran. Um unnötige Diskussionen zu vermeiden, föhnen wir das geliebte T-Shirt trocken. Tag zwei im Kindergarten kann kommen. Wieder verhält sich Hannes so, als sei er nie weg gewesen. Na ja, fast. „Er hat heute Mittag zwei Teller Grünkohl gegessen“, lobt und staunt die Erzieherin. Und ich mit.

Dritter Tag:

Routine ist eingekehrt. Bei Hannes, Michel und der Mama. Bei mir nicht. „Kann es sein, dass du seine Trinkflasche gestern beim Abholen vergessen hast?“, fragt mich meine Frau. Ja, hab ich. „Kann er aber langsam auch selbst mal dran denken“, nehme ich Hannes bockig mit in die Pflicht. Dabei sollte ich einfach froh sein, wie toll er seine Rückkehr in den Kindergarten nach so langer Abstinenz meistert.

Vierter Tag:

„Ich will heute zu Hause bleiben!“, überrascht uns Hannes an diesem Morgen. Ist er müde? Braucht er eine Pause? Nein, er macht wohl nur ein paar Mätzchen mit uns. Hat er schon vor 73 Tagen einmal in der Woche mit uns gemacht.

Mit dem Versprechen, im Auto laut Musik zu hören, ist sein Interesse, das Spiel zu gewinnen, aber schon erloschen. Im Kindergarten feiert Julian seinen Geburtstag nach. Diesmal nicht online, sondern mit Eis. Ein schöner Abschluss der ersten Vier-Tage-Woche im Kindergarten nach langer Zeit. Hoffentlich folgen noch viele weitere. . .

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