Chronik: Theatertreppe wird zur Tragikomödie

So sah die ursprüngliche Planung 2014 aus. Dagegen sammelte eine Bürgerinitiative 10 000 Unterschriften. Grafik: Architekturbüro Landschaft + Garten
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So sah die ursprüngliche Planung 2014 aus. Dagegen sammelte eine Bürgerinitiative 10 000 Unterschriften.

Viele breite Stufen waren geplant. Dann eine Trampe. Heute eher Nichts. Bürger protestierten stets.

Von Philipp Müller

In der Tragikomödie Theatertreppe von der Konrad-Adenauer-Straße hinauf zum Kassenhaus endet morgen der nächste Akt. Auf Empfehlung des Stadtplanungsausschusses soll der Rat seine Entscheidung für eine

Die 2014 beschlossene Alternative endete in der „Theatertreppe – Variante 2“ per Ratsbeschluss im Mai 2016.

Trampen-Lösung kassieren. Doch das Stück ist damit noch nicht beendet. Denn das Theaterumfeld soll nicht unvollendet bleiben. Als Nächstes wird die Szene geschrieben, was mit den Bunkerresten geschieht. Entfernen oder Nichtentfernen – das ist hier die Frage. Doch wie konnte es zum Streit über Stufen, Trampen und die Verwendung öffentlicher Mittel kommen?

November 2013: Die Stadt stellt erstmals öffentlich die Pläne im Detail vor, wie die Nordstadt verschönert werden soll. Zugleich verkündete sie, dass das Millionen-Euro-Projekt zu 80 Prozent vom Land finanziert wird. Sofort regte sich in der Bevölkerung Unmut über die geplante Theatertreppe, die die Planer zur Öffnung des Hauses zur davor liegenden Durchgangsstraße planten.

Dezember 2013: Das Ziel eines Bürgerbegehrens kristallisiert sich heraus: Kein Treppenbau. 

Februar 2014: Start der offiziellen Unterschriften-Sammlung gegen den Teil des Projekts „Soziale Stadt – Nordstadt“ mit Theatertreppe und die damit verbundene „Geldverschwendung“. Bis zum Stichtag am 24. März unterschreiben über 10 000 Bürger. Notwendig für die Ablehnung waren 6500. 

29. April 2014: Der Rat lehnt den Bürgerantrag ab. Folge: Der Bürger soll an der Urne über die Zukunft der Treppe entscheiden. Die hohen Kosten des Bürgerentscheids spalten die  Diskutanten  noch  weiter. 

15. Mai 2014: Kehrtwende durch einen öffentlich-rechtlichen Vertrag zwischen Stadt und der Bürgerinitiative „Wir für Solingen“. Die Stadt verzichtet auf die Treppe. Zugleich wird die Suche nach einer Treppenalternative vereinbart. Außerdem will die Stadt untersuchen, ob bei den Kosten für das Theaterumfeld gespart werden kann. Die Idee einer Rampe als Zugang taucht in den folgenden Tagen erstmals auf. 

September 2015: Für die Rampe werden fünf Varianten erarbeit und den Bürgern vorgestellt. Keine gefällt. Die Entscheidung wird auf Eis gelegt. 

8. April 2016: Der neue Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) will den Befreiungsschlag. Alle 126 000 Bürger sollen darüber entscheiden, dass doch eine Treppe gebaut wird oder

Das ist der aktuelle Stand. Theoretisch müsste die beschlossene Trampe durch den Bunker am Stadttheater verlaufen.

eben nicht. Seine Idee: Die umstrittene Treppe kann sofort gebaut werden, wenn sich eine Mehrheit dafür entscheidet, die mindestens zehn Prozent der Abstimmungsberechtigten umfasst. Hintergrund: Die Stadt fürchtet, Zuschüsse für den gesamten Nordstadtumbau zurückzahlen zu müssen, kommt die ursprünglich beantragte Treppe nicht. Dem OB wird von Seiten der Bürgerinitiative Rechtsbruch des Vertrags vom 15. Mai 2015 vorgeworfen. Unmut gibt es auch in der Politik. 

23. Juni 2016: Nach Beratung durch die Ausschüsse kippt der Rat die Idee des Bürgerentscheids von Kurzbach. Stattdessen soll aus den fünf Varianten aus 2015 die Zweite gebaut werden. Die Bürgerinitiative kündigt Widerstand an. Ihre Begründung: In der „Trampe“, so wird der Kompromiss genannt, befänden sich immer noch Stufen. 

Sommer 2016: Der Umbau des Theaterumfelds hat begonnen. Es zeigt sich: Für die Trampe ist eigentlich gar kein Platz. Trotzdem wird an ihr geplant. 

März 2017: Die Politik beerdigt die Trampenidee ganz still hinter den Kulissen. Stattdessen taucht auf deren Fläche ein alter Bunker aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs auf. 

6. Juli 2017: Heute soll der Rat die Trampe endgültig kassieren, die Verwaltung den Umgang mit dem Bunker planen. Ziel der Politiker: Die Bürger sollen in die Entscheidungen eingebunden werden. Gewünschter Titel des nächsten Akts: „Denn sie wissen, was sie tun.“

UMBAU NORDSTADT

PROJEKT Der Umbau des Quartiers rund um das Rathaus nennt sich „Soziale Stadt – Nordstadt“. Kurz vor dem Abschluss befindet sich der Bereich der Konrad-Adenauer-Straße. Inzwischen hat Stadtdirektor Hartmut Hoferichter (parteilos) erfahren, dass der Verzicht auf die Theatertreppe nicht zu Zuschussrückzahlungen führt.

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