Aktion

Christus-Figur wird in Kirche vervielfältigt

So sieht die Christus-Figur aus, die bei einem Kunstprojekt zum Lutherjahr in Haan gefertigt werden. Es gibt sie auch in anderen Farben. Fotos: Uli Preuss
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So sieht die Christus-Figur aus, die bei einem Kunstprojekt zum Lutherjahr in Haan gefertigt werden. Es gibt sie auch in anderen Farben.

Das 3-D-Netzwerk aus Solingen unterstützt ein Haaner Künstlerduo bei der Umsetzung eines Projektes zum Lutherjahr.

Von Michael Kremer

Die Erfindung des Buchdrucks in der Mitte des 15. Jahrhunderts durch Johannes Gutenberg hat eine Revolution ausgelöst. Eine ähnliche Rolle könnte der moderne 3-D-Druck in der heutigen Zeit spielen. Da lag es für das Haaner Künstlerduo schneider+mombaur nahe, beides in einer Installation zum Lutherjahr zu verbinden. Verwirklicht haben sie ihr Projekt maßgeblich durch die Unterstützung des 3-D-Netzwerks NRW, das in Solingen seinen Sitz hat.

Das Netzwerk wurde vor zwei Jahren auf Initiative von Werner Koch, Geschäftsführer der Firma Trendlog 3D, mit Unterstützung der städtischen Wirtschaftförderung gegründet. Zunächst als regionale Initiative gedacht, hat das Netzwerk mittlerweile weltweit rund 300 Mitglieder. Darunter sind 15 Universitäten und mehrere Fraunhofer Institute. Ziel des Netzwerkes ist es nach Angaben seines Leiters, Wissenschaft und Wirtschaft zusammenzubringen und sie zu gemeinsamen Projekten anzuregen.

Werner Koch zeigt Güdny Schneider-Mombaur und Ulrich Christmann (Bauausschuss der evangelischen Kirchengemeinde Haan) den 3-D-Drucker, mit dem die Christfiguren vervielfältigt werden.

„Wir probieren auch gerne mal etwas Neues aus“, sagt Koch. Die Zusammenarbeit mit Künstlern ist für ihn allerdings nicht ganz neu. So sind unter anderem einige „Froschkönige“ des Solinger Künstlers Stefan Seeger schon durch seine 3-D-Drucker entstanden. Auch der in Wuppertal lebende Künstler Tony Cragg arbeitet gelegentlich mit der modernen Technik.

Neuland ist der künstlerische Einsatz der Drucker hingegen für das Duo Güdny Schneider-Mombaur und Wolf de Haan. Die Künstlerin ist Mitglied im Verein Solinger Künstler und hatte zu Jahresbeginn parallel zur Jahresausstellung des Vereins eine Einzelausstellung im Kunstmuseum Solingen.

Gleichwohl stellt das Projekt der Künstler mit dem Titel „Solus Christus 3.D.0“ eine bisher nicht erlebte Herausforderung für den Gründer des Netzwerkes dar. Denn das Originalmodell, eine beschädigte Christus-Figur, soll während des einmonatigen Events in der evangelischen Kirche in Haan sogar während der dortigen Gottesdienste live vor Ort vervielfältigt werden. Geplant ist eine limitierte Auflage der gedruckten Christus-Figur in knalligen Farben von rund 100 Exemplaren. Sie können gegen eine Spende für ein soziales Projekt der Gemeinde erworben werden.

Der 3-D-Drucker wird auf dem Altar stehen

Je nach Qualität und Größe der Christus-Figuren dauert deren Druck zwischen 45 Minuten und 24 Stunden. Gefertigt werden sie laut Koch aus einem biologisch abbaubaren Kunststoff. Den fügt der Drucker nach dem zuvor gescannten Original Schicht für Schicht zu einer Kopie zusammen. Die Vorlage selbst ist etwa 20 Zentimeter groß und kann von dem auf dem Altar stehenden Drucker bis zu einer Größe von 60 Zentimetern reproduziert werden.

„Ohne das 3-D-Netzwerk hätten wir unsere Idee nicht realisieren können“, betont die Künstlerin. Ihr Konzept verweist theologisch auf die Solas der Reformation. Es greift die Lehre auf, dass es für den Menschen nur Jesus Christus bedarf, um die Gnade Gottes zu empfangen. Weltlich und historisch bezieht sich das Projekt auf das Prinzip der Vervielfältigung durch die Druckkunst: Die Reformatoren um Martin Luther benutzten die Erfindung Gutenbergs als Massenmedium, um ihre Schriften zu verbreiten.

INSTALLATION

PROJEKT Das Haaner Künstlerduo schneider+mombaur präsentiert seine Installation vom 1. bis 30. Juni in der evangelischen Kirche in Haan an der Kaiserstraße. AKTION Die Installation ist Teil der Aktion „Augenmerk – Kirche neu sehen“, die der Kirchenkreis Düsseldorf-Mettmann zum Lutherjahr in zehn Gemeinden veranstaltet.

Güdny Schneider-Mombaur erklärt das wie folgt: „Durch die dreidimensionale Vervielfältigung des christlichen Symbols erzielen wir Aufmerksamkeit, aktualisieren und erreichen neue Zielgruppen in einer weitgehend digitalisierten Welt. Dem im wörtlichen Sinn alten Modell der Christus-Figur wollen wir eine formale Aktualisierung durch den Einsatz einer modernen Technologie ermöglichen, die zwar bekannt ist, aber noch nicht so verbreitet, dass sie nicht immer noch eine Faszination auf den Betrachter und Benutzer ausübt.“

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