Kunst

Was Christo mit der Klingenstadt verband

In Berlin begann die Verbindung Christos zu Solingen. Foto: Britta Pedersen/dpa
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In Berlin begann die Verbindung Christos zu Solingen.

Der Solinger Walter Scheel setzte sich für Reichstagsverhüllung ein.

Von Wilhelm Rosenbaum

Ein spektakuläres Kapitel der modernen Kunstgeschichte ist geschlossen: Der globale Verhüllungskünstler Christo Vladimir Jawatschew aus Bulgarien ist 84-jährig in New York gestorben. Er hat gemeinsam mit seiner Frau Jeanne-Claude, die 2009 starb, Landschaften und Gebäude in aller Welt umgestaltet: Er hat elf Inseln vor der Küste Floridas mit rosa Textilbahnen bedeckt, einen Stoff-Zaun durchs kalifornische Hügelland laufen lassen, den Pont Neuf in Paris in Champagnerfarbe getaucht. Und er hat 1995, zusammen mit seiner Frau, in Berlin für 14 Tage das Reichstagsgebäude in ein fantastisches Kunstwerk verwandelt.

In Berlin beginnt auch seine Verbindung zur Klingenstadt, zu Walter Scheel nämlich, den der bulgarische Weltbürger als „einen alten Mitkämpfer“ würdigte. Scheel erinnerte sich im Rückblick an die „Geburtswehen“ der Berlin-Offerte. „Was den Reichstag angeht, hat es vom ersten Tag der Idee Kontakte zwischen Christo und mir gegeben. Ich habe mich auch vom ersten Tag an für dieses Projekt erwärmt“, schilderte der Alt-Bundespräsident seine Beteiligung. Zahlreiche Gespräche habe er persönlich mit Bundestagspräsidentinnen und -präsidenten geführt, bis endlich eine, nämlich Rita Süßmuth aus Wuppertal, den Mut aufbrachte, sich ebenso für die außergewöhnliche Aktion einzusetzen.

Scheel nahm auch „als Zuhörer“ an der entscheidenden Parlamentssitzung teil, die nach 24 Jahren der Planung endlich zur „Verpackung“ des historischen Gebäudes führte. Er selbst hatte Christo zuvor in New York, in Bonn und in Berlin getroffen und bestätigte auch, was die Kunstgeschichte über seine Frau mitteilt: „Ich kenne seine Frau, die die Christo-Aktivitäten zu einem guten Teil mit ihrer bewundernswerten Energie nicht nur unterstützt, sondern betreibt“.

Amüsante Fußnote aus Solingen: In einem ST-Leserbrief 1985 hoffte Dr. Dirk Soechting, damalige Burger Museumsdirektor, bei der internationalen Popularität Christos mit leiser Ironie auf einen ganz großen Wurf: „Es wäre mir in der Tat lieb, wenn der Verpackungskünstler Christo Schloss Burg für ein Jahr mal einpacken würde – das gäbe ein Geschrei und wäre eine tolle Werbung. Erst dann würden manche Leute sehen, was sie an Schloss Burg eigentlich für eine Kostbarkeit haben“.

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