Ausstellung

Cartoons: Eine Sprache, die alle Welt versteht

Gaby von Borstel und Peter Eickmeyer waren drei Wochen an Bord des Mittelmeer-Rettungsschiffes MS Aquarius. Diese Geschichte ist aktuell, das Boot mit Flüchtlingen durfte zuletzt Italien nicht mehr anlaufen. Fotos: Uli Preuss
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Gaby von Borstel und Peter Eickmeyer waren drei Wochen an Bord des Mittelmeer-Rettungsschiffes MS Aquarius. Diese Geschichte ist aktuell, das Boot mit Flüchtlingen durfte zuletzt Italien nicht mehr anlaufen.

Im Zentrum für verfolgte Künste öffnet Samstag eine Ausstellung mit Karikaturen zu Flucht, Vertreibung und Menschenrechten.

Von Philipp Müller

Von einer anderen, modernen Seite zeigt sich ab Sonntag das Zentrum für verfolgte Künste. Aber es verleugnet weder seinen Sinn noch seinen Auftrag. „Cartooning for Peace – Neunte Kunst“ ist der Titel der Ausstellung, die um 11 Uhr im ehemaligen Gräfrather Rathaus eröffnet wird. Die Ausstellung stellt Cartoonisten und Karikaturisten vor, die sich mit den Themen Flucht, Vertreibung und Menschenrechten beschäftigen.

Damit ist auch die Klammer zum Zentrum geschaffen, das diese Themen und die Biografien der Künstler zeigt, aufarbeitet und mittlerweile mittels Wanderausstellungen durch die Welt schickt, wie Museumsdirektor Dr. Rolf Jessewitsch gestern bei der Vorstellung der Schau erklärte. Dazu liegt dem Solinger Tageblatt heute auch die 16-seitige Beilage „Neunte Kunst“ bei, die die Macher der Ausstellung und einen Teil der ausgestellten Cartoons vorstellt.

Cartooning for Peace bietet vier Ausstellungs-Abschnitte

Die Ausstellung ist in vier Abschnitte aufgeteilt. Direkt nach dem Eingang wird mit vielen Werken aus dem Bestand des Zentrums und des Kunstmuseums Solingens, ergänzt durch Leihgaben aus der Literatursammlung Ralf Wassermeyer, die Geschichte der modernen Karikatur erklärt. Dabei stehen Werke von George Grosz im Mittelpunkt. Er war schon in der Weimarer Republik hoch umstritten. „Er war mein großes Vorbild,“ sagte gestern Ernst Volland. Der Polit-Künstler ist ebenfalls in der Ausstellung vertreten.

Talal Nayer, Präsident des sudanesischen Cartoonisten-Verbands, hat für „Cartooning for Peace“ Karikaturisten aus aller Welt gewinnen können, deren Werke im Anschluss in Mittel- und Südamerika und Europa gezeigt werden.

Im zweiten Teil sind dann die der Ausstellung den Titel gebenden „Cartoons für den Frieden“ zu sehen. Sie gehen auf das 170 Künstler aus 60 Ländern umfassende Netzwerk „Cartooning for Peace“ zurück. Der berühmte französische Karikaturist Plantu und der frühere UN-Generalsekretär Kofi Anan riefen es ins Leben. Mit gutem Grund. Viele der Künstler dürfen in ihren Ländern nicht arbeiten, sind verboten.

Für Thomas Plaßmann vom Cartoon-Netzwerk ist die Ausstellung deshalb sehr bedeutend. „Wir finden in Museen kaum statt.“ Dabei funktioniere die Karikatur weltweit. „Sie kommt fast ohne Sprache aus, jeder versteht sie.“

KICHKA-DOKU-FILM

COBRA Der Dokumentarfilm „Kichka. Life is a Cartoon“ wurde vom Zentrum für verfolgte Künste mit verschiedenen Partner produziert. Premiere feierte er in Brüssel. In Solingen ist er im Rahmen von „Cartooning for Peace – Neunte Kunst“ in der Cobra zu sehen.

TERMIN Sonntag, 1. Juli, 11 Uhr, Tickets unter Tel. 25 81 40.

Der Solinger Karikaturist Marcus Gottfried zeigte sich begeistert von der Qualität der Arbeiten. „Leider schaffen es solche Werke kaum noch in den Druck.“ Damit meint Gottfrieds die Tendenz von Zeitungen, auf Karikaturen als Kommentar-Mittel zu verzichten. In diesem Sinne dankte Gottfried dem Solinger Tageblatt, dass seine Kollegen die Plattform der ST-Beilage hätten.

Gottfried wird nach den Sommerferien im Gerhard-Berting-Haus Schulklassen erklären, wie man Karikaturen selbst zeichnet. Das interaktive Angebot ist in eine Außenstelle des Zentrums eingebunden. Der Kurator des Zentrums, Jürgen Kaumkötter, will „Cartooning for Peace“ dort der Öffentlichkeit weiter zugänglich machen, durch das pädagogische Programm ergänzen.

Der dritte Teil der Ausstellung im Untergeschoss wird von Talal Nayer verantwortet. Als Kurator holte er aus seinem Netzwerk und dem von Plantu Karikaturisten zusammen, die sich aktuellen, meist mit den Menschenrechten befassenden Themen widmen. Der Präsident des sudanesischen Cartoonisten-Verbandes wird die Ausstellung später noch quer durch Mittel- und Südamerika und Europa schicken.

Der vierte Block ist die Ausstellung „SOS Méditerranée“ von Gaby von Borstel und Peter Eickmeyer. Sie befasst sich mit dem Boot „Aquarius“, das Flüchtlinge aus Afrika im Mittelmeer aufnimmt und zuletzt in den Schlagzeilen war, weil es Italiens Häfen nicht mehr anlaufen durfte. Eröffnung, Sonntag, 24. Juni, , 11 Uhr, Zentrum für verfolgte Künste, Wuppertaler Straße 160

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