Auszeichnung

Cartonnagenfabrik wird moderner Wohnraum

Die Altbaufassade der alten Firma konnte mit ihrem Stuck erhalten bleiben. Dafür wurde Bauherr Dr. Reinhard Maaß nun ausgezeichnet.
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Die Altbaufassade der alten Firma konnte mit ihrem Stuck erhalten bleiben. Dafür wurde Bauherr Dr. Reinhard Maaß nun ausgezeichnet.

Der KfW Award honoriert nachhaltiges Bauen – Auszeichnung geht nach Solingen.

Von Alexandra Dulinski

Solingen. Die Alte Cartonnagenfabrik an der Melbeckstraße in Mitte wurde durch die KfW Bankengruppe mit dem Award Bauen 2020 ausgezeichnet. In der Kategorie Bestandsbau belegten der Solinger Bauherr Dr. Reinhard Maaß und die Kölner Architekten Eugenio D. Catalano und Sebastian Quiel vom Architektenbüro Catalanoquiel den dritten Platz.

Rund 130 Bewerbungen seien bei der KfW für den Award eingegangen, der bereits seit 18 Jahren vergeben wird, berichtet Alia Begisheva, stellvertretende Pressesprecherin der KfW. Die diesjährige Verleihung stand unter dem Motto „Häuser für heute und morgen.“

„Unser Job war es, den Charme und Charakter der Alten Cartonnagenfabrik beizubehalten.“

Eugenio D. Catalano, Architekt

Die beiden Architekten Eugenio D. Catalano (links) und Sebastian Quiel haben die neue Cartonnagenfabrik entworfen.

Eine Fachjury hat die Einsendungen unter anderem nach guter Integration in das bauliche Umfeld, Energie- und Kosteneffizienz, zukunftsorientierter und nachhaltiger Bauweise sowie optimaler Raum- und Flächennutzung bewertet.

„Uns hat vor allem die maßvolle, selbstbewusste Kontrastierung der erhaltenen historischen Struktur mit zeitgenössischen Bauteilen überzeugt“, sagt Jurymitglied, Architektin und Städteplanerin Ulla Luther. „Hier wurde energieeffizienter Wohnraum im historischen Industriegebäude geschaffen und dabei kamen Originalbauteile und traditionelle Baustoffe zum Einsatz. Ein rundum gelungenes Stück Stadtreparatur.“ Den Architekten sei es in erster Linie um die Umnutzung und den Umbau einer ehemaligen Gewerbefläche in ein Wohnhaus gegangen. 1898 erbaut, wurden in der Cartonnagenfabrik zunächst Verpackungsprodukte für die Solinger Industrie hergestellt, erzählt Bauherr Dr. Reinhard Maaß. Zwischenzeitlich sei ein Druckereibetrieb in dem Fabrikgebäude gewesen. Im Jahr 2016 hat Maaß dann seinem Schwiegersohn Sebastian Quiel und dessen Kollegen Eugenio D. Catalano den Auftrag gegeben, die Fabrik umzugestalten, nachdem diese durch Abrissarbeiten im Jahr 2012 ruinenhaft zurückgelassen wurde.

Vor der Sanierung im Jahr 2016 sah das Gebäude an der Melbeckstraße noch aus wie eine Ruine.

„Unser Job war es, den Charme und Charakter der Alten Cartonnagenfabrik beizubehalten“, erklärt Eugenio D. Catalano. Von der Planung bis zur Fertigstellung im Jahr 2018 seien rund drei Jahre vergangen. „Wir haben versucht, so wenig wie möglich zu verändern und uns auf das Wesentliche, was ein Raum braucht, zu reduzieren“, so Catalano.

Bei der Planung seien sie auf alte Gusseisenstützen und altes Mauerwerk gestoßen, haben überlegt, wie sie Beides erhalten können. Im Fokus standen Flexibilität, Offenheit und Helligkeit. Beispielsweise stehen die Trockenbauwände direkt auf dem fertigen Boden – üblicherweise werden Wände auf den Boden gesetzt und dann durch Estrich oder Laminat gedämmt – so dass die Wand bei Bedarf leicht entfernt und der Raum schnell von einem Schlafzimmer in ein Arbeitszimmer umgewandelt werden kann.

Offenheit und Helligkeit sind die Stichworte, mit denen die Räume heute beschrieben werden können.

„Unser Hauptaugenmerk war, zurückhaltend zu sein und das, was da ist, zu zelebrieren“, sagt Catalano. Dabei mussten einige genehmigungstechnische Hürden und Vorgaben, wie Brand-, Schall- und Wärmeschutz genommen werden. „Wir haben uns intensiv mit Fachleuten auseinandergesetzt und besprochen, wie man die alten Elemente zeigen kann und dabei die Vorgaben erfüllt“, berichtet Catalano. So wurde das Hinterhaus stärker gedämmt, um die Altbaufassade mit ihrem Stuck erhalten zu können. Sieben Wohnungen sind so auf den 600 Quadratmetern des Gebäudes entstanden, die sogleich auch alle vermietet wurden.

Für die Architekten Eugenio D. Catalano und Sebastian Quiel war die Cartonnagenfabrik das erste gemeinsame Projekt. Die Auszeichnung mit dem KfW Award bestätige sie in ihrer Arbeit.

Bei der Gründung ihres Architektenbüros im Jahr 2016 sei der Trend, ressourcenschonend und nachhaltig zu bauen, noch nicht so stark gewesen wie heute. „Es macht uns stolz, dass unsere zurückhaltende Haltung damit honoriert wird“, sagt Catalano.

Hintergrund

Der KfW Award Bauen zeichnet Bauherren oder Baugemeinschaften aus, die in den vergangenen fünf Jahren ein Neubau-Projekt umsetzten oder ein bestehendes Gebäude erweiterten, modernisierten oder belebten. Die sieben ausgezeichneten Objekte in den Kategorien Neubau, Bestandsbau und Sonderpreis wurden mit einem Preisgeld von insgesamt 35 000 Euro prämiert. Die Cartonnagenfabrik gewann mit dem dritten Platz eine Summe von 3000 Euro. Andere Objekte stehen unter anderem in Hamburg und Stuttgart.

Während im Rest der Stadt wenig für Mieter gebaut wird, könnte es im Westen bald höhere Preise geben. In Ohligs kommen viele Mietwohnungen dazu.

Hohe Nachfrage trifft in Aufderhöhe auf wenige Angebote. Bauplätze sind ebenso rar wie die Einfamilienhäuser, die den Stadtteil prägen.
Wohnen in Mitte: Es gibt zu wenig hohe Qualität. Eigentümer haben es schwer, wenn sie auf Gewerbe festgelegt sind – Seniorenwohnungen sind gefragt.

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