Mobilität

Car-Sharing in Solingen nimmt neuen Anlauf

Stießen auf das neue Angebot an (v. l.): Nicole Herder, Tim Kurzbach, Lara Stommel und Uwe Dzubiella.
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Stießen auf das neue Angebot an (v. l.): Nicole Herder, Tim Kurzbach, Lara Stommel und Uwe Dzubiella.

Die Stadt Solingen, zwei Solinger Autohäuser und der Anbieter Kinto Share kooperieren.

Von Manuel Böhnke

Solingen. Bisher konnte sich das Konzept nicht durchsetzen, nun nimmt das Car-Sharing in der Klingenstadt einen neuen Anlauf. Am Dienstag haben die Stadt, der Anbieter Kinto Share sowie die Autohäuser Lackmann und Nouvertné ihren gemeinsamen Ansatz vorgestellt. Ab sofort ist das stationsbasierte System verfügbar.

„Car-Sharing ist kein neues Thema für Solingen, wir haben schon Erfahrungen gesammelt“, betonte Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD). Doch das bisherige Angebot sei „zu unflexibel und nicht marktgerecht“ gewesen. Die neue Kooperation, die die Stadt mit der Wirtschaftsförderung sowie dem Bereich „Smart City“ unterstützt hat, solle dazu beitragen, „den Mobilitätswandel voranzubringen“.

Kinto Share ist ein Service des Automobilherstellers Toyota. „Wir arbeiten aber mit allen Marken zusammen“, berichtete Lara Stommel. Die Leiterin des Projekts weiß, dass es in Solingen bereits Car-Sharing-Ansätze gab, die nicht von langfristigem Erfolg gekrönt waren. Dennoch ist sie hoffnungsvoll, vor allem wegen der Zusammenarbeit mit den Händlern vor Ort: „Sie kennen die Bedürfnisse in Solingen.“ Zudem sei der überschaubare Markt ein Vorteil, wohingegen es in größeren Kommunen meist Konkurrenz zahlreicher Anbieter gebe. Lara Stommel ist überzeugt: „Auch Städte von der Größe Solingens brauchen alternative Mobilitätsangebote.“

Kinto Share ist für die Abwicklung verantwortlich. Diese erfolge digital per App – von der Registrierung über die Buchung bis hin zur Bezahlung. Die Autohäuser steuern die Fahrzeuge bei. Nicole Herder von Nouvertné zeigte sich „gespannt, wie sich neue Kundenkreise erschließen“. Lackmann-Vertreter Uwe Dzubiella freut sich auf die „spannende Herausforderung“.

„Auch Städte von der Größe Solingens brauchen alternative Mobilitätsangebote.“

Lara Stommel, Kinto Share

Sechs Pkw stellen die Autohäuser zunächst für „Solingen Share“ zur Verfügung – vom Kleinwagen bis zum leichten Nutzfahrzeug. Die Nutzer haben einerseits die Möglichkeit, die Autos mit einem festgelegten Start- und Endzeitpunkt zu reservieren. Diese Fahrzeuge stehen am Autohaus Lackmann bereit.

Ein Teil der Pkw kann jedoch, sofern verfügbar, spontan gebucht werden. Dafür wurden Zonen festgelegt, die sich von Wald in Richtung Central, Schlagbaum und Rathaus bis in die Innenstadt erstrecken. Innerhalb dieser Grenzen können die Autos auf dafür vorgesehenen Flächen abgestellt werden.

Die Kosten richten sich nach der Fahrzeugkategorie. Beispiel Kleinwagen: Für diese werden 2,99 Euro pro Stunde fällig, wobei die Abrechnung minütlich erfolgt. Der Tageshöchstsatz liege bei 39,99 Euro. Hinzu komme ab dem 21. Kilometer eine Pauschale von 27 Cent pro Kilometer.

„Wir möchten eine Alternative zum Besitz eines Autos bieten. Wenn man Gewissheit hat, dass Car-Sharing funktioniert, verzichtet man eher auf ein eigenes“, sagte Lara Stommel. Das gelte vor allem für Menschen, die nur selten auf einen Pkw angewiesen sind. Typische Anwendungsfälle für Kinto Share seien kurze Fahrten zum Einkaufen und Wochenendausflüge. Zudem sei das Angebot immer dann sinnvoll, wenn der eigene Wagen einer Anforderung nicht genügt, etwa weil er für eine Fahrt zu klein ist.

Lara Stommel macht sich keine Illusionen, dass das neue Car-Sharing-Angebot in Solingen sofort angenommen wird. „Das wird dauern“, sagt sie. Das Ziel sei, das System nachhaltig zu etablieren und nicht bei kurzfristig ausbleibendem Erfolg wieder vom Markt zu verschwinden. Wenn die Nachfrage steige, lasse sich die Fahrzeugflotte schnell erweitern – auch in Kooperation mit weiteren Autohäusern.

Einstweilen vom Car-Sharing in Solingen verabschiedet hat sich die Schönauen-Gruppe. Das Autohaus versuchte in den vergangenen Jahren mit verschiedenen Modellen, das Thema voranzutreiben. Aufgrund schlechter Erfahrungen habe man das Angebot inzwischen eingestellt, erklärt das Unternehmen. Immer wieder sei es zu Schäden und Problemen an den Fahrzeugen gekommen, die dem Verursacher nicht nachgewiesen werden konnten. Die Abwicklung der Dienstleistung – zu kompliziert.

Stadtmobil

Mit drei Car-Sharing-Fahrzeugen ist die Stadtmobil Rhein-Ruhr GmbH in Solingen vertreten – noch. Das Essener Unternehmen plant, sich Ende 2022 aus der Klingenstadt zurückzuziehen, bestätigt Vertriebsleiter Edgar Augel. Die Nachfrage sei auf Dauer nicht groß genug, um einen wirtschaftlichen Betrieb sicherzustellen.

Standpunkt von Manuel Böhnke: Schwieriges Pflaster

manuel.boehnke@solinger-tageblatt.de

Solingen ist offensichtlich ein schwieriges Pflaster für Car-Sharing. Einige Anbieter haben in den vergangenen Jahren versucht, in der Klingenstadt Fuß zu fassen. Durchschlagender Erfolg blieb bislang aus.

Über die Gründe dafür lässt sich nur spekulieren: Waren die Angebote nicht flexibel genug? Gab es zu wenige Fahrzeuge und Stationen, um Autofahrer davon zu überzeugen, das eigene Kfz zugunsten gemeinschaftlich genutzter Fahrzeuge abzugeben? Ist das Konzept, das bei Diskussionen über die Mobilität der Zukunft eine Schlüsselrolle einnimmt, für Städte wie Solingen ungeeignet? Oder ist die Zeit schlicht noch nicht reif? Vielleicht ist es eine Mischung aus allen Faktoren.

Ob die sechs Fahrzeuge, die ab sofort auf den hiesigen Straßen unterwegs sind, den Durchbruch für das Car-Sharing bedeuten, bleibt abzuwarten. Kinto Share möchte langfristig in der Stadt vertreten sein und hat mit Toyota einen starken Konzern im Rücken. Das macht Mut, dass das Angebot bestehen bleibt, bis die Mobilitätswende auch Solingen erreicht. 

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