Can Dündar diskutiert mit Theaterbesuchern in Solingen

Can Dündar war zu Gast im Solinger Theater. Foto: Fabian Sommer/dpa
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Can Dündar war zu Gast im Solinger Theater.

Westfälisches Landestheater bringt „Verräter“ auf die Bühne – nach dem gleichnamigen Buch des bekannten Journalisten

Von Jutta Schreiber-Lenz

Für die Bühnenadaption des Buches „Verräter“ von Can Dündar steckte Regisseur Christian Scholze vom Westfälischen Landestheater Castrop-Rauxel den Schauspieler Neven Nötig als verfolgten türkischen Journalisten kurzerhand in einen riesigen, goldenen Vogelkäfig. Stange, Wassernäpfchen und besonders der Spiegel gegen zu große Einsamkeitsgefühle karikierten damit auf eindringliche und geradezu schmerzhaft nachfühlbare Weise die emotionale Situation des ehemaligen türkischen Chefredakteurs in seinem Berliner Exil.

„Mich hat dieser persönliche Blickwinkel auf das Schicksal von Can Dündar sehr interessiert“, sagte Scholze in der sich nach dem Ende des Stücks anschließenden Podiumsdiskussion, unter anderem mit Dündar selbst, der lebhaft und humorvoll Rede und Antwort stand. „Es ist ja ein Leben zwischen Ehrungen und Anerkennung auf der einen Seite, alltäglichen Bedrohungen und akuten Gefahren auf der anderen, sowie in beständiger Einsamkeit, Fremdheit und Isolation.“

Die rund 50 Zuschauer, die am Sonntagabend den Weg in den Pina- Bausch- Saal gekommen waren, erwartete ein interessanter und gut gelungener Mix aus politischer und gesellschaftlicher Realität und faszinierendem Theater mit überzeugender Schauspielkunst. Schon die Präsenz von überkorrekt gekleideter Security beim Einlass, die akribisch mitgebrachte Taschen kontrollierte, machte die aktuelle Relevanz des Themas deutlich.

Darstellung ging unter die Haut

Politisch ein nach wie vor überzeugter und aktiver journalistischer Kämpfer für demokratische Werte, lebt und arbeitet Can Dündar im Exil. Was sein Leben ihm abverlangt – mit der Sehnsucht nach der Familie und der ständigen Angst vor türkischen Häschern, konnte das Ensemble des Westfälischen Landestheaters so überzeugend darstellen, dass es dem Publikum tief unter die Haut ging. Ebenso Dündars trotz allem nicht nachlassende Überzeugung von der Großartigkeit dessen, was es heißt, ein in Würde und Freiheit lebender Mensch zu sein. Es sei ein großer Gewinn gewesen, bei der Bühnenadaption in enger Verbindung zu Dündar gestanden zu haben, sagte Regisseur Scholze. „Wir haben uns von Äußerlichkeiten gelöst und sind dennoch durch zusätzliche persönliche Berichte und Anekdoten von ihm möglicherweise noch authentischer geworden.“

Das Publikum spendete viel Applaus und war spürbar berührt, insbesondere von dem in Stück und Gespräch gezogenen und transportierten Fazit: Dass es sich lohnt und dass es richtig ist, seine freiheitlichen Überzeugungen zu leben und sich nicht faschistischen Strömungen zu beugen.

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