Verkehr

Busse und Fußgänger verhindern Grüne Welle

Die perfekte Grüne Welle an der Konrad-Adenauer-Straße? Das ist baulichen und rechtlichen Gründen nicht möglich, sagt die Stadtverwaltung. Foto: Christian Beier
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Die perfekte Grüne Welle an der Konrad-Adenauer-Straße? Das ist aus baulichen und rechtlichen Gründen nicht möglich, sagt die Stadtverwaltung.

Eine optimierte Ampel-Schaltung ist in Solingen nicht möglich. Schuld sind Gesetze und eine Entscheidung des Rates.

Von Stefan Prinz

Mit dem Diesel-Urteil des Bundesverfassungsgerichts ist Solingen in der Pflicht, den Schadstoffausstoß in der Stadt zu reduzieren. Die FDP im Stadtrat hat angeregt, die Ampelanlagen im Stadtgebiet so zu schalten, dass es zu einer Grünen Welle kommt. Das bedeutet: Der Verkehr soll nach Möglichkeit nicht mehr an jeder Ampelanlage stoppen müssen, sondern auf einander abgestimmten Ampelanlagen durchfahren können. Das verhindert ständiges Anfahren und Abbremsen und soll so den Schadstoffausstoß reduzieren. Tests des ADAC haben ergeben, dass damit eine Reduzierung des giftigen Stickoxids bis zu 33 Prozent möglich sein soll.

Im Rathaus verweist man allerdings auf die Schwierigkeiten, die damit verbunden sind: „Im Stadtgebiet werden bereits alle Lichtsignalanlagen in einer Straßenachse so geschaltet, dass der Autoverkehr – wenn möglich – in einer Grünen Welle fahren kann“, sagt Stadtsprecherin Sabine Rische auf Nachfrage unserer Zeitung. Außerdem: „Im Zuge der Sanierung von Lichtsignalanlagen wird die Grüne Welle durch den Austausch von Steuerungselementen weiter optimiert.“

Aber es gebe auch eine Reihe von Faktoren, die eine vollständig optimierte Ampel-Schaltung verhinderten. Damit die Grüne Welle funktioniert, müssten alle Lichtsignalanlagen in der Welle die gleiche Umlaufzeit (Zeit zwischen zwei Grünphasen) haben. „Das ist aber nicht immer machbar.“ So wollen zum Beispiel auch Fußgänger die Straße queren. „Ihre Zeiten dürfen nicht beliebig verkürzt werden, so ist es gesetzlich vorgeschrieben. Im Gegenteil: Regelmäßig wird auch gefordert, Grünzeiten zu verlängern, damit Fußgänger etwa eine Straße in einem Zug überqueren können und nicht erst auf der Mittelinsel warten müssen.“, betont die Rathaussprecherin.

Nicht anders sei es, wenn verkehrsstarke Linksabbiegeströme separat signalisiert werden, damit der Verkehr insgesamt sicher fließen könne.

Busse kommunizieren mit den Ampeln

Es gibt noch ein Problem: Seit Ende der 1990er Jahre haben Busse in Solingen Priorität. Das hat der Stadtrat so beschlossen. „Seitdem das Buspräferenzsystem installiert ist, kommunizieren die Busse während der Fahrt über Funk mit den Ampeln. Sobald er kommt, schalten sie auf Grün“, erklärt Sabine Rische. Wenn zum Beispiel ein Straßenzug für eine Fahrtrichtung bei einer Geschwindigkeit von 50 km/h und einer Umlaufzeit von 90 Sekunden die perfekte Grüne Welle hat, muss das in der Gegenrichtung nicht unbedingt funktionieren. Dazu müssten die Ampelanlagen einen idealen Abstand von jeweils 625 Metern haben. „So ist es aber in der Realität nicht. Unser Straßennetz ist eben nicht wie ein Schachbrett angelegt, sondern historisch gewachsen“, sagt die Sprecherin.

Die Stadtverwaltung wehrt sich auch gegen Vorwürfe, dass die beiden Messstationen für Schadstoffe so ungünstig aufgestellt seien, dass dort überdurchschnittlich viele Abgase gemessen würden: Die eine Messstelle besteht schon seit Ende der 90er Jahre auf dem Betriebsgelände der Technischen Betriebe an der Dültgenstaler Straße. Sie ist Teil des Landes-Messnetzes, mit dem der urbane Hintergrund abgedeckt wird.

SCHADSTOFFE

MESSWERT In Solingen wird der EU-Grenzwert für Stickoxid von 40 Mikrogramm um ein Mikrogramm überschritten. Das haben vorläufige Auswertungen ergeben. Ende März sollen die endgültigen Zahlen vorliegen. Diese werden sich aber nach Auskunft von Stadtdirektor Hartmut Hoferichter nicht mehr als ein Mikrogramm von den jetzt vorliegenden Zahlen unterscheiden. Damit gehört Solingen zu den bundesweit 70 Städten mit zu hohen Stickoxid-Werten.

Eine mobile Messstelle gibt es an der Konrad-Adenauer-Straße. „Da es bei den Messungen um den Schutz der Gesundheit der Bevölkerung geht, folgt das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) landesweiten Richtlinien, wonach die mobilen Messstationen gezielt an Orten höchster Belastung aufgestellt werden, bestätigt auch Stadtdirektor Hartmut Hoferichter auf Nachfrage. Diese Ortsbestimmung beruhe auf Verkehrszählungen und Computersimulationen, die Gebäudestruktur und Windfelder mit einbeziehen.

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