Malteserstraße

Jüdisches Leben: Bunker wird ein Ort der Erinnerung

Im Zentrum für verfolgte Künste erklärte OB Kurzbach, die Sichtbarkeit jüdischen Lebens sei eine gemeinsame Aufgabe.
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Im Zentrum für verfolgte Künste erklärte OB Kurzbach, die Sichtbarkeit jüdischen Lebens sei eine gemeinsame Aufgabe.

In einer vom Land NRW geförderten Heimatwerkstatt wurden Ideen gesammelt, wie der Bunker umgebaut werden kann.

Von Philipp Müller

Solingen. Soll am und im Bunker an der Malteserstraße früheres und heutiges jüdisches Leben in Solingen sichtbar werden, braucht es viele Akteure. Das ist eines der Ergebnisse der vom Land NRW geförderten Heimatwerkstatt zum Thema. Im Zentrum für verfolgte Künste stellte jetzt die Stadt Solingen mit ihrem Stadtarchiv und dem dort angesiedelten Team für die Errichtung der Gedenkstätte Max-Leven-Zentrum die Ergebnisse aus Workshops vor. Zentrale Botschaft: Werden die Ideen nicht von Schulen und zum Beispiel vom Freundeskreis Solingen mit der israelischen Partnerstadt Ness Ziona sowie der jüdischen Kultusgemeinde Bergisches Land getragen, wird sich der Ort der Erinnerung an der Malteserstraße nicht mit Leben füllen lassen.

Im März gab es parallel zur Feier 150 Jahre Solinger Synagoge den Auftakt zur Heimatwerkstatt. Der Historiker Armin Schulte, Teil des Max-Leven-Teams, erklärte, dass mit der Übernahme des Bunkers durch die Stadt Solingen für einen „symbolischen Euro“ vom Bund zugleich eine Aufgabe verbunden gewesen sei: Die ehemalige Synagoge, ihr Untergang durch die Gräueltaten der Nazis in der Pogromnacht und das Schicksal der Solinger Juden in der Zeit des Naziregimes sollten sichtbar gemacht werden. Das wurde zu einem Teil der Aufgabe der Heimatwerkstatt, an der einige Schulklassen und schulische Arbeitsgemeinschaften teilnahmen.

Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) hatte aber bereits im März deutlich gemacht, dass dies nicht reichen werde. In einer pluralistischen Gesellschaft müsse auch gezeigt werden, dass Juden heute willkommener Teil der Stadtgesellschaft sind. Das sichtbar zu machen, sei weiter „eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und nicht nur die der Juden“, rief er den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Workshops im Meistermann-Saal des Zentrums für verfolgte Künste zu. Und er dankte für die geleistete Arbeit in den Workshops.

Neue Ideen werden in drei Gruppen unterteilt

Daniela Tobias, wie Schulte Teil des Max-Leven-Teams im Stadtarchiv, erklärte, die Ergebnisse der Workshops seien in drei Gruppen aufgeteilt worden. Zunächst die, die leicht umzusetzen seien, wie Änderungen am Außengelände des Bunkers. In Gruppe zwei landeten die Vorschläge, für die die Stadt Fördermittel zur Umsetzung braucht. In der dritten Ideen-Abteilung wurden die Visionen abgelegt.

Eine private Gruppe, die sich über Projekte beim Internationalen Bund kennt, schlägt vor, die Außenfassade neu zu gestalten und auf dem Dach ein Café zu errichten. Nicht einfach, wie vorgestellte Innenansichten des Bunkers offenbaren, die im Zentrum gezeigt wurden. Der Beton platzt von Decken und Wänden, elektrische Versorgungsleistungen gibt es gar nicht. Und solche für Wasser ebenfalls nicht.

Bei aller Zuversicht, die aus den Ergebnissen spricht, wurde aber auch deutlich, wie schwer der Weg noch sein wird. So fiel ein Workshop mangels Anmeldungen aus. Eine geplante Fahrt zur Wuppertaler Synagoge sollte dies sein. Leonid Goldberg, der Vorsitzende der jüdischen Kultusgemeinde Bergisches Land, bedauerte dies in einem eingespielten Film. „Alle sollen uns besuchen und mit uns sprechen“, sagte er. Denn der Abbau von Vorurteilen gelinge nur durch das Gespräch.

So war der Blick im Zentrum am Ende auch wieder rückwärtsgewandt. Die Pianistin Ute Grapentin stellte ein Jazz-Stück von Fritz Meyerhoff aus Ohligs von 1930 vor. Er emigrierte später und wurde für die US Army ein Boogie-Woogie-König unter dem Pseudonym Fred Marx. Mehr Infos zu den Workshops gibt es hier.

Synagogen-Projekte für 2023

Das Stadtarchiv mit seiner Projektgruppe für das Max-Leven-Zentrum will im kommenden Jahr für das Bunkergelände diese Aufgaben umsetzen:

  • Sicherung der Fassaden und Voraussetzungen für Rückbau des Zauns prüfen.
  • Gemeinsames Konzept mit Gymnasium Schwertstraße für Gestaltung Bunkerumfeld und Online-Angebote entwickeln.
  • Voraussetzungen für temporäre und dauerhafte Nutzung der Innenräume des Bunkers prüfen.
  • Mögliche Projektförderungen prüfen.

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