Meisten Durchsuchungen in der Klingenstadt

Polizei nimmt vier Männer bei Razzia fest

Polizisten nahmen in den frühen Morgenstunden mehrere Verdächtige fest – unter anderem an der Brühler Straße.
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Polizisten nahmen in den frühen Morgenstunden mehrere Verdächtige fest – unter anderem an der Brühler Straße.

Kurz nach 6 Uhr begann in zahlreichen Bundesländern eine großangelegte Razzia gegen Mitglieder des Al-Zein-Clans.

Von Kristin Dowe und Björn Boch

Solingen. In den frühen Morgenstunden durchsuchten zahlreiche Kräfte der Polizei am Mittwoch bundesweit insgesamt 20 Privatwohnungen und Geschäftsräume – Solingen bildete mit sechs Einsatzorten im Stadtgebiet einen Schwerpunkt der Großrazzia. Hintergrund der Maßnahme ist der Verdacht der gewerbsmäßigen Bandenhehlerei. Vier Verdächtige wurden bei der Aktion festgenommen, wobei zwei der Festnahmen in Solingen erfolgten. Die Beschuldigten stammen teilweise aus dem Dunstkreis des bekannten Familienclans Al-Zein, der auch einen Solinger Zweig hat.

An der Unteren Wernerstraße durchsuchten die Kräfte beispielsweise den Motorraum eines Audi S 7 auf Bargeldverstecke.

17 Beschuldigten im Alter von 30 bis 38 Jahren wird unter anderem vorgeworfen, „in mindestens acht Fällen mit betrügerisch erlangten, unterschlagenen oder entwendeten Fahrzeugen gehandelt zu haben“, teilt die Staatsanwaltschaft Düsseldorf mit. Die Razzia verantwortete die dort angesiedelte Zentral- und Ansprechstelle für die Verfolgung Organisierter Straftaten (ZeOS) NRW federführend.

Bei den hochpreisigen Fahrzeugen – darunter etwa Audi Q 7, Porsche Panamera und Mercedes Benz S 350 D – handele es sich vorwiegend um Leasing- und Mietfahrzeuge, die die Beschuldigten vertragswidrig an Dritte weiterverkauft haben sollen. Einem der Beschuldigten wird darüber hinaus Erpressung in Zusammenhang mit dem Betrieb eines illegalen Glücksspiels vorgeworfen.

„Die Auswertung des Beweismaterials wird viel Zeit in Anspruch nehmen.“

Julius Sterzel, ZeOS NRW

Die Ermittlungen werden in enger Zusammenarbeit mit der beim Landeskriminalamt NRW eingerichteten Task-Force geführt, bestehend aus Polizei, Steuerfahndung und Justiz. Die vier Verdächtigen wurden gestern dem Haftrichter vorgeführt.

Am frühen Morgen hatte unter anderem an der Brühler Straße Hochbetrieb geherrscht. Dort war eine Vielzahl von Polizeibeamten vermummt und mit Spürhunden im Einsatz. Auch an der Unteren Wernerstraße, wo sich laut Anwohnern ein Verdächtiger als Autohändler ausgegeben haben soll, sowie an der Konrad-Adenauer-Straße gab es Zugriffe.

Die Arbeit fange für die Ermittler gerade erst an, berichtet Julius Sterzel, Sprecher der ZeOS NRW, auf ST-Nachfrage: „Die Auswertung des Beweismaterials und die Vernehmungen werden nun erst mal viel Zeit in Anspruch nehmen. Jeder Beschuldigte hat heutzutage ein oder mehrere Mobiltelefone, die alle ausgewertet werden müssen.“

Im Zuge der Durchsuchungen stellten die Kräfte neben einer Schusswaffe diverse Handys, Unterlagen und elektronische Speichermedien als Beweismittel sicher. Sie sollen die Beschaffung, den Transport und den Verkauf der Fahrzeuge dokumentieren. Neben Solingen fanden auch in Haan, Düsseldorf, Dortmund, Detmold, Bovenden, Göttingen, Kassel und Berlin Durchsuchungen statt.

Für die Bekämpfung organisierter Kriminalität – unter anderem im Bereich von Familienclans – setzt das NRW-Innenministerium unter Herbert Reul (CDU) auf eine Taskforce aus Steuerfahndern des Finanzministeriums sowie Fachleuten der Staatsanwaltschaften und des Landeskriminalamts. „Man muss die Bosse erwischen und das große Geld. Das ist mühsame Ermittlungsarbeit, die sehr viel Zeit benötigt“, wird Reul auf der Homepage des Ministeriums zitiert.

Reuls Parteikollege Jan Welzel, Beigeordneter für Bürgerservice, Recht, Ordnung und Soziales der Stadt, begrüßte auf Tageblatt-Anfrage „ausdrücklich die gezielten Aktionen der Polizei in unserer Stadt zur Bekämpfung illegaler Machenschaften“. Große Razzien wie die heutige seien originäres Geschäft der Polizei. Dazu kämen gemeinsame und behördenübergreifende Kontrollen, bei denen der Ordnungsdienst der Klingenstadt und weitere Kommunen beteiligt seien.

Reul machte sie bekannt als „Politik der tausend Nadelstiche“ – gemeint sind etwa Kontrollen in Shisha-Bars und Wettbüros. Auch in Solingen ist das Bemühen der Behörden erkennbar, den Drahtziehern hinter den kriminellen Machenschaften das Handwerk zu legen. Die Klingenstadt stand in der jüngeren Vergangenheit immer wieder im Fokus von Razzien im Zusammenhang mit Clankriminalität. So läuft am Landgericht Düsseldorf ein Verfahren wegen illegalen Tabakhandels mit Solinger Beschuldigten. Geschätzter Steuerschaden: 4,5 Millionen Euro.

Hintergrund

Weiteres Verfahren: Ebenfalls unter Führung der ZeOS NRW lief am Mittwoch parallel eine Razzia in mehreren anderen Städten, bei der es um den Verdacht des Betrugs mit Corona-Soforthilfen ging. Der Schaden soll sich auf 7 Millionen Euro belaufen, vier Männer wurden festgenommen. Auch hier soll es Bezüge zu Clankriminalität geben.

Unser Artikel vom 14.12., 7.33 Uhr

Solingen. Auch in Solingen, Wuppertal und Düsseldorf wurden Objekte durchsucht, bundesweit waren es über 50 Objekte. Nordrhein-Westfalen war Schwerpunkt der Aktion, in Solingen gab es mit sechs die meisten Durchsuchungen. Die Beamten, die mit mehreren Bussen und Spürhunden angerückt waren, blieben für die Sicherung von Beweismitteln mehr als drei Stunden lang vor Ort. Mindestens ein Verdächtiger wurde dort nach ST-Informationen in Handschellen abgeführt. Er hatte sich Anwohnern als Autohändler vorgestellt. Bei der bundesweiten Razzia geht es nach Berichten der Deutschen Presse-Agentur unter anderem um die Unterschlagung zahlreicher Autos.

Auch Objekte in Solingen waren Teil der großangelegten Razzia.

Geleitet wurde der Einsatz von der Spezialeinheit „ZeOS“ (Zentral- und Ansprechstelle für die Verfolgung Organisierter Straftaten) der Staatsanwaltschaft Düsseldorf. Auch Steuerfahnder waren im Einsatz.

Hintergrund der großangelegten Razzia sind Machenschaften im Clanmilieu: gewerbsmäßiger Bandenbetrug, Hehlerei und Betrug in Zusammenhang mit Corona-Soforthilfen. Im Einsatz waren die Beamten unter anderem an der Konrad-Adenauer-Straße, Brühler Straße sowie Untere Wernerstraße.

Das Verfahren richtet sich insgesamt gegen 17 Beschuldigte im Alter von 30 bis 38 Jahren. Sie sind verdächtig, in mindestens acht Fällen mit betrügerisch erlangten, unterschlagenen oder entwendeten Fahrzeugen gehandelt zu haben. Bei den hochpreisigen Fahrzeugen handelt es sich vorwiegen um Leasing- und Mietfahrzeuge, welche durch die Beschuldigten vertragswidrig an Dritte veräußert worden sein sollen. Einem der Beschuldigten wird darüber hinaus Erpressung im Zusammenhang mit dem Betrieb eines illegalen Glücksspiels vorgeworfen. Die Ermittlungen werden in enger Zusammenarbeit mit der beim LKA NRW eingerichteten Task-Force, bestehend aus Polizei, Steuerfahndung und Justiz geführt.

Bereits im Vorfeld der Maßnahmen haben die Ermittler der ZeOS NRW gegen vier Beschuldigte Haftbefehle erwirkt. Die Beschuldigten werden im Laufe des Tages dem Haftrichter vorgeführt. Im Zuge der Durchsuchungen konnte eine Schusswaffe gesichert werden. Die Maßnahmen dienen zudem der Sicherstellung von Beweismitteln wie Mobiltelefonen, elektronischen Speichermedien und Unterlagen über die Beschaffung, den Transport sowie den Verkauf von Fahrzeugen.

Für die Bekämpfung organisierter Kriminalität – unter anderem im Bereich von Familienclans – setzt das Innenministerium von Herbert Reul (CDU) auf eine Taskforce aus Steuerfahndern des Finanzministeriums, Fachleuten der Staatsanwaltschaften und Beamten aus dem Landeskriminalamt. „Man muss die Bosse erwischen und das große Geld. Das ist mühsame Ermittlungsarbeit, die sehr viel Zeit benötigt“, wird Reul auf der Homepage des Innenministeriums zitiert.

Reuls Parteikollege Jan Welzel, Beigeordneter für Bürgerservice, Recht, Ordnung und Soziales der Stadt, begrüßte auf ST-Anfrage „ausdrücklich die gezielten Aktionen der Polizei in unserer Stadt zur Bekämpfung illegaler Machenschaften“. Große Razzien wie die heutige seien originäres Geschäft der Polizei. Dazu kämen gemeinsame und behördenübergreifende Kontrollen, bei denen auch der Ordnungsdienst der Klingenstadt und weitere Kommunen beteiligt seien. Reul machte sie bekannt als „Politik der tausend Nadelstiche“ – gemeint sind etwa Kontrollen in Shisha-Bars und Wettbüros.

Der Al-Zein-Clan sorgt immer wieder für solche Einsätze. Zurzeit stehen Angehörige in Düsseldorf vor Gericht, deren Villa in Leverkusen mit Geldern vom Jobcenter bezahlt worden sein soll. 

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