Prozess

Angeklagter schoss auf Gruppenmitglied: Brutales Regiment im Drogen-Netzwerk

In dem Verfahren muss das Landgericht Marihuana-Importe aus Holland und Kokain-Ankäufe aus Dortmund aufklären.
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In dem Verfahren muss das Landgericht Marihuana-Importe aus Holland und Kokain-Ankäufe aus Dortmund aufklären.

In einem Großprozess um Drogenhandel in Solingen hat ein Angeklagter (23) bei der Polizei brutale Bestrafungen in dem mutmaßlichen Täternetzwerk beschrieben.

Von Dirk Lotze

Das wurde am Freitag erstmals in der Verhandlung gegen sechs Männer und Frauen im Landgericht Wuppertal bekannt. Der 32 Jahre alte Hauptangeklagte habe einem Mitglied nach schweren Schlägen absichtlich und vor Zeugen in ein Bein geschossen. Der Verletzte sollte Betäubungsmittel für 40 000 Euro verloren oder abgezweigt haben.

In dem Verfahren muss das Landgericht Marihuana-Importe aus Holland und Kokain-Ankäufe aus Dortmund aufklären. Laut Staatsanwaltschaft war der Verkauf rund um die frühere, Solinger Gaststätte des Hauptangeklagten organisiert: Kunden hätten auf einer Handy-Nummer angerufen und bestellt. Die Anklage geht von Taten zwischen April und Oktober 2019 aus. Ermittler hatten die Gruppe aus fünf Männern und einer Frau im Alter zwischen 23 und 32 Jahren über Monate verfolgt. Sie waren über einen der Kunden aus der Innenstadt auf die Spur gekommen. Bei Durchsuchungen fand die Polizei große Mengen Drogen und Geld.

Die damalige Ermittlungsleiterin berichtete im Zeugenstand, von dem Schuss auf ein Gruppenmitglied hätten die Beamten schon zuvor gehört gehabt. Sie fügte hinzu: „Der Verletzte ist aber nie zu Vernehmungen erschienen. Das Bein hat sich nie jemand ansehen können.“

Der 23 Jahre alte, nun als Kurierfahrer mitangeklagte Mann habe als Erster jemals gesagt, er sei Augenzeuge der Bestrafung gewesen. Der Hauptangeklagte habe ihm unmittelbar vor der Tat noch klar gemacht: „Guck genau hin.“ Später habe derselbe Mann ein anderes Gruppenmitglied stundenlang geschlagen, weil der Verbleib von 100 Gramm Kokain unklar gewesen sei. Immer wieder habe er Mitglieder mit drohendem Zeigefinger gefragt: „Bist Du auch ein lieber Junge?“

Marihuana – gelagert in 120-Liter-Gartenmüllsäcken

Ein Ausstieg aus dem Netzwerk habe nicht geklappt, soll der 23-Jährige gesagt haben: Er habe bei dem älteren Mitangeklagten Schulden gehabt. Der habe ihn mehrfach nachdrücklich daran erinnert. Aus Angaben von Beteiligten ergeben sich Hinweise auf die Mengen: Marihuana sei in 120-Liter-Gartenmüllsäcken gelagert worden, Lieferungen seien mit Sporttaschen erfolgt, die bis zu zehn Kilogramm der Droge fassten. Bei Kokain sei es um Lieferungen jeweils ungefähr von der Größe eines Pakets Mehl gegangen – bei einem Straßenpreis von durchschnittlich 70 000 Euro je Kilogramm.

Das Landgericht will kommende Woche weiter verhandeln.

Wegen Drogenhandels in einem Wohnhaus in Gräfrath muss der Hauptangeklagte für sieben Jahre und sechs Monate ins Gefängnis. 

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