Die Woche von Stefan M. Kob

Brücken: Nur vier Kilometer zwischen Freud’ und Leid

stefan.kob@solinger-tageblatt.de
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Keine vier Kilometer Luftlinie trennen die beiden Wupperbrücken in Müngsten und Strohn. Doch während die frisch sanierte höchste Eisenbahnbrücke Deutschlands aktuell groß rauskommt, ist die Wanderbrücke am Tierheim Glüder einfach nur ein Trauerspiel. Und ein teures obendrein.

In Müngsten türmen sich die guten Nachrichten. Die Welterbe-Fachjury empfiehlt der Landesregierung, die Brücke auf die NRW-Nominierungsliste zu setzen. Die Erfolgsaussichten seien höher als die der konkurrierenden Projekte, wie etwa die Düsseldorfer Gaslaternen. Folgt die Regierung dem Votum, dann wäre eine wichtige Etappe beim Marathonlauf zum Weltkulturerbe geschafft. Gleichzeitig wartete die 107 Meter hohe Stahlgitterkonstruktion mit einer Überraschung auf: Das Meisterwerk deutscher Ingenieurkunst lässt sich künftig nicht nur von unten bestaunen, sondern mit Helm und Klettergurt besteigen. Unter fachlicher Führung selbstverständlich und auch nicht für den kleinen Geldbeutel. Gleichwohl hat der Coup das Zeug zum Touristenmagneten. Denn die Sehnsucht der Menschen nach spektakulären Erlebnissen ist nach wie vor ungebrochen. Langsam darf man daran glauben, dass der mutig geplante „Skywalk” – der Fußgängerweg unterhalb der Bahngleise – ebenfalls eine Chance hat. Der Region würde das einen ungeahnten Schub verleihen, so dass schon Befürchtungen laut werden, wie man denn mit den Besucherströmen fertig werden soll.

Im Solinger Süden passiert das krasse Gegenteil. Hier wird das von der Stadt immer wieder beschworene Bürgerengagement (O-Ton Oberbürgermeister: „Wer ist die Stadt? Die Stadt sind wir!”) mit Füßen getreten. Vor drei Jahren konnte das Tageblatt vermelden, dass in einer beispiellosen Spendenaktion 100 000 Euro für den Neubau der maroden Wanderbrücke zusammengekommen waren. Mehr als 220 Bürger und Institutionen hatten mit Freude und Begeisterung ihren Beitrag geleistet, um die Brücke nicht nur wiederherzustellen, sondern in der Form eines Messers einen weiteren touristischen Anziehungspunkt zu schaffen. Passiert ist bis auf den inzwischen immerhin erfolgten Abbau der alten Brücke: nichts. Wobei, das stimmt nicht so ganz: In dieser Zeit haben sich die geplanten Baukosten verdoppelt – auf sagenhafte zwei Millionen Euro. Die neue Autobrücke in Nesselrath kostete vier. Ja, es gab ungeplante Schwierigkeiten beim Abriss. Und ja, im vergangenen Jahr lähmte Corona alles und jeden. Doch behaupten, dass die Stadt mit Hochdruck an dem Projekt gearbeitet hätten, können die Verantwortlichen definitiv nicht. Und das ist der eigentliche Skandal: Wenn sich schon Bürger in dieser noblen Form einbringen, um eigentlich selbstverständliche städtischen Infrastruktur zu ermöglichen, dann gehört ein völlig anderer Fokus auf das Projekt. Jetzt stehen die Politiker vor der Aufgabe, dieser inzwischen völlig aus dem Ruder gelaufenen Mammutinvestition ihren Segen zu geben. Doch der ist alternativlos. Denn längst geht es nicht mehr nur um eine Brücke. Sondern darum, wie man in Solingen mit Bürgerengagement umgeht.

TOP Neuer IHK-Präsident Henner Pasch: seit 24 Jahren und zum dritten Mal ein Solinger an der Spitze.

FLOP Corona: Steuerausfälle werden für Stadt zum Mühlstein um den Hals.

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