Mein Blick auf die Woche

Brand- und Katastrophenschutz: Wenn das Wörtchen wenn nicht wär’

stefan.kob@solinger-tageblatt.de
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Brand- und Katastrophenschutz haben zwei Dinge gemeinsam: Sie kosten viel Geld und haben für den Moment keinen direkten Mehrwert. Doch tritt der Fall eines Brandes oder eben einer Katastrophe ein, sind die richtigen Vorkehrungen bitter nötig. Umso wichtiger, dass die Verantwortlichen beim Brandschutz genau hinschauen und beim Katastrophenschutz die nötigen Investitionen tätigen wollen, meint ST-Chefredakteur Stefan M. Kob.

Solingen. Immer wieder dieser Brandschutz: Im Oberburger Hotel „In der Straßen” dürfen keine geflüchteten Ukrainer wohnen, in der Tiefgarage der Clemens-Galerien keine Autos parken - wegen Brandschutzmängeln. Für Besitzer von Immobilien mit öffentlicher Nutzung ist das Thema oft ein Ärgernis: Brandschutz kostet erstmal, und nicht zu knapp, ohne dass man einen direkten Mehrwert hätte. Wenn es nicht brennt, braucht man auch keinen Brandschutz. Ja, wenn das kleine Wörtchen wenn nicht wär’, wie es schon Wencke Myhre in den Achtzigern besang. Denn die Lebenserfahrung zeigt leider, dass alle Aufklärung und alle Vorsicht uns nicht davor bewahren, dass doch einmal ein Feuer ausbricht. Und dieselben, die sich über bürokratischen Übereifer der Behörden aufregen, die prima anordnen können, weil sie es ja nicht bezahlen müssen, würden empört über behördliche Schlamperei klagen, wenn Menschen elendig ums Leben kämen, weil es aus in einer Feuerhölle kein Entrinnen gab - wegen Brandschutzmängeln. 

Aber natürlich hat auch dieses Thema wie alles im Leben zwei Seiten. In der Folge der Brandkatastrophe im Düsseldorfer Flughafen 1996, bei der 17 Menschen starben, wurden die Brandschutzvorschriften landesweit überarbeitet und drastisch verschärft. Gepaart mit unserer Vollkasko-Mentalität, die möglichst jedes Lebensrisiko durch staatliche Fürsorge ausschließen möchte, treibt das Thema mitunter auch extreme und teure Blüten. Um jegliche Verantwortung auszuschließen, dass es wegen zu laxer Maßnahmen zu einer Katastrophe kommen könnte, lassen sich die Vorschriften so auf die Spitze treiben, dass ein wirtschaftlicher Betrieb gar nicht mehr möglich ist. Wo kein Betrieb, da auch keine Gefahr. Das kann es in letzter Konsequenz eben auch nicht sein. Doch die Abwägung der beiden Güter ist eben keine leichte. Umso wichtiger ist es, dass Behörden und Besitzer gemeinsam und partnerschaftlich nach den Wegen suchen, die bestmögliche Sicherheit bieten, aber noch bezahlbar sind. 

In den Clemens-Galerien scheint es aber ein anderes Problem zu sein, das die wochenlange Sperrung der Tiefgarage ausgelöst hat: Offensichtlich, so zumindest empfindet es der wichtigste und treueste Mieter, das Lumen, war Gleichgültigkeit und Nachlässigkeit des Besitzers der Grund, warum ein defektes Brandschutzteil nicht rechtzeitig geordert werden konnte, um einen reibungslosen Betrieb zu gewährleisten.

Dass der Kinobetreiber seinem Ärger öffentlich Luft machen und auch das ST zwei Tage nachbohren musste, um eine Aussage der Galerien-Verantwortlichen zu bekommen, ist kein gutes Zeichen. Denn offenbar ist mit dem Weggang des Immobilienmanagers Jochen Stahl vor Ort kein richtiger Ansprechpartner mehr greifbar, der sich um die kleineren und größeren Wehwehchen kümmert, die in einer Immobilie dieser Größenordnung und Bedeutung nun einmal an der Tagesordnung sind. Da hilft dann auch kein schöner neuer Mühlenplatz mehr, wenn sich die ferne „Immobilien Solingen Projektgesellschaft” nicht um das reibungslose Funktionieren ihres Centers kümmert. Der Stadt kann das nicht wirklich egal sein, denn die Clemens-Galerien mit den Neubauplänen am Fronhof sind ein wichtiger Erfolgsfaktor für das Gelingen des ehrgeizigen Erneuerungsprogramms City 2030.

Aber an wie vielen Fronten kann und muss eine Stadt noch aktiv sein? Eine Aufgabe, die wir alle in ewig sicher geglaubten Zeiten, sträflich vernachlässigt haben - den Katastrophenschutz - muss jetzt mit Hochdruck angegangen werden. Schon nach der Jahrtausendflut im vergangenen Sommer wurde offenbar, dass wir uns in jeder Hinsicht zu sicher gefühlt haben. Weder waren die Strukturen für die Beherrschung einer Pandemie ausgelegt, noch waren Stadt und Gesellschaft auf die verheerende Flutwelle vom 14. Juli vorbereitet. Dass jetzt noch ein Krieg in Europa, zwei Flugstunden von uns entfernt, immer weiter eskaliert, zeigt endgültig, dass wir einen gewaltigen Nachholbedarf haben. Der wird nicht nur Zeit und Mühe kosten, sondern auch Millionen Euro.

Gut, dass hier in der Stadt Einigkeit herrscht, dass diese Investitionen alternativlos sind. Denn wie beim Brandschutz brauchen wir Sirenen und Bunker nicht, wenn keine Katastrophen drohen. Doch wer will die ausschließen - hier und heute? Doch ohne Eigenverantwortung der Bürger beim Zivilschutz wird das alles nicht reichen. Daher sind auch die Bürger gefragt, selbst vorzusorgen. Was das alles sein kann, lesen Sie hier.

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