Gegen Migräne und Co.

Botox-Nervengift ist medizinisch ein Segen

Die speziell ausgebildete Neurologin Dr. Julia Hamann setzt die Injektionen bei Patientin Sabine Theis. Die Ambulanz in der St. Lukas Klinik gehört zur Neurologie von Prof. Dr. Marcel Dihné.
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Die speziell ausgebildete Neurologin Dr. Julia Hamann setzt die Injektionen bei Patientin Sabine Theis. Die Ambulanz in der St. Lukas Klinik gehört zur Neurologie von Prof. Dr. Marcel Dihné.

St. Lukas Klinik bietet Botulinumtoxin-Ambulanz.

Von Simone Theyßen-Speich

Solingen. Das Nervengift Botox kennt man oft aus der kosmetischen Behandlung, etwa bei der Faltenglättung im Gesicht. Richtig eingesetzt hat Botulinumtoxin, so der wissenschaftliche Name, aber eine große Bedeutung bei der Behandlung von Erkrankungen. An der St. Lukas Klinik gibt es seit zwei Jahren eine Botulinumtoxin-Ambulanz. Deren Leiterin Dr. Julia Hamann setzt den Wirkstoff dort seitdem sehr erfolgreich bei unterschiedlichen Erkrankungen ein.

Sabine Theis ist eine ihrer Patientinnen. Seit 40 Jahren leidet sie an Migräne. „Mit mehr als 15 Migränetagen im Monat, davon acht mit schweren Migräne-Symptomen wie Erbrechen, Licht- und Lärmempfindlichkeit, war das ein chronischer Verlauf“, erklärt Dr. Julia Hamann die Voraussetzung für die Aufnahme in die Botulinumtoxin-Therapie.

„Ich kann mich kaum an Tage erinnern, wo ich keine Kopfschmerzen hatte“, erzählt Sabine Theis. Ihren Beruf als Köchin in einer Kindertagesstätte konnte sie oft nur mit Kopfschmerzmitteln bewältigen. „Aber zuletzt halfen auch keine Medikamente mehr, eine Betablocker-Therapie musste ich wegen der starken Nebenwirkungen absetzen“, erinnert sich die Patientin.

Von ihrem Neurologen wurde sie in die Ambulanz von Dr. Julia Hamann überwiesen. Seitdem wird ihr der Wirkstoff alle drei Monate gespritzt. „Es ist fantastisch, die Migräne-Attacken sind deutlich zurückgegangen, und wenn ich Kopfschmerzen habe, ist auch die Intensität erträglicher“, ist Sabine Theis sehr zufrieden.

Eine Migräne-Behandlung besteht aus 39 Injektionen

Für diesen Erfolg nimmt sie jetzt schon zum vierten Mal die Behandlung in Kauf. „Immerhin sind es bei Migräne bei jeder Behandlung 39 Injektionen, die ich an verschiedenen Behandlungspunkten im Kopf spritze“, erklärt die Neurologin. Für diese Therapie ist sie speziell zertifiziert. „Um das Verfahren kennenzulernen habe ich anderthalb Jahre am Uniklinikum Düsseldorf hospitiert“, so Hamann, die für die Ambulanz an der St. Lukas Klinik eine persönliche Ermächtigung der Kassenärztlichen Vereinigung hat.

Nicht nur bei Migräne kommt Botulinumtoxin zum Einsatz. „Es hat auch eine große Wirksamkeit, um Muskeln bei Spastiken zu entspannen, die knapp die Hälfte der Patienten nach einem Schlaganfall entwickeln“, so die Medizinerin. Weitere Einsatzgebiete sind Verkrampfung einer Gesichtsseite, Lidkrampf, Zuckungen im Gesicht, unkontrollierter Speichelfluss oder übermäßiges Schwitzen. 20 Prozent der Patienten kommen zudem mit einem Schiefhals-Syndrom.

Etwa 85 Patientinnen und Patienten behandelt Dr. Julia Hamann pro Quartal – neben ihren medizinischen Aufgaben in der Neurologie des Hauses. Von dieser Erweiterung des Fachgebietes an der Klinik ist Neurologie-Chefarzt Prof. Dr. Marcel Dihné begeistert. „Wir möchten das Behandlungsspektrum auch noch weiter ausbauen, so soll eine MS-Sprechstunde etabliert und eine epileptologische Sprechstunde eingerichtet werden. Zudem ist es uns wichtig, gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weiter zu fördern.“

Sabine Theis ist froh über das Angebot. „Welche Einschränkungen dauerhafte Migräne bedeutet, kann man nicht verstehen, wenn man nicht selbst darunter leidet“, skizziert sie die jahrelange Belastung. Gerade bei Migräne werde die Möglichkeit der Behandlung oftmals leider nicht ausgeschöpft, so Prof. Dihné.

Botulinumtoxin

Name: Das Nervengift wird von Bakterien gebildet. Der Name stammt aus dem Lateinischen von botulus (= Wurst und toxin), weil das Bakterium sich früher in schlecht konservierten Lebensmitteln, vor allem in Wurst, vermehrte und zu gefährlichen Vergiftungen führen konnte.

Medizin: Der biotechnisch gewonnene Wirkstoff wird heute als stark verdünntes Medikament eingesetzt.

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