Renaturierung

Jan Boomers: Rodung der Ohligser Heide dient dem Naturschutz

Jan Boomers von der Biologischen Station Mittlere Wupper wirbt für Verständnis für die Naturschutzmaßnahmen in der Ohligser Heide. Archivfoto: Christian Schaffrin
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Jan Boomers von der Biologischen Station Mittlere Wupper wirbt für Verständnis für die Naturschutzmaßnahmen in der Ohligser Heide.

Einige Hektar Wald mussten weichen, um die ursprüngliche Landschaft wiederherzustellen.

Von Kristin Dowe

Der Anblick hatte auf einige Solinger Bürger eine beunruhigende Wirkung: Die Arbeiten zur Renaturierung der Ohligser Heide als Gemeinschaftsprojekt vom Land NRW, der Stadt Solingen und der Biologischen Station Mittlere Wupper sind weiter in vollem Gange. Gerade wurden in der östlichen Hälfte der Ohligser Heide circa 2,6 Hektar gerodet, da hiervon zwei Hektar in ihren ursprünglichen Zustand zurückversetzt und wieder in Feuchtheide umgewandelt werden soll. Auf dem restlichen Gebiet der insgesamt 4,4 Hektar großen Maßnahmenfläche soll hingegen Birkenmoorwald entstehen.

Lesen Sie auch: Umbau der Ohligser Heide geht 2019 weiter

Ein Schritt, für den – ohne Hintergrundkenntnis der konkreten Naturschutzziele – nicht jeder Verständnis aufbringt, wie zuletzt auch zwei kritische Leserbriefe an die ST-Redaktion zeigten. „Ich kann grundsätzlich nachvollziehen, dass es für Spaziergänger auf den ersten Blick brutal aussieht, wenn in der Ohligser Heide einige Bäume nicht gefällt, sondern eben gerodet, also mitsamt ihrer Wurzel entfernt werden mussten“, räumt Dr. Jan Boomers, Geschäftsführer der Biologischen Station Mittlere Wupper, auf Nachfrage ein. „Man muss allerdings beachten, dass es sich mit 2,6 Hektar nur um eine sehr kleine Fläche handelt, die von der Rodung betroffen war.“

Die Ohligser Heide erstreckt sich auf insgesamt 147 Hektar. Die Rodung der betroffenen Fläche im Osten des Areals sei unumgänglich gewesen, denn grundsätzlich gilt laut Boomers: „Wald ist nicht gleich Wald.“ So haben sich im Laufe der Jahrhunderte einige standortfremde Baumarten angesiedelt, die sich wie die aus den USA eingeführte spätblühende Traubenkirsche in einem bedenklichen Maße ausgebreitet haben.

„Diese Bäume stellen eine erhebliche Gefahr für andere Waldtypen wie etwa den Birkenmoorwald dar. Bei ihm handelt es sich um einen prioritär geschützten Lebensraum, von dem es in Nordrhein-Westfalen nur noch wenige hundert Hektar gibt“, erläutert der Biologe. Auch fremdländische Pflanzen wie etwa der japanische Flügelknöterich oder das Drüsige Springkraut seien ein schädlicher Einfluss für das sensible FFH-Gebiet (Flora-Fauna-Habitat).

Projekt wird aus Mitteln der Länder und der EU finanziert

Das Konzept für die Renaturierung hat die Biologische Station Mittlere Wupper im Auftrag der Stadt gemeinsam mit der Unteren Naturschutzbehörde entwickelt. Sie ist eine von mehreren Maßnahmen des bei der Bezirksregierung Münster angesiedelten Life-Projektes „Atlantische Sandlandschaften“, das komplett aus Mitteln der Europäischen Union sowie der Länder Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen finanziert wird. Die Fördersumme beläuft sich auf rund 92 000 Euro. „Der Schutz des Biotops steht für uns an erster Stelle.“

EXKURSION IN DIE OHLIGSER HEIDE

AUSFLUG Die Biologische Station Mittlere Wupper bietet für Samstag, 22. Juni, ab 15 Uhr eine Exkursion in die Ohligser Heide an, bei der die Renaturierungsmaßnahmen genauer erklärt werden. Die Teilnehmer treffen sich am Wanderparkplatz Langhansstraße gegenüber dem Engelsberger Hof. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Ein möglicher weiterer Termin wird noch bekanntgegeben.

REGION Durch Solingen verläuft die Grenze zwischen kontinentalem und atlantischem Gebiet. Letzteres befindet sich auch in der Ohligser Heide in schlechtem Zustand und soll durch die Maßnahmen wieder Lebensraum für bedrohte Arten werden.

Der ursprüngliche Birkenmoorwald mit seinen seltenen Torfmoosen gehört zu den sogenannten prioritären Lebensraumtypen. Diese sind vom Verschwinden bedroht, und die Europäische Gemeinschaft trägt eine besondere Verantwortung für ihren Erhalt, weil ihr Verbreitungsschwerpunkt in Europa liegt. Die Feuchtheide bietet Lebensraum für gefährdete Vogelarten wie den Baumpieper und zahlreiche geschützte Pflanzenarten wie etwa den Mittleren Sonnentau und den Sumpfbärlapp. Die Rodungsarbeiten sind soweit abgeschlossen, zurzeit transportieren die Arbeiter das dabei entstandene Stammholz und Kronenreisig ab. Boomers: „Die Ohligser Heide ist Solingens Hot Spot der Pflanzen- und Tierarten auf der Roten Liste.“

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