Verkehr

„BOB“ rollt über Solingens Straßen

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Ziel des Verkehrsbetriebs ist es, die Busflotte komplett auf elektrische Mobilität umzustellen. Bislang kommen Diesel-Aggregate an Stellen zum Einsatz, an denen es keine Oberleitungen gibt. Die Batterie der neuen Busse speichert nun den Strom aus den Oberleitungen.

Der neue Batterie-Oberleitungs-Bus startet Testfahrten. Drei weitere Fahrzeuge fast fertig.

Von Manuel Böhnke

Solingens neuester Verkehrsteilnehmer heißt „BOB“. Seit Mitte Januar wird der Batterie-Oberleitungsbus auf den Straßenverkehr vorbereitet – am heutigen Vormittag fährt er zu Testzwecken erstmals längere Strecken durch die Stadt. Geben die Technische Aufsichtsbehörde der Bezirksregierung und der Tüv nach den Testfahrten grünes Licht, könnten die Stadtwerke (SWS) BOB noch in diesem Monat anmelden. „Wir sind auf einem guten Weg“, sagt SWS-Projektleiter Holger Ben Zid.

Der neue vollelektrische O-Bus, genannt „BOB“. Fahrer Thomas Schulz hat ihn zuerst im Straßenverkehr getestet.

Ziel des Verkehrsbetriebs der Stadtwerke ist es, die Busflotte komplett auf elektrische Mobilität umzustellen. Bislang sind die O-Busse mit Diesel-Aggregaten ausgestattet. Sie kommen an Stellen zum Einsatz, an denen es keine Oberleitungen gibt. Die Batterie der neuen Busse speichert nun den Strom aus den Oberleitungen und ist deshalb nicht mehr auf das Verbrennen von Kraftstoffen angewiesen. Die Strahlkraft des Projektes reicht über die Stadtgrenzen hinaus: Der Bund fördert die Entwicklung mit 15 Millionen Euro.

Die SWS, der polnische Hersteller Solaris sowie die Düsseldorfer Firma Kiepe Elektrik arbeiten seit einem Monat daran, das Fahrzeug für den Straßenverkehr tauglich zu machen. Diese Anstrengungen münden in den heutigen Testfahrten. Auf den Linien 681 und 682 wird geprüft, ob das Fahrzeug den Geschwindigkeiten des Stadtverkehrs auf Dauer standhält. Auf der Linie 683 muss BOB beweisen, dass er den topographischen Anforderungen gewachsen ist. „Bekommen wir von der Technischen Aufsichtsbehörde und dem TÜV grünes Licht, geht es mit den anderen Fahrzeugen weiter“, erklärt Ben Zid. In Polen warten drei weitere fast fertige Batterie-O-Busse auf die Ergebnisse der Testfahrten. Nötige Änderungen werden direkt im Werk umgesetzt. Läuft alles nach Plan, stehen Ende März auch diese Gefährte fahrbereit in der Klingenstadt.

Batterie-O-Busse fahren ab Herbst im Linienverkehr

Die vier Batterie-Oberleitungsbusse kommen voraussichtlich ab Herbst auf der Linie 695 (Meigen bis Abteiweg) zum Einsatz. Bisher wird die Strecke von dieselbetriebenen Autobussen befahren. Die BOBs nutzen zukünftig die Oberleitung, um ihre Batterie für den Streckenteil ohne Oberleitung aufzuladen. Die Reichweite der Batterie beträgt rund 20 Kilometer. Kommt es auf der Fahrt zu einer Störung, zeigen Berechnungen, wann dem Bus im wahrsten Sinne des Wortes der Saft ausgeht. „Dann schicken wir ein Ersatzfahrzeug“, verspricht Ben Zid.

DATEN UND FAKTEN

BOB Der 18,75 Meter lange Batterie-O-Bus verfügt über 46 Sitz-, 66 Steh- sowie zwei Rollstuhlplätze. Er ist videoüberwacht, vollklimatisiert und bietet USB-Ladesteckdosen. Ein BOB kostet rund 900 000 Euro.

LADUNG Es dauert etwa eine Stunde, bis die Batterie voll ist. 

FEIER Wenn die Batterie-O-Busse den Linienverkehr aufnehmen, wird das gefeiert. Angekündigt hat sich ein Gast aus dem Berliner Verkehrsministerium.

Damit es gar nicht so weit kommt, wird noch in diesem Jahr am Abteiweg eine Ladesäule errichtet, an der die Fahrer zwischen zwei Fahrten die Batterie ans Stromnetz anschließen können. Zudem kündigt Ben Zid Schulungen für BOB-Fahrer an, damit diese sparsam fahren und die Batterie einen kompletten Tag hält, ehe sie über Nacht aufgeladen wird. Ansonsten stelle das neue Fahrzeug die Fahrer nicht vor große Herausforderungen.

Bestehen die Batterie-O-Busse in der Praxis und erweisen sich auch wirtschaftlich als sinnvoll, gibt es beim polnischen Hersteller eine Option auf 16 weitere BOBs. „De facto brauchen wir neue Fahrzeuge für die O-Bus-Linien“, sagt Ben Zid. Der 46-Jährige ist zudem davon überzeugt, dass es technisch machbar ist, den gesamten Solinger Busverkehr auf Elektromobilität umzustellen.

Klar ist: Für diesen Schritt müsste das Liniennetz in Solingen komplett überarbeitet werden. Denn BOBs können eine Strecke nur dann befahren, wenn sie ihre Batterie regelmäßig an den Oberleitungen aufladen können. Doch momentan gibt es Autobus-Linien, die von Oberleitungen isoliert sind. „Man müsste O-Bus- und Autobus-Linien zu BOB-Linien verquicken. Wir wären dazu bereit“, sagt Holger Ben Zid.

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