Land NRW fördert jeden Bus mit rund 300.000 Euro

Acht neue O-Busse gehen in Solingen an den Start

Juliane Hilbricht, Jörg Eisenhut und Conrad Troullier (v. l.) stellten am Mittwoch die neuen O-Busse vor.
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Juliane Hilbricht, Jörg Eisenhut und Conrad Troullier (v. l.) stellten am Mittwoch die neuen O-Busse vor.

Ein batteriebetriebenes Testfahrzeug ist ab Montag auf den Straßen der Klingenstadt unterwegs.

Von Kristin Dowe

Holger Benzid, stellvertretender Pressesprecher der Verkehrsbetriebe, gewährt einen Blick in den Innenraum des neuen BOBs.

Solingen. Sichtlich stolz drückt Fahrmeister Jörg Eisenhut auf den Öffnungsknopf des neuen Batterieoberleitungsbusses (BOB), der sich bei dem aktuellen Modell direkt vorne unter der Frontscheibe befindet. Der neue BOB ist einer von acht Fahrzeugen, die seit Anfang April nach Solingen ausgeliefert wurden. „Durch die Corona-Pandemie gab es einige Lieferschwierigkeiten“, berichtet Conrad Troullier, Geschäftsführer des Bereichs Verkehr der Stadtwerke Solingen, beim Pressegespräch auf dem Betriebshof an der Weidenstraße. Zeitweise sei die deutsch-polnische Grenze geschlossen gewesen, was zu Verzögerungen bei der Auslieferung geführt habe – das im polnischen Owinska ansässige Unternehmen Solaris baut die Fahrzeuge, während die Düsseldorfer Firma Kiepe Electric für deren Antrieb verantwortlich ist.

„Man kann jetzt fast ebenerdig einsteigen.“

Conrad Troullier, Stadtwerke Solingen

Eines der acht Fahrzeuge, Wagen 865, ist ab Montag während der gesamten Sommerferien auf den Linien 683, 685 und 686 unterwegs. Läuft bei dem Testlauf alles reibungslos, ziehen die restlichen sieben Fahrzeuge im Herbst nach. Bei den acht BOB handelt es sich um Gelenkbusse, von denen weitere acht für das kommende Jahr bereits bestellt sind. Neben diesen Fahrzeugen werden außerdem 16 Solo-BOB in den kommenden zwei Jahren in die Klingenstadt ausgeliefert, so dass die Flotte bis 2030 gemäß Nahverkehrsplan komplett auf elektronischen und emissionsfreien Antrieb umgestellt sein wird.

Solingen: Rund 900.000 Euro kostet ein Fahrzeug

Derweil werden die ersten vier Prototypen des BOB noch bis Ende 2022 ihren Dienst auf der Testlinie 695 versehen. Rund 900.000 Euro kostet ein Fahrzeug in der Anschaffung, das Land NRW fördert jeden der neuen Busse mit rund 300.000 Euro.

Je nach Beladung können die neuen BOB bis zu 25 Kilometer ohne Oberleitung – also mit Batterieantrieb – zurücklegen. Anders als die Vorgängergeneration ersetzen die Batterien bei den Fahrzeugen einen Dieselmotor, der bislang als Notstromaggregat bei Behinderungen, Baustellen oder Umleitungsfahrten zum Einsatz kam. Somit sind die neuen Modelle ausschließlich mit Strom unterwegs. „Mit einem Verlängerungskabel aus dem Baumarkt kommen Sie da nicht weit“, scherzt Eisenhut.

Die neuen Fahrzeuge warten auf dem Betriebshof der Stadtwerke auf ihren baldigen Einsatz.

Und auch sonst können die BOB der neuen Generation mit einigen technischen Innovationen punkten. So sind die Fahrzeuge alle standardmäßig mit einer Klimaanlage und USB-Anschlüssen ausgestattet, so dass die Fahrgäste beispielsweise ihr Mobiltelefon aufladen können. Eine ausfahrbare Rampe sorgt dafür, dass Menschen mit Behinderung die Fahrzeuge nahezu barrierefrei nutzen können. „Die alten Modelle hatten noch eine kleine Stufe. Das ist jetzt nicht mehr der Fall“, erklärt Troullier. „Man kann jetzt fast ebenerdig einsteigen.“ Mit 18 Meter Länge und 2,25 Meter Breite bietet der BOB Platz für bis zu 109 Fahrgäste – 41 Sitz- und 66 Stehplätzen sowie der Möglichkeit für zwei Rollstühle.

Solingen: BOB ist nahezu barrierefrei zu nutzen

Ein weiterer Vorteil: Durch die Batterien kann ein größerer Anteil der Bremsenergie wieder in Strom umgewandelt und in Speicher zurückgespeist werden. In dem Projekt sieht die Aufsichtsratsvorsitzende der Stadtwerke Solingen, Juliane Hilbricht, einen wichtigen Schritt auf dem Weg, „die verlorenen Abonnenten bis Ende des nächsten Jahres zurückzuholen“. Im Zuge der Corona-Pandemie brachen den Verkehrsbetrieben nach eigenen Angaben rund 400.000 Euro ihrer Einnahmen weg.

Auch aus anderen Städten wie Marburg – die Stadt ist topografisch mit Solingen vergleichbar – erhielten die Verkehrsbetriebe Anfragen bezüglich der Technologie. Hilbricht ist überzeugt: „Es war eine richtige und zukunftsweisende Entscheidung, bei den O-Bussen zu bleiben.“

Besonderheiten: Die neuen Niederflurfahrzeuge verfügen außerdem über Monitore für Informationen und den Linienverlauf der Fahrt. Die neuen BOBs sind zudem 75 Zentimeter kürzer als das Vorgänger-Modell.

Innenraum: Im Innenraum ist die Steuerelektronik nun mit der letzten Sitzreihe verbaut, wodurch die bisherige Stufe beim Einstieg entfällt. Statt zuvor vier Batteriepacks in einer Ebene sind jetzt jeweils zwei Packs nebeneinander verbaut.

Standpunkt: ÖPNV braucht Aufwind

Von Kristin Dowe

kristin.dowe@solinger-tageblatt.de

Die Stadt hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesteckt, den Öffentlichen Personennahverkehr bis 2030 vollständig auf Elektromobilität umzustellen, dem sie mit den neuen acht batteriebetriebenen Oberleitungsbussen wieder einen Schritt näher gekommen ist. Hatten die Modelle der ersten Generation noch mit Kinderkrankheiten zu kämpfen, scheinen diese Probleme mit der neuen Technologie behoben. So mussten die Vorgänger-Fahrzeuge in der Vergangenheit gerade bei kalten Temperaturen häufig auch längere Zeit von der Oberleitung abgekoppelt werden und mit Dieselantrieb fahren. Mit dem reinen Batterieantrieb sind diese Zeiten vorbei – ein wichtiger Fortschritt. Der von der Corona-Pandemie schwer gebeutelte ÖPNV hat Aufwind auch dringend nötig. So dürfte es ein Kraftakt für die Verkehrsbetriebe werden, die verlorenen Kunden wieder ins Boot – oder besser gesagt in den Bus – zu holen. Auf dem Weg zur Klimaneutralität hat Solingen beim ÖPNV eine Vorreiterrolle übernommen, von der auch andere Städte profitieren können.

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