Kannenhof

Bluttat: Mann tötet seine Ehefrau

Im Treppenflur dieses Dreifamilienhauses am Kannenhof wurde die zweifache Mutter gestern getötet. Fotos (2): Uli Preuss
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Im Treppenflur dieses Dreifamilienhauses am Kannenhof wurde die zweifache Mutter gestern getötet.

Für zweifache Mutter kam jede Hilfe zu spät: Sie verblutete im Haus. Anwohner kritisieren die Stadt.

Von Hans-Peter Meurer

Eine Mutter von zwei minderjährigen Söhnen ist Donnerstagmorgen in einem Dreifamilienhaus der Wohnsiedlung Am Kannenhof umgebracht worden. Unter dringendem Tatverdacht steht ihr 45-jähriger Ehemann. Er soll seine 40-jährige Frau mit einem Messer getötet haben. Er ließ sich widerstandslos festnehmen und soll heute einem Haftrichter vorgeführt werden. Die Polizei hat eine Mordkommission eingerichtet.

Tatort ist ein Doppelhaus der fast 80 Jahre alten Siedlung des Solinger Spar- und Bauvereins am Hippergrund, nur einen Steinwurf entfernt vom Gustav-Coppel-Park. Kurz nach 9 Uhr hatten mehrere Anwohner der ansonsten ruhig gelegenen Siedlung an der Straße Am Kannenhof zuerst heftige Streitigkeiten, dann die lauten, anhaltenden Schreie einer Frau gehört. „Die gingen durch Mark und Bein“, berichtete Nachbar Christian Ulrich (73).

Standpunkt von Hans-Peter Meurer

Eine Mitbewohnerin des Hauses, die Kontakt zu der Zuwandererfamilie unterhielt, war daraufhin ins Treppenhaus gelaufen und fand die Frau auf der ersten Etage vor der geöffneten Wohnungstür der Familie blutüberströmt liegen. Der Auffindeort lässt vermuten, dass das Opfer noch flüchten wollte. Die Nachbarin, die einen schweren Schock erlitt, rief noch Rettungswagen und Notarzt. Doch für die 40-Jährige kam jede Hilfe zu spät: Sie war bereits verblutet, ihre Kehle war durchtrennt.

Derweil waren durch die Schreie weitere Mieter der Nachbarhäuser aufmerksam geworden. Auch ein Bauleiter des Spar- und Bauvereins, der dort zu tun hatte, lief zu dem Haus. Zusammen mit einer Nachbarin fand er den Ehemann des Opfers auf den Steinstufen vor dem Eingang sitzen. „Er machte einen apathischen Eindruck, seine Hände und Arme waren blutverschmiert“, schilderte später eine Zeugin.

Am Tatort wurde ein blutverschmiertes Küchenmesser gefunden. Spurenspezialisten der Kripo nahmen am Vormittag ihre Arbeit auf, die bis weit in die Abendstunden dauerte.

Die Söhne der Familie im Alter von 9 und 10 Jahren besuchen eine Höhscheider Schule. „Sie wurden sofort vom Stadtdienst Jugend betreut und sind jetzt in einer Einrichtung gut untergebracht“, sagte Stadtsprecherin Birgit Wenning.

Nachbarn erheben Vorwürfe: Die Stadt habe die Familie alleingelassen

Noch am Morgen war die Familie von Nachbarn gesehen worden. „Gegen 7.30 Uhr haben die Eltern ihre Söhne – wie jeden Morgen – zur Schule gebracht“, berichtete Fred Stadtmüller. Die Frau sei stets freundlich gewesen und hätte sich rührend um die Jungs gekümmert. Während die Söhne im Gegensatz zu den Eltern schnell die deutsche Sprache gelernt hätten und gut unter Gleichaltrigen der Siedlung integriert gewesen seien, hätten die Eltern eher zurückgezogen gelebt.

Spurenspezialisten der Wuppertaler Kriminaltechnik und Mitglieder der Mordkommission machten sich gesternein Bild von der Bluttat.

Der Vater habe allerdings in den vergangenen Wochen einen „seltsamen Eindruck gemacht“. So habe sich der 45-Jährige eine Irokesenfrisur zugelegt, zudem habe man ihn mehrfach betrunken im Coppel-Park und an der Tankstelle Wupperstraße gesehen.

Nachbarn erhoben am Donnerstag Vorwürfe gegen die Stadt. Sie habe sich um die Familie, die im Juni 2015 aus ihrem Heimatland nach Solingen gekommen ist, nicht ausreichend gekümmert. Zuerst war sie in einem Höhscheider Flüchtlingsheim untergebracht, seit November in der Wohnung des Bauvereins. Nach ST-Informationen ist die Polizei dorthin wegen Streitigkeiten der Eheleute schon gerufen worden. Nachbarn wollen zudem die Stadt informiert haben, dass der Mann seine Frau schlecht behandele.

Solingens Sozialdezernent Jan Welzel (CDU) bestätigte am Donnerstag: Es habe einen Hinweis aus der Schule der Söhne gegeben und auch einen weiteren aus der Nachbarschaft. „In beiden Fällen haben umgehend Sozialarbeiter aus der Jugend- und der Flüchtlingshilfe den persönlichen Kontakt zu der Familie gesucht, sagte Welzel. Dabei habe der Mann zwar von Übergriffen aus der Zeit im Heimatland und von dem Polizeieinsatz berichtet. Übergriffe würden aber nicht mehr vorkommen, habe er zugesichert. Auch die Frau habe gegenüber den Sozialarbeitern dargelegt, es gebe keine Probleme.

ZUWANDERER

BETREUUNG In den Solinger Flüchtlingsheimen werden Zuwanderer nahezu rund um die Uhr durch ausgebildete Sozialarbeiter betreut, die sich auch oft Dolmetschern bedienen, wenn intensive Gespräche nötig sind. 

FAMILIEN Wenn Familien in Wohnungen vermittelt werden, dann wird das Gespräch im Willkommencenter gesucht.

Im Willkommencenter für Zuwanderer an der Kölner Straße, das die Familie regelmäßig aufgesucht habe, seien auch keine Auffälligkeiten bekannt, teilte Welzel mit. Noch Donnerstagfrüh, kurz vor der Bluttat, war die Frau in dem Willkommencenter gewesen. Da war sie allein. » Standpunkt

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