Mein Blick auf die Woche

Energiekrise: Es gibt Menschen, die vorangehen

bjoern.boch@solinger-tageblatt.de
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Fossile Energien sind teuer – und werden das auch bleiben. Bergische Betriebe stellt das vor große Schwierigkeiten. Was versäumt wurde, wie es anders gehen könnte und warum der Blick auf andere nur bedingt hilft, erklärt ST-Lokalchef Björn Boch in seinem Blick auf die Woche. Alte Debatten würde er gerne noch einmal mit den Argumenten von heute führen.

Fangen wir mit der schlechten Nachricht an: Fossile Energien werden teuer bleiben. Die Zeiten des günstigen Verbrauchs von Öl und Gas sind vorbei. Aktuell ist der Schock besonders groß, Putins Krieg macht die Preise unberechenbar. Letztlich wird aber nur eine Entwicklung beschleunigt, die ohnehin unumkehrbar ist, weil die Ressourcen endlich sind und wir uns den Verbrauch ökologisch nicht mehr leisten können. Der Kauf von Öltanks oder Heizlüftern mag angesichts der Angst mit Blick auf den Winter verständlich sein. Langfristig sinnvoll ist er nicht.

Das gilt für Privatpersonen wie für Unternehmen – wobei letztere kurzfristig keine andere Wahl haben. Vor allem energieintensive Firmen stehen vor dem Problem, dass sie nicht wissen, wer ihnen wie lange Gas liefert. Geschweige denn zu welchem Preis. Steinkohle-Kraftwerke gehen zurück ans Netz, und selbst Greenpeace (!) kommentiert das als „bitter, aber unumgänglich“. Das reicht, um zu wissen, wie ernst die Lage ist.

Krisen zeigen bisweilen erstaunliche Parallelen. Wie zentral Digitalisierung ist, war lange bekannt. Gehandelt wurde oft aber erst, als Corona keine andere Wahl mehr ließ. Auch mit dem Umstieg auf erneuerbare Energien könnten wir längst weiter sein. Es wäre spannend zu erleben, wie die Diskussionen um Windräder in Gräfrath oder an der Sengbachtalsperre mit dem Wissen von heute geführt würden. Doch auch beim Thema Energie brauchte es den Zwang zum Handeln.

Die gute Nachricht: Es gibt Menschen, die vorangehen. Einer ist Alexander Lutz. Der Gewinner des Bergischen Zukunftspreises hat jahrelang den heutigen Firmensitz am Piepersberg geplant – und setzte konsequent auf Ökostrom. Das hob IHK-Präsident Henner Pasch in seiner Laudatio hervor. Pasch selbst gibt nicht nur der Wirtschaft neue Impulse in diese Richtung, sondern ist mit einem Wasserstoffauto unterwegs. Im bergischen Städtedreieck gibt es aktuell aber nur eine Tank-Möglichkeit – und Öko-Wasserstoff ist von gas-basiertem für den Verbraucher selten zu unterscheiden. Es gibt also noch viel zu tun.

Nur wer tut es? Vor Jahren betonten Experten, wie viele Jobs geschaffen werden könnten im Bereich „grüne Energie“. Wertvolle Zeit ging verloren. Vor allem, weil es aktuell unmöglich ist, die Stellen zu besetzen, die es bereits gibt. Der Personalmangel im Handwerk gefährdet die Energiewende zusätzlich.

Übrig bleibt, was jede und jeder tun kann: sparen. Solinger Sportvereine wollen jetzt mit gutem Beispiel vorangehen. Solche Initiativen von der Basis versprechen den größten Erfolg. Dazu kommen Institutionen: Die Stadt muss zwar ihre Ideen noch liefern, hat das für September allerdings angekündigt. Und ja: Die bundesweiten Regeln, seit einigen Tagen in Kraft, sind unausgereift. Meckern allein aber gilt nicht. Alle müssen schauen, was sie tun oder vermeiden können. Das ist sinnvoller, als bloß mit dem Finger auf andere zu zeigen und festzustellen, dass dort noch Licht brennt.

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