Konzert

Blackberries singen in China auf Platt

Besichtigungen gehörten auch für die Musiker dazu. So auch in Chengdu. Julian Müller (v.l.), Sebastian Heer, Amy (der Guide der Band auf der Tournee), Piet Rosanka, Joscha Justinski, Niklas Magedanz, der Booker und Manager der Blackberries). Foto: Blackberries
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Besichtigungen gehörten auch für die Musiker dazu. So auch in Chengdu. Julian Müller (v.l.), Sebastian Heer, Amy (der Guide der Band auf der Tournee), Piet Rosanka, Joscha Justinski, Niklas Magedanz, der Booker und Manager der Blackberries).

Solinger Indie-Band reiste nach Chengdu. Vor Tausenden Chinesen führten sie „Rhabarbara“ auf.

Von Philipp Müller

Der dritte Auftritt der Blackberries in China auf ihrer Tournee rund um die Stadt Chengdu blieb dem Kopf der Solinger Band, Julian Müller, emotional besonders hängen: „Am anderen Ende der Welt vor tausend Chinesen zu stehen und einen Song auf Solinger Platt zu spielen, ist schon eine ganz besondere Erfahrung, die sich kaum mit Worten beschreiben lässt und fast surreal wirkt.“ Im Juli war das Quartett nach China in die Stadt Chengdu gereist und gab insgesamt vier Konzerte in sieben Tagen.

Chengdu ist die Partnerstadt von Bonn, auch dorthin haben die Blackberries Kontakte und kamen so zur Chinareise. Denn Chengdu veranstaltet jedes Jahr das „Chengdu International Sister Cities Youth Music Festival“. „Dazu lädt die Stadt Künstler aus allen Partnerstädten ein“, erklärt Müller. Das reiche von der afrikanischen Trommel- und Tanzgruppe, über argentinische Electro-Acts bis hin zu Rockbands und „verschiedensten Acts aus aller Welt“.

Für Julian Müller, Sebastian Heer, Joscha Justinski und Piet Rosanka war es ein großes Eintauchen in eine ganz andere Welt. „Ein weiteres interessantes Phänomen war, dass wir wirklich ständig gefragt wurden, ob man uns fotografieren darf. Und zwar nicht nur nach den Shows, sondern auch, wenn wir ganz normal durch die Stadt gegangen sind“, erzählt Müller. Allein die Tatsache, dass fünf Europäer durch Chengdu laufen, habe schon für einiges an Aufmerksamkeit gesorgt. Chengdu habe pro Band einen Bus gestellt. „Mit dem konnten wir herumfahren. So haben wir neben den Auftritten eben auch einiges gesehen. Von alten Bewässerungsanlagen, über nachgebaute französische Städte bis hin zum Panda-Park von Chengdu.“

Auch die Organisation der einzelnen Festivals war für die jungen Musiker eine Erfahrung. „Bei den Festivals hatten wir riesige Bühnen mit großen Projektionen im Hintergrund. Das war schon noch mal eine gute Ecke anders, als wir das aus Deutschland kennen. Auch bei uns haben wir schon einige große Festivals gespielt – in China war alles noch mal eine Ecke größer und bunter“, sagt Müller.

Die Auftritte hätten dann immer nur zehn Minuten gedauert, was die Musiker eher an TV-Shows erinnert habe. Auch die Reaktion der Chinesen auf die einzelnen Stücke sei anders als erwartet erfolgt: „Nach den Songs gibt es in China immer einen heftigen aber kurzen Applaus, der nach wenigen Sekunden komplett verstummt.“ Dann müsse es direkt weitergehen. Zeit, die Gitarren neu zu stimmen, bleibe da gar nicht.

Begleiterin Amy führte die Band in die Welt Chengdus ein

Beim dritten Festival habe sich das Quartett dann dafür entschieden, „Rhabarbara“ (» Text im Kasten), den eigenen Song auf Solinger Platt zu spielen, was zur surrealen Reaktion unter den Musikern führte. Der letzte Auftritt war dann eine einstündige Show in einem kleineren Club. „Auch dort haben wir Rhabarbara gespielt und den Leuten erklärt, was es mit dem Song auf sich hat.“ Es geht um die Situation auf dem Markt. Und das kennen auch die Chinesen.

RHABARBARA VON DEN BLACKBERRIES

SONGTEXT Hier jüddet alles watt-er eten wöllt. Hüört op te kallen, holt dat Jeild eruut. Jürksker– Ölk – Spetzkuhl – Erpel. Baul fürzich Johr stonn ich hie im Jemüös. All die Jeseiter, dat Jebrassel, wat dann süss. Brommeln – Polezeifenger – Erzen – Rüöwen. Wenn de Schmeit häss, kömmse langes Mohltiet! Rhabarbara, Rhabarbara, Rhabarbara! Hier jüddet alles watt-er eten wöllt. Hüört op te kallen, holt dat Jeild eruut. Baul fürzich Johr stonn ich hie im Jemüös. All die Jeseiter, dat Jebrassel, wat dann süss.

Die Reise, das betont Müller, habe alle begeistert. „Vor Ort hatten wir eine Begleitung durch Amy, die uns herumgeführt hat und dafür gesorgt hat, dass wir uns zurechtfinden. Sie konnte Deutsch und Englisch – ohne sie wäre es sehr schwierig geworden, weil in China sonst sehr wenig Leute Englisch sprechen und man so ganz ohne gemeinsame Sprachkenntnisse sehr schnell aufgeschmissen ist.“ Am Ende zieht Müller für sich und seine Mitmusiker ein positives Fazit, man habe „viele großartige Menschen kennengelernt.“

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