Handel erwartet hohe Nachfrage

„Black Friday“ gewinnt in Solingen an Bedeutung

Ursprünglich war der „Black Friday“ vor allem in den USA eine große Sache. Es kam schon mal zum Sturm auf Geschäfte. Inzwischen ist der Trend zu Rabatten Ende November längst auch in Europa angekommen. Die Bedeutung für den Handel wächst.
+
Ursprünglich war der „Black Friday“ vor allem in den USA eine große Sache. Es kam schon mal zum Sturm auf Geschäfte. Inzwischen ist der Trend zu Rabatten Ende November längst auch in Europa angekommen. Die Bedeutung für den Handel wächst.

Wichtig sind Preisvergleiche und eine gesunde Portion Skepsis.

Von Björn Boch und Bernhard Romanowski

Solingen. Heute ist „Black Friday“ – wörtlich: „schwarzer Freitag“. So heißt die Rabattaktion, die vor allem bei Elektronik-Artikeln, aber auch in anderen Bereichen zum Kauf anregen soll – und immer weitere Kreise im Handel zieht. Eigentlich hätten die Händler eher „Black Weeks“, berichtet Ralf Kohns. „Schwarze Wochen“ also – im Sinne von: Angebote über einen längeren Zeitraum.

Ralf Kohns ist Inhaber von Expert Schultes an der Konrad-Adenauer-Straße und Vorstandsmitglied beim W.I.R.

Kohns ist Inhaber von Expert Schultes an der Konrad-Adenauer-Straße und Vorstandsmitglied des Werbe- und Interessenrings Solinger Innenstadt (W.I.R.). „Das ist für den Handel ein vorgezogenes Weihnachtsgeschäft. Früher war der Dezember der Monat mit den meisten Umsätzen. Das ist heute nicht mehr so“, berichtet Ralf Kohns. Nicht zuletzt liege das am „Black Friday“, der aus den USA nach Europa kam ().

Auch die Lieferanten machten bei diesem Aktionstag mit und böten subventionierte Produkte für diesen Zeitraum. „Selbst die Industrie stellt sich bei der Produktion bereits darauf ein“, so Kohns. Er findet den „Black Friday“ prinzipiell gut, warnt aber vor schwarzen Schafen. Einige würden, gerade online und abseits etablierter Händler, Preise aufrufen, die bei näherem Hinsehen gar nicht gut seien. „Da hilft der Vergleich mit dem örtlichen Fachhandel“, so Kohns.

Das sehen auch Verbraucherschützer so. Gerade bei vermeintlichen „Traumangeboten“, etwa auf dem Marketplace von Amazon, tummelten sich Betrüger. Eine gesunde Portion Skepsis sei angebracht. Preisvergleiche seien wichtig: „Viele der Sparpreise beruhen auf einem Vergleich mit unverbindlichen Preisempfehlungen der Hersteller (UVP). Tatsächlich kassiert jedoch kaum ein Händler die als Mondpreise in Verruf gekommenen UVP“, so die Verbraucherzentrale. Das bestätigt Fachhändler Kohns.

Für die Elektronikbranche seien die Tage ein „wichtiger Teil des Jahresgeschäftes“. Das betont eine Unternehmenssprecherin von Media-Markt/ Saturn: „Technikprodukte zählen zu den beliebtesten Weihnachtsgeschenken. Das Vorweihnachtsgeschäft ab November und das Weihnachtsgeschäft sind unsere umsatzstärkste Zeit.“

Nach einem jahrelangen Lizenzstreit um den Begriff „Black Friday“ sei dieser nun frei nutzbar, erklärt Daria Stottrop von der Bergischen Industrie- und Handelskammer (IHK). Dementsprechend sei davon auszugehen, dass künftig entsprechend mehr Gebrauch davon gemacht werde.

„Rationales Denken lässt nach zwei, drei Käufen nach.“

Felix Kopka, Bergische Universität Wuppertal

Beim Handelsverband NRW geht man davon aus, dass der „Black Friday“ und der „Cyber Monday“ von den Konsumenten gut genutzt werden. Auch wenn die aktuelle Konjunkturlage schwierig und die Konsumstimmung in der Bevölkerung schlecht sei, so Verbandssprecherin Carina Peretzke.

Felix Kopka, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre der Bergischen Universität Wuppertal, bestätigt, dass „Black Friday“ und „Cyber Monday“ zu festen Größen im Kalenderjahr der Einzelhändler geworden sind. „Immer mehr nehmen teil und sind quasi dazu gezwungen, weil die Konsumenten das fest eingeplant haben.“ Viele Kunden würden sich schon vier bis acht Wochen im Vorfeld auf die Rabattaktionen vorbereiten, weiß der Konsumforscher mit Schwerpunkt Marketing.

Die grundsätzliche Kaufbereitschaft sei dann gegeben und verleite die Konsumenten an den Aktionstagen dazu, weitere Käufe zu tätigen, über die sie sich weniger Gedanken machen. Die ausgewiesenen Rabatte seien aber nicht immer aussagekräftig. Besonders im Bereich Smartphones etwa sei die Abweichung meist sehr gering. „Man sollte recherchieren und vergleichen“, rät Kopka, denn: „Das rationale Denken lässt nach zwei, drei Käufen nach.“ Die Bereitschaft, zuzugreifen, werde also größer. „Dies umso mehr, wenn wir Geschenke für andere kaufen, weil wir dann zu großzügigeren Ausgaben bereit sind.“

Wer sich heute nicht entscheiden kann – oder wer Bedenken hat – für den hat Ralf Kohns noch eine gute Nachricht. Es sei zwar für den Verbraucher eine schöne Sache, schon frühzeitig die Geschenke für Weihnachten zu kaufen. „Es wird aber auch im Dezember noch gute Angebote der Händler geben.“

Ursprung

„Black Friday“ wird in den USA der Tag nach Erntedank („Thanksgiving“) genannt. Da dieser immer auf den vierten Donnerstag im November fällt, ist der Freitag danach oft Teil eines Familienwochenendes und Start für die Weihnachtseinkäufe. Es folgt der „Cyber Monday“ – der Marketingbegriff steht für den Start des Weihnachtsgeschäfts bei Online-Shops.

Passend zum Thema: Der Handel in Höhscheid ist gut aufgestellt

Standpunkt von Manuel Böhnke: Saurer Apfel

manuel.boehnke@solinger-tageblatt.de

Was früher der Winterschlussverkauf war, sind heute „Black Friday“, „Black Week“ und „Cyber Monday“. Nun könnte man an dieser Stelle bedauern, dass sich wieder einmal eine – zugegebenermaßen eher fragwürdige – amerikanische Tradition hierzulande durchsetzt. Auch ist der übermäßige, teilweise unnötige Konsum sicherlich kritikwürdig. Nur: Sich darüber lange zu beklagen, wäre sinnlos.

Es ist, wie es ist: Die Schlagzahl im Handel geben längst keine Warenhausketten mehr vor, sondern riesige Plattformen wie Amazon. Dieser Realität müssen sich auch viele Händlerinnen und Händler vor Ort stellen. Ihnen daraus einen Strick zu drehen, wäre unangebracht. Die zurückliegenden zweieinhalb Jahre waren hart für viele Geschäftsinhaberinnen und -inhaber. Wenn der „Black Friday“ dazu beiträgt, den Umsatz in der so wichtigen Vorweihnachtszeit anzukurbeln und damit Arbeitsplätze und Lebensqualität in der Stadt zu erhalten, kann uns das nur recht sein. 

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Gold & Glitter in der Ohligser Festhalle
Gold & Glitter in der Ohligser Festhalle
Gold & Glitter in der Ohligser Festhalle
Grünes Stadtquartier: Neue Pläne für die Solinger Innenstadt
Grünes Stadtquartier: Neue Pläne für die Solinger Innenstadt
Grünes Stadtquartier: Neue Pläne für die Solinger Innenstadt
Boris von Reibnitz schafft eine Lieferfrau – oder nicht?
Boris von Reibnitz schafft eine Lieferfrau – oder nicht?
Boris von Reibnitz schafft eine Lieferfrau – oder nicht?
Stadtwerke: Abrechnungen könnten sich verzögern
Stadtwerke: Abrechnungen könnten sich verzögern
Stadtwerke: Abrechnungen könnten sich verzögern

Kommentare