Buschfeuer

Biologin hat ein Herz für die Wildtiere Australiens

Seit 2006 lebt Dr. Maren Dammann in Australien. Gemeinsam mit ihrem Mann kümmert sie sich um Flughunde. Foto: Dr. Maren Dammann
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Seit 2006 lebt Dr. Maren Dammann in Australien. Gemeinsam mit ihrem Mann kümmert sie sich um Flughunde.

Von Stephanie Licciardi

Solingen/ Brisbane. Mit großen Augen blickt der kleine Flughund, eingewickelt in ein Handtuch in der Hand seiner Retterin, in die weite Welt. Das kleine Kerlchen ist nur knapp den Flammen im australischen Busch entkommen – nun gilt es, ihn schnell wieder aufzupäppeln. Diese Aufgabe übernimmt die frühere ST-Mitarbeiterin Dr. Maren Dammann. Seit 2006 lebt die gebürtige Wermelskirchnerin im australischen Brisbane. „Mein Mann Christian und ich waren sofort von der Weite des Landes, der Vielfalt und Einzigartigkeit der Natur und den freundlichen Menschen begeistert. Die Lebensqualität ist sehr gut, und trotzdem kann man hier noch echte Abenteuer erleben.“

Das Ehepaar unterstützt die Wildtierretter und packt mit an

Ebenjene ereignen sich in Maren Dammanns Leben Tag für Tag. Von Ausflügen ins Zentrum des Roten Kontinents über eine Python im Wohnzimmer bis hin zu „herausfordernden Situationen wie Begegnungen mit Krokodilen, Überflutungen und Buschfeuern“, wie sie sagt. Seit ihrer Kindheit und Jugend hat sich die junge Frau der Tierrettung verschrieben. „Seit ich denken kann, bin ich tierverrückt. Ich habe schon als Kind Bücher von Grzimek und anderen Naturforschern verschlungen und davon geträumt, selbst solche Abenteuer zu erleben und zum allgemeinen Wissenspool beizutragen.“ Während des Biologiestudiums spezialisierte sie sich auf den Arterhalt. „Als wir auswanderten, eröffnete sich mir eine unglaubliche Welt der Möglichkeiten. Die Natur ist unfassbar schön, vielfältig und schützenswert.“

Dr. Maren Dammann

Gleichzeitig ist Australien bekannt für seine Buschfeuer. Der studierten Biologin ist klar, dass auch diese zur Natur gehören. „Viele Pflanzen brauchen das Feuer. Aber das Jahrtausende alte Gleichgewicht ist aus den Fugen geraten. Klimawandel und menschliche Eingriffe haben die Natur geschwächt, sorgen für häufigere und heißere Feuer, die alles zerstören. Ein ,gesundes‘ Feuer ist bodennah und langsam, es bietet den Tieren eine Chance zu fliehen.“ Die verheerenden Brände von 2019 und 2020 ließen diese Möglichkeit jedoch nicht. Dabei wurden große Schäden hinterlassen, viele Wildtiere sind verbrannt. „Es war eine furchtbare Zeit, und obwohl die Wildtierretter eine grandiose Leistung erbracht haben und es auch viel Hilfe aus dem Ausland gab, ist das Endergebnis in einigen Gegenden vernichtend.“

Gemeinsam packte das Ehepaar kräftig mit an. „Mein Mann und ich haben in der Zeit über hundert Holzhäuser gebaut, um den arborealen Tieren sichere Unterkünfte zu bieten und haben andere Wildtierpfleger mit allen Mitteln unterstützt.“ Als Mitglied in der Organisation Bat Conservation and Rescue Queensland kümmert sich Dammann zudem um Flughunde und Fledermäuse. „Flughunde sind unglaublich kluge, verspielte und witzige Tiere, wer sich einmal mit ihnen beschäftigt, den lassen sie nicht mehr los.“ In Brisbane gibt es viele Kolonien von Graukopf-, Kleinen Roten und Schwarzen Flughunden.

„Ökologisch gesehen sind das unglaublich wichtige Tiere, da sie Samen und Pollen einheimischer Pflanzen über weite Strecken verteilen und somit für die Gesundheit von Wäldern eine unersetzliche Rolle spielen. Die Kolonien befinden sich teils in der Stadt, und das führt zu vielen Unfällen.“

Geht ein Notruf bei den Rettern ein, wird es hektisch. „Sobald wir an einer Unfallstelle ankommen, bewerten wir die Situation hinsichtlich Gefahren, retten das Tier, führen eine Erstversorgung durch und bringen es zu einem Tierarzt oder zu einem erfahrenen Rehabilitator, der es wieder aufpäppelt.“ Eine Zeit lang hat sich die Wahl-Brisbanerin auch um Wallabys und Possums gekümmert. Bis heute nimmt Dammann für den Verein Barn jährlich ein oder zwei Possum-Gruppen auf.

„Obwohl es viel Hilfe gab, ist das Endergebnis in einigen Gegenden vernichtend.“

Dr. Maren Dammann über die Folgen der Buschfeuer

Ihrer Heimat ist Maren Dammann tief verbunden. Eine Stippvisite nach Schloss Burg gehört ebenso dazu, wie das obligatorische Waffelessen oder ein Spaziergang durch die bergischen Wälder. Dammann lacht: „Am meisten fehlt mir der Herbst des Bergischen Landes mit seinen sagenhaften Farbenspielen im Laub, der herrlich kühlen Luft und den Winden, die das Haar zerwühlen. Hier im subtropischen Teil Australiens gibt es keine so deutlichen Unterschiede zwischen den Jahreszeiten.“

Zur Person

Dr. Maren Dammann veröffentlichte unter dem Pseudonym Josefine Meyer den Australienroman „Echo der Traumzeit“. Im Februar 2022 erscheint „Im Land der wilden Pfoten“ unter dem Pseudonym Lea Lobrecht bei Harper-Collins. Im Roman geht es um eine Wildtierretterin in Australien, die in den Buschfeuern 2019/20 hilft und Licht dorthin bringt, wo keine Hoffnung mehr besteht. Außerdem ist Dammann Vorsitzende der Initiative Star – Craft for Wildlife, die beispielsweise Stoffbeutel für verwaiste Kängurus, Wombats oder Koalas an ehrenamtliche Tierretter verteilt.

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