Bericht

Bildung: Jungen haben schlechtere Chancen

Der Bildungsbericht 2020 zeigt eine Ungleichheit in vielen Bereichen.
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Der Bildungsbericht 2020 zeigt eine Ungleichheit in vielen Bereichen.

Schulverwaltung legt Bildungsbericht vor, der erstmals erarbeitet wurde.

Solingen. Wie steht es um die schulischen Chancen für Kinder und Jugendliche in Solingen? Der Bildungsbericht 2020 zeigt eine Ungleichheit in vielen Bereichen. So bekommen Kinder ohne deutschen Pass viel häufiger eine Hauptschulempfehlung als solche deutscher Herkunft. Und es gibt noch immer viele Jugendliche, die die Schule ohne einen Abschluss verlassen. AM Montag stellten Schuldezernentin Dagmar Becker (Grüne) und Vertreter der Schulverwaltung den Bericht vor, der erstmals erarbeitet wurde. „Er ist die Grundlage für die weitere Schulentwicklungsplanung“, sagte Becker.

Auf 48 Seiten hat Stefan Ermertz von der Abteilung für Schulstrategie Statistiken zur Solinger Bildungslandschaft ausgewertet – vom Kindergarten bis zu den Berufskollegs. In benachteiligten Quartieren sei es häufig so, dass die Kinder bereits in der Kita unter sich blieben. Die Vermutung liege nahe, dass sich das in der Grundschule und auf der weiterführenden Schule so fortsetze. Die Folge sei, „dass das Kennenlernen anderer Lebenswelten, das Lernen voneinander weitgehend unterbleibt“, heißt es im Bericht.

Bildungsbericht: Gesamtschulen sind in Solingen beliebter als im Landesdurchschnitt

Dass Kinder aus benachteiligten Quartieren weniger mit anderen Altergenossen zusammentreffen, führt Schuldezernentin Becker unter anderem auf die Aufhebung der Grundschulbezirke zurück. Seit Eltern die Schule frei wählen könnten, sei die Durchmischung zurückgegangen.

Wo in den kommenden Jahren angesetzt werden muss, zeigen verschiedene Daten. Schuleingangsuntersuchungen von künftigen Erstklässlern – Daten lagen für 2016 bis 2018 vor – führen auf, dass jedes fünfte Kind in Solingen „auffällige sprachliche Defizite“ offenbart.

Dass ungleiche Bildungschancen sich fortsetzen, deutet sich auch bei den Empfehlungen an, die Grundschüler für den Übergang zur weiterführenden Schule bekommen. Demnach erhielten in den vergangenen vier Schuljahren Mädchen aus deutschen Familien (37 Prozent) doppelt so häufig eine Gymnasialempfehlung wie Mädchen ohne deutschen Pass (16,8 Prozent). Umgekehrt zeigt sich dieses Muster auch bei den Hauptschulempfehlungen: So wurden 29,5 Prozent der nicht-deutschen Jungen an diese Schulform verwiesen, während es bei den Viertklässlerinnen aus deutschen Familien nur rund 10 Prozent waren.

Eine Hauptschule gibt es in Solingen seit 2019 nicht mehr. Kinder mit einer Empfehlung für diese Schulform verteilen sich laut Bildungsbericht nun vor allem auf Gesamtschulen und Sekundarschule – und dort zwar vor allem auf drei Schulen. 6,5 Prozent der Solinger Schüler beenden die Schule ohne einen Abschluss in der Tasche. Mehr als die Hälfte von ihnen habe keinen sonderpädagogischen Förderbedarf.

Als positiv hebt der Bericht die Bedeutung der Gesamtschulen in Solingen hervor. Während landesweit nur rund 28 Prozent aller Kinder nach der Grundschule an eine Gesamtschule wechseln, seien es in der Klingenstadt gut 40 Prozent. „Mit der Entscheidung für eine vierte Gesamtschule hat Solingen also alles richtig gemacht“, sagte Oliver Vogt, Leiter der Schulverwaltung. Das geht jedoch zulasten der Gymnasien. NRW-weit wählen 41 Prozent aller Viertklässler ein Gymnasium, in der Klingenstadt sind es laut Bildungsbericht nur gut 28 Prozent.

Der Bildungsbericht werde nun in den politischen Gremien diskutiert, erklärte Vogt. Wichtige Daten liefere er unter anderem für die Diskussion um die Sekundarstufe I. Weil in Solingen Plätze ab Jahrgang 5 fehlen, müssen drei zusätzliche Züge an verschiedenen Schulen geschaffen werden.

Hintergrund

16 839 Schüler und Schülerinnen besuchten im Schuljahr 2019/20 eine allgemeinbildende Schule in Solingen (ohne Berufskollegs). 12,9 Prozent haben nicht die deutsche Staatsangehörigkeit. Bezogen auf die Solinger Gesamtbevölkerung (2019: 163 112) haben 16,9 Prozent keinen deutschen Pass. Der Anteil der Bürger mit ausländischen Wurzeln liegt bei 35,7 Prozent.

Nur mit vereinbartem Termin konnten in den vergangenen Wochen die Viertklässler an den weiterführenden Schulen angemeldet werden. Für alle Kinder gab es die Schulform ihrer Wahl.

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