ST vor Ort

„The Living Dead“: Bikerclub arbeitet an seinem Image

Schwere Maschinen und Leder-Kutte – fünf der sechs Solinger Mitglieder von „The Living Dead“ vor ihrem Clubhaus an der Neuenkamper Straße.
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Schwere Maschinen und Leder-Kutte – fünf der sechs Solinger Mitglieder von „The Living Dead“ vor ihrem Clubhaus an der Neuenkamper Straße.

Um die Rocker-Gruppe „The Living Dead“ in Höhscheid ist es in letzter Zeit ruhiger geworden.

Von Simone Theyßen-Speich

Solingen. Da, wo Höhscheid eigentlich schon zu Ende ist und Aufderhöhe noch nicht angefangen hat, wo es nach Süden Richtung Leichlingen und nach Nord-Westen Richtung Ohligs geht, haben sie viel Platz für ihr Clubhaus und ihr großes Außengelände. Seit 2014 hat der Motorradclub „The Living Dead“ sein Domizil im Haus der ehemaligen Gaststätte „Beim Öhm“.

Bereits 1973 hatte sich das Chapter in Wuppertal gegründet. „Im nächsten Jahr feiern wir also 50-jähriges Bestehen“, erzählt Martin, der Secretary des Chapters. Nur mit Vornamen oder Spitznamen möchten sie angesprochen werden – auch in der Zeitung. Der Club-Name gehe auf den US-Horrorfilm Film „Night of the Living Dead“ (Nacht der lebenden Toten) von 1968 zurück. Die Solinger Gruppe gibt es seit elf Jahren. „Wir waren schon mal 20 bis 30 Leute, derzeit sind wir nur zu sechst“, erzählt Stephan, der Präsident des Chapters.

Sie wollen aufräumen mit dem etwas verruchten Image von den harten Rockern auf ihren heißen Öfen. „Natürlich steht das Motorradfahren bei uns an erster Stelle“, erzählen sie. „Und 650 Kubik sollte die Maschine schon haben, wenn man bei uns mitmachen will“, betont Stefan, der schon mal einen internen Jackpot gewonnen hat, weil er die meisten Kilometer gefahren ist. „21 000 Kilometer in acht Monaten“, habe er damals in einer Saison geschafft.

An zweiter Stelle nach dem Motorradfahren steht das Thema Party. „Bei unserer letzten ,Laut + Lecker'-Party Ende Mai kamen etwa 300 Gäste“, erinnert sich Martin. „Da sind wir für alle offen. Es kommen auch viele Gäste, die mit dem Motorrad gar nichts zu tun haben, Fußball-Freunde, alte Klassenkameraden – und Nachbarn, die einfach mal neugierig sind, was wir hier so machen.“

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Das nächste Fest sei für den 27. August geplant. Mit dem Titel „Sommerparty“ kommt es deutlich zurückhaltender daher als frühere Veranstaltungen. Hatte doch ihre groß plakatierte „Titten, Ärsche, Reibekuchen“-Party vor zwei Jahren nicht nur bei Feministinnen für Protest gesorgt. „Es geht ums Essen und Trinken, aber natürlich sind auch Mädels da, die gerne tanzen, auch Table-Dance“, erzählt Sascha. Frauenfeindlich sei das nicht, betont er. Auch seine Freundin Natalie hat damit kein Problem. „Ich finde es auch in Ordnung, dass Frauen keine Club-Mitglieder werden können. Ich fahre lieber als Sozia hinten drauf mit“, erzählt sie. „Ich habe auch gar keinen Motorradführerschein.“

Bei allen Club-Mitgliedern spiele die Familie eine große Rolle. Chapter-Präsident Stephan hatte auch Tochter und Enkel schon dabei. „Die finden den Opa in Kutte auf dem Motorrad cool.“ Den Living-Dead-Mitgliedern sei viel daran gelegen, Transparenz zu schaffen und für gute Nachbarschaft zu sorgen. „Silvester kamen die Nachbarn auch schon mal mit einer Flasche Sekt rüber“, erzählt Stefan. „Das Image relativiert sich, wenn die Leute sehen, dass wir normale Menschen mit normalen Jobs sind“, so Martin. Auch am Blutspende-Marathon habe man als Gruppe schon teilgenommen. Die Corona-Zeit hat man genutzt, um die ehemalige Kegelbahn zum Clubraum umzubauen und zu renovieren.

Schwierig sei es, junge Leute für den Motorradclub zu gewinnen. „Viele von denen machen heute ja nicht mal mehr den Führerschein“, bedauert der Chapter-Chef.

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