Sie bietet Beistand bei plötzlichem Tod

Simone Henn-Pausch koordiniert die Notfallseelsorge des evangelischen Kirchenkreises Solingen an der Kasernenstraße. Foto: Tim Oelbermann
+
Simone Henn-Pausch koordiniert die Notfallseelsorge des evangelischen Kirchenkreises Solingen an der Kasernenstraße. Foto: Tim Oelbermann

Simone Henn-Pausch hat die Koordination der Notfallseelsorge des Evangelischen Kirchenkreises aufgebaut

Von Daniela Neumann

Ein plötzlicher Tod kann unterschiedlichste Ursachen haben. Polizei und Notfallseelsorge kommen immer dann ins Spiel, wenn den Fachkräften und Hinterbliebenen die Todesursache zunächst unbekannt ist, berichtet Simone Henn-Pausch. Ärzte oder Sanitäter sichern sich als Einsatzkräfte mit Hinzuziehen der Polizei ab. Und kontaktieren bei entsprechender Lage zudem die Notfallseelsorge des Evangelischen Kirchenkreises Solingen. Simone Henn-Pausch koordiniert deren Einsätze. Die Diplom-Theologin hat selbst auch eine Ausbildung zur Rettungssanitäterin absolviert und darf dazu in Erster Hilfe ausbilden. Sie kennt sowohl sichtbare körperliche als auch unsichtbare seelische Aspekte des Themas Tod.

Grundsätzlich betreuen die Menschen der Notfallseelsorge Personen nach existenziellen Notfällen. Und das sei meist ein plötzlicher Todesfall, erklärt Henn-Pausch. Als sie Praktikantin bei der Wuppertaler Feuerwehr war, kam sie erstmals so richtig mit der Notwendigkeit von Seelsorge in Extremsituationen in Berührung: Das war 1993, als der Solinger Brandanschlag verübt wurde. In der Zeit danach stellte Henn-Pausch fest, dass Einsatzkräfte wie privat Betroffene nicht allein gelassen werden wollen und sollten.

Einsatzkräfte rufen Seelsorge, und diese bietet Trost und Rituale

Mit anderen Aktiven aus ganz Deutschland baute sie nach und nach ein System auf, durch das geschulte Menschen anderen im Notfall Beistand leisten können. Und zwar unabhängig von deren Glauben, betont Simone Henn-Pausch. Die Notfallseelsorge in Solingen sei ein gewachsenes und eines der ältesten Systeme in der Bundesrepublik, erzählt die Koordinatorin. Für ihren Einsatz hat sie Auszeichnungen erhalten, darunter 2015 das Feuerwehr-Ehrenkreuz in Silber.

Während Fachkräfte wie sie selbst auch heutzutage Supervision, also Beratung und Betreuung, von Berufs wegen nutzen, erreicht die Notfallseelsorge des Evangelischen Kirchenkreises Solingen insgesamt jährlich Betroffene bei rund 110 bis 120 Einsätzen, weiß Simone Henn-Pausch. „Der Hauptschwerpunkt ist die Betreuung von Angehörigen nach erfolgloser Reanimation.“ Selbsttötungen seien in Solingen ein weiterer Auslöser für Seelsorge bei den Hinterbliebenen. In Düsseldorf gehe es etwa nach Straßenbahnunfällen los, in Leverkusen nach Autobahn-Crashs.

Wichtig: „Die Notfallseelsorge kann nicht direkt angerufen werden, sondern wird durch die Einsatzkräfte vermittelt.“ In Solingen machen dabei alle evangelischen Pfarrerinnen und Pfarrer mit, erläutert Henn-Pausch: Alle, die eine volle Stelle haben, haben einen Tag pro Monat Bereitschaft. Das sind dann auch genau 24 Stunden, von 18 bis 18 Uhr. Dazu stehen 15 fertig ausgebildete und 12 in Ausbildung befindliche Ehrenamtliche bereit. Sobald Einsatzkräfte die Notfallseelsorge benachrichtigen, fährt die diensthabende Person los – und ist dann meist nach 15 bis 20 Minuten vor Ort. „Wir sind so ein bisschen Anwalt der Betroffenen“, sagt Simone Henn-Pausch.

Sie kennt die Punkte, um die es dann geht: Die Angehörigen stehen bei einem Notfall fassungslos daneben. Für alle ist es dann so, diesen Zustand erst einmal auszuhalten. Dann würden die nächsten Schritte mit der Polizei besprochen. Anschließend könne ein ritualisierter Abschied durchgeführt werden. Gerade im häuslichen Umfeld bei einem plötzlichen Tod.

Angeboten werden könnte ein Gebet, das Anzünden einer Kerze, stille Minuten noch einmal vor dem Angesicht der verstorbenen Person. Oder der Trauspruch bei Langverheirateten werde noch einmal gesprochen oder ein Segenswort. Es geht darum, was der Angehörige in diesem Moment konkret braucht.

Denn wenn die Todesursache nicht feststeht, wird der oder die Tote zügig zur Untersuchung in die Pathologie gebracht. Die Hinterbliebenen sollen dann nicht abgeschnitten und allein etwa in den auf einmal leereren Räumen zu Hause bleiben. Sie können die Einsatzkräfte auch direkt darum bitten, die Notfallseelsorge zu kontaktieren.

Manche Familienmitglieder trösteten sich hingegen untereinander, da würden mehr Personen eher stören, erklärt Simone Henn-Pausch zur Bandbreite und zum nötigen Fingerspitzengefühl.

Wenn eine Person übrigens aufgrund bekannter Erkrankungen sterbe, riefen Angehörige den Hausarzt oder die Hausärztin, damit die verstorbene Person untersucht und alles Weitere geklärt werde. Dann greifen die oben genannten Notfall-Schritte nicht.

Informationen: Auf der Internetseite der Evangelischen Kirche in Solingen, unter „Arbeitsgebiete“ findet sich die Notfallseelsorge.

www.ekir.de

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Viele Freizeitanlagen in Solingen bleiben geschlossen
Viele Freizeitanlagen in Solingen bleiben geschlossen
Viele Freizeitanlagen in Solingen bleiben geschlossen
Corona: 7-Tage-Inzidenz sinkt weiter - Zweithöchster Wert im Bund
Corona: 7-Tage-Inzidenz sinkt weiter - Zweithöchster Wert im Bund
Corona: 7-Tage-Inzidenz sinkt weiter - Zweithöchster Wert im Bund
Explosion in Leverkusen: Suche nach vermissten dauert an - Entwarnung für Solingen
Explosion in Leverkusen: Suche nach vermissten dauert an - Entwarnung für Solingen
Explosion in Leverkusen: Suche nach vermissten dauert an - Entwarnung für Solingen
Verordnung: Es gilt für Solingen wieder die Inzidenzstufe 2
Verordnung: Es gilt für Solingen wieder die Inzidenzstufe 2
Verordnung: Es gilt für Solingen wieder die Inzidenzstufe 2

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare