Vorfall im Bereich Odentaler Weg

Damit keine Tiere verenden: Diese Regeln gelten beim Kampf gegen Unkraut

Schwer zu erkennen: Bei den schwarzen Punkten vor dem Bienenstock handelt es sich um tote Bienen.
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Schwer zu erkennen: Bei den schwarzen Punkten vor dem Bienenstock handelt es sich um tote Bienen.

Solinger Imker beklagt Tod von 2000 Bienen – Grund könnte eine verbotene Substanz gewesen sein.

Von Manuel Böhnke

Solingen. Der Vorfall liegt bereits einige Wochen zurück, doch er hat bei den Solinger Imkern einiges an Aufruhr verursacht. An einem Montag im Juli war Sascha Clausdeinken auf dem Weg zu seinen beiden Bienenvölkern am Odentaler Weg. Nur wenige Meter von den Stöcken entfernt beobachtete er einen Mann, der in Schutzmontur einen Grünstreifen mit Flüssigkeit besprühte. „Ich gehe davon aus, dass es sich dabei um ein Totalherbizid gehandelt hat“, sagt der Hobby-Imker. Ein Unkrautvernichter. Er habe den Unbekannten aufgefordert, den Einsatz zu unterlassen – ohne Erfolg. Zwei Tage später waren nicht nur die behandelten Brombeersträucher abgestorben. Schätzungsweise 2000 von Clausdeinkens Bienen lagen vor ihrem Unterschlupf – tot.

„Es wühlt mich auf, dass man rechtlich nichts mehr machen kann.“

Sascha Clausdeinken, Imker

„Das ist sehr bedauernswert“, sagt der Landschaftsökologe, der seit 2021 drei Bienenvölker in der Klingenstadt pflegt. Er habe das Ordnungsamt und die Untere Naturschutzbehörde über den Vorfall informiert. Letztere habe daraufhin ein Verfahren wegen des Verstoßes gegen Vorschriften des allgemeinen Naturschutzes – Schutz lebender Pflanzen – eingeleitet, heißt es auf Anfrage aus dem Rathaus. Es sei eine Verwarnung ausgesprochen worden.

Auch die Untere Umweltschutzbehörde habe sich mit dem Fall beschäftigt. Sie habe den zuständigen Pflanzenschutzdienst der Landwirtschaftskammer in Köln-Auweiler informiert. Dort sei das Verfahren im Sande verlaufen, kritisiert Clausdeinken. Ein Problem: Das Institut, an das er seine toten Bienen zur weiteren Untersuchung geschickt hatte, konnte nicht mehr feststellen, welches Mittel mutmaßlich für den Tod der Tiere ursächlich war. Eigentlich wäre das Aufgabe des Pflanzenschutzdienstes gewesen.

„Es wühlt mich auf, dass man rechtlich nichts mehr machen kann, obwohl ich alle Stellen rechtzeitig informiert habe“, sagt Clausdeinken. Sein Eindruck: Das Interesse, den Vorfall aufzuklären, habe sich in Grenzen gehalten. Zudem herrsche Verunsicherung bei vielen Solinger Imkern: Welche Vorgaben gelten für den Einsatz von Unkrautbekämpfungsmittel?

Hierzu ist Dr. Michael Klenner eine Unterscheidung wichtig. „Bei zugelassenen Herbiziden geht man nicht davon aus, dass darunter Insekten leiden“, betont der Mitarbeiter des Pflanzenschutzdienstes der Landwirtschaftskammer. Deshalb liege im konkreten Beispiel der Verdacht nahe, dass am Odentaler Weg eine andere, möglicherweise verbotene Substanz versprüht worden sein könnte.

Grundsätzlich dürfen Pflanzenschutzmittel nicht auf befestigten Wegen und Flächen zum Einsatz kommen. Sie seien lediglich auf land- oder forstwirtschaftlich sowie gärtnerisch genutzten Flächen zulässig, heißt es aus dem Rathaus. Auf Wegen, Wegrändern, Garagenzufahrten und Stellplätzen seien sie hingegen tabu. Daran ändere sich nichts, auch wenn diese Anwendungsgebiete in der Gebrauchsanweisung eines Mittels aufgeführt werden. Vielmehr können „produktspezifische Einschränkungen“ vorliegen.

Doch wie sieht es mit Hausmitteln aus? Auch für sie gelten Beschränkungen. Die Landwirtschaftskammer weist darauf hin, dass etwa Salz und unverdünnter Essig nicht auf versiegelten Flächen eingesetzt werden dürfen. Ausnahmen gelten für Essig-Wasser-Gemische. Verdünnt man Essig (10 Prozent), darf die Flüssigkeit etwa auf Wegen, Bürgersteigen und Terrassen zum Einsatz kommen. Einzelne Pflanzen dürfen mit Essig behandelt werden, wenn dieser zuvor im Verhältnis drei zu zwei mit Wasser vermischt wurde. Ansonsten rät die Kammer bei der Unkrautbekämpfung zu Abflammen, Infrarottechnik, Fugenkratzern und Drahtbesen.

Imker denkt insbesondere an wildlebende Insekten

Sascha Clausdeinken mahnt zu mehr Vorsicht beim Umgang mit Unkrautvernichtern. Dass er seine Bienen kurz nach dem Einsatz frisch gefüttert hat, habe wohl größere Verluste verhindert. Inzwischen ist er mit seinen Völkern umgezogen. Am neuen Standort hofft er auf mehr Ruhe – für Mensch und Tier. Der Imker betont: „Der Tod von 2000 Bienen ist traurig, aber die Völker werden es verkraften. Der Schutz der zahlreichen wildlebenden Insekten wie Bienen, Schwebfliegen, Wanzen, Spinnen und Falter, für die sich die Stadt Solingen an vielen Orten einsetzt, bleibt hier leider völlig auf der Strecke.“

Gerade erst freuten sich die Imker in Solingen über eine gute Honigernte. Lesen Sie dazu unseren Artikel aus dem Monat Juli.

Verstöße

Der Pflanzenschutzdienst der Landwirtschaftskammer NRW ist verantwortlich, das Gesetz zum Schutz der Kulturpflanzen in Verbindung mit der Verordnung über Anwendungsverbote für Pflanzenschutzmittel anzuwenden. Mögliche Vergehen meldet die Untere Naturschutzbehörde dorthin. Verstöße stellen Ordnungswidrigkeiten dar, die mit bis zu 50 000 Euro Bußgeld geahndet werden können.

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