Hallenneubau voraussichtlich in Solingen geplant

Weyersberg wird wohl sportliche Heimat des Bergischen HC bleiben

Der Sanierungsstau in der Klingenhalle ist so groß, dass sich eine Instandhaltung nicht mehr lohnt. In unmittelbarer Nähe soll nun eine moderne Sportstätte entstehen. Foto: Christian Beier
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Der Sanierungsstau in der Klingenhalle ist so groß, dass sich eine Instandhaltung nicht mehr lohnt. In unmittelbarer Nähe soll nun eine moderne Sportstätte entstehen.

Nach dem annähernd sicheren Ausscheiden Wuppertals bleibt offensichtlich nur die Klingenstadt als einziger anderer Kernspielort des Handball-Bundesligisten übrig.

Von Thomas Rademacher, Jürgen König und Günter Hiege

Solingen. Im Rahmen des Sommerfests, das der Bergische HC am letzten Spieltag der vorigen Saison Ende Juni gefeiert hat, ließ Geschäftsführer Jörg Föste aufhorchen. Er rechne mit einer Entscheidung im dritten Quartal, wo eine moderne Halle im Bergischen Land gebaut werde. Der 60-Jährige betonte, dass es nicht um das „Ob“ gehe, sondern nur um die Frage des Ortes. „Dass sie gebaut wird, daran zweifle ich nicht mehr“, betonte er auch im Nachgang mehrfach. Nun steht es offenbar fest: Solingen bekommt eine moderne Sportstätte.

„Wir halten uns an Absprachen und werden uns kommende Woche umfassend zum Thema Halle äußern.“

Jörg Föste, BHC-Geschäftsführer

Die Zeichen hatten sich jüngst bereits verdichtet. Aus Wuppertal war keine Entwicklung mehr zu vernehmen – was sich nach Informationen unserer Zeitung nun auch so tatsächlich so darstellt: Die Stadt wird sich nicht an einer Mehrzweck- und Event-Arena auf Wuppertaler Boden beteiligen, die auch neue Heimstätte des BHC werden soll. In einem Gespräch mit Vertretern des Vereins und der Clees-Gruppe als Eigentümer des Wicküler Parks, der als möglicher Standort untersucht wurde, soll das die Verwaltungsspitze am Montag verkündet haben. Offiziell wollte dies noch keiner der Beteiligten bestätigen. „Ich kommentiere das nicht. Wir halten uns an Absprachen und werden uns kommende Woche umfassend zum Thema Halle äußern“, sagt Jörg Föste, der darüber hinaus auf ein bald zu veröffentlichendes gemeinsames Kommuniqué der Oberbürgermeister von Solingen und Wuppertal, Tim Kurzbach (SPD) und Uwe Schneidewind (Die Grünen), verweist.

Solingen: Gutachten für den Bau der neuen Halle am Weyersberg liegt bereits vor

Letztlich bleibt durch das nun also annähernd sichere Ausscheiden Wuppertals ohnehin nur die Klingenstadt als einziger anderer Kernspielort des Handball-Bundesligisten übrig. Dass es tatsächlich dazu kommt, ist offenbar bereits beschlossene Sache. Im Sportausschuss berichtete Kirsten Olsen-Buchkremer, Geschäftsführerin der Solinger Bädergesellschaft, die die Klingenhalle betreibt, von einem massiven Sanierungsstau (Dach, Beton, Boden, Umkleiden, Duschen). Tenor: Eine Renovierung der rund 2500 Zuschauer fassenden Sportstätte lohnt sich nicht – geschweige denn ein Ausbau. Im Ausschuss war von einer Gesamtsanierung die Rede, die extrem teuer werden dürfte.

Nach ST-Informationen liegt bereits ein Gutachten für den Bau einer neuen Halle auf demselben Grundstück in unmittelbarer Nähe vor. Auf dem jetzigen Parkplatz soll eine moderne Arena entstehen, die deutlich mehr Fans als bisher Platz bietet, über Logen für VIP-Gäste verfügt, gleichzeitig aber wie die Klingenhalle auch für den Schulsport genutzt werden kann. Politisch wurde hinter den Kulissen einiges bewegt.

Zum Hintergrund: Seit vielen Jahren beklagen die Verantwortlichen des Bergischen HC das Fehlen einer modernen Sportstätte im Bergischen Land. Dies führt im Profisportbereich zu einer deutlichen Benachteiligung im Vergleich zu besser ausgestatteten Clubs. Zum einen ist eine alte ausgebaute Sporthalle für Zuschauer, geschweige denn VIP-Publikum und Partner, die nicht nur aus sportlichen, sondern auch gesellschaftlichen Gründen zum Handball gehen, nicht attraktiv. Zum anderen bieten Uni- und Klingenhalle maximal Platz für 3000 Personen, wenn bei Topspielen wie gegen den THW Kiel oder die Rhein-Neckar Löwen abseits der Corona-Pandemie deutlich mehr Menschen kommen würden.

Aus diesem Grund ist der Verein in den vergangenen Jahren für Spitzenspiele in den Dome nach Düsseldorf ausgewichen. Beliebt ist die dortige Spielstätte bei vielen Löwen-Fans allerdings ganz und gar nicht.

Klingenhalle

Im August 1973 wurde die Sportstätte am Weyersberg eröffnet und seitdem nur in Nuancen modernisiert. Eine zusätzliche Tribüne kam hinzu, das Fassungsvermögen wurde ein wenig erhöht. Die Klingenhalle ist seit Gründung des Bergischen HC 2006 eine Spielstätte des Vereins. Früher war sie auch Heimat der Vorgängervereine.

Standpunkt: Ein Meilenstein

Kommentar von Thomas Rademacher

thomas.rademacher@solinger-tageblatt.de

Die Hallenthematik begleitet den Bergischen HC nun schon seit einigen Jahren. Nach dem geplatzten Traum am Piepersberg war es eine Weile ruhig geworden. Doch eines war immer klar: Mit den besseren Turnhallen in Solingen und Wuppertal – gemeint sind Klingen- sowie Unihalle – ist eine Etablierung in der Handball-Bundesliga langfristig nicht möglich. Um nicht nur hartgesottene Sportfans anzulocken, benötigt es neben gutem Handball einfach ein wenig Luxus, ein schönes Buffet und ein Ambiente, zu dem man gerne auch Geschäftspartner einlädt. Andere Bundesligisten haben das längst. Vereine mit vergleichbaren Spielstätten wie die des BHC sind im Oberhaus an einer Hand abzuzählen. Der selektive Umzug nach Düsseldorf ist eine gute, wenn auch umstrittene Zwischenlösung. Aber die darf eben nicht von Dauer sein. Dass die neue Arena nun wohl am Weyersberg errichtet werden soll, ist ein Meilenstein – und freilich eine tolle Nachricht für alle BHC-Fans. Bleibt zu hoffen, dass auch Wuppertal im Boot bleibt, denn der gemeinschaftliche Weg ist auch ein Geheimnis des BHC-Erfolgs.

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