Schüler-Jury

Betty-Reis-Buchpreis geht an Kölner Autor

Frank Maria Reifenberg ist der erste Träger des Betty-Reis-Buchpreises. Zwölf Schülerinnen und Schüler der damaligen 9. Klassen der Geschwister-Scholl- Gesamtschule saßen in der Jury. Foto: Stefanie Leo
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Frank Maria Reifenberg ist der erste Träger des Betty-Reis-Buchpreises. Zwölf Schülerinnen und Schüler der damaligen 9. Klassen der Geschwister-Scholl- Gesamtschule saßen in der Jury.

Frank Maria Reifenberg erzählt die Geschichte der Verfolgung junger Edelweißpiraten in der NS-Zeit.

Von Philipp Müller

Solingen. Der Preisträger des ersten Betty-Reis-Buchpreises ist der in Köln lebende Autor Frank Maria Reifenberg. Für sein Werk „Wo die Freiheit wächst“ wird er am 10. Dezember in der Aula der Geschwister-Scholl-Schule ausgezeichnet – lässt es die Corona-Lage dann zu. Das Buch ist ein Briefroman zum Widerstand der jungen Edelweißpiraten gegen das Dritte Reich, das arsEdition vertreibt.

Die Jury für den Preis war ganz jung. „Anfang November 2019 trafen sich das erste Mal im Lesecafé der Geschwister-Scholl-Gesamtschule zwölf Schüler der damaligen 9. Klassen,“ berichtet Stefanie Leo, die für die Betty-Reis-Gesellschaft das Projekt begleitete und mit der Schüler-Jury den Preisträger zuletzt in Köln besucht hatte. Leo hatte auch den Kontakt zur Gesamtschule hergestellt.

Die Betty-Reis-Gesellschaft hatte sich im Mai 2017 gegründet. Sie erinnert an eins der vielen Schicksale während der Nazizeit. Als 17-jährige kam Betty Reis nach Solingen, arbeitete zunächst im Haushalt der Fabrikantenfamilie Bremshey. Später war sie als Kindermädchen für den jüdischen Möbelhändler Sally Tabak in Solingen tätig. Verbindung in die Klingenstadt hatte sie schon vorher über ihre Mutter. Deren Cousin betrieb die Eisenwarenhandlung Hertz an der Bahnstraße in Ohligs. In der Pogromnacht am 9. November 1938 wurde Reis von der Gestapo verhaftet. Die Bremsheys konnten sie dort durch gutes Zureden befreien. Aber das Schicksal ließ sich nicht aufhalten. Reis wurde im November 1944 ins Konzentrationslager Bergen-Belsen deportiert. Wann sie dort genau ermordet wurde, ist bis heute unbekannt.

Diese Geschichten der verfolgten und verfemten Menschen in der Nazizeit habe den Ausschlag gegeben, einen Buchpreis auszuloben, erklärt der Vorsitzende der Gesellschaft, Olaf Link. Er sagt, dass es auch 2021 einen Buchpreisgeben werde, dann für ein Kinderbuch. Die Jury würde dazu Kinder aus der Grundschule Bogenstraße stellen.

Zum weiteren Ablauf der Jury-Tätigkeit 2020 berichtet Stefanie Leo, dass es am Ende eine Shortlist mit drei Büchern gegeben hätte. „Anfang Juni fand schließlich die finale Jurysitzung statt.“ Dabei hätten die Schüler gestalterische und inhaltliche Punkte beurteilt.

Ebenso wichtig seien für den Betty-Reis-Buchpreis die Themen interkulturelle oder interreligiöse Begegnung, Toleranz und Solidarität, Abbau von Ängsten und Feindbildern, Förderung von gemeinsamen Werten und ethisches Handeln entscheidend gewesen. Es habe aber dann doch ein „zähes Ringen“ um den ersten Preisträger gegeben.

„Menschen müssen Kultur schaffen und Kultur erleben.“

Frank Maria Reifenberg, Autor

Der freute sich dann vergangenen Woche über Besuch aus Köln. Reifenberg erzählt auf seiner Homepage, dass dies sein erster „Auftritt“ in der Coronazeit gewesen sei. Das sei schon sehr speziell gewesen, vor den jungen Solingern aus seinem Buch zu lesen.

Mit den Schülern besuchte er auch die frühere Kölner Gestapo-Zentrale im El-De-Haus, in dem sich ein NS-Dokumentationszentrum befindet. Abschließend bewertet der Autor den Tag: „Menschen müssen Kultur schaffen und Kultur erleben.“

Gesellschaft

Die Betty-Reis-Gesellschaft will an ihr Schicksal erinnern und durch den Betty-Reis-Buchpreis dafür Sorge tragen, dass Kindern und Jugendlichen Menschlichkeit, Toleranz und Respekt vermittelt werden, um unsere Gesellschaft vor extremistischen und menschenfeindlichen Entwicklungen zu schützen.

https://betty-reis-gesellschaft.de

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