Noch gibt es offene Fragen

Betriebsärzte in Solingen bereiten sich aufs Impfen vor

Die Vorbereitungen laufen.
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Die Vorbereitungen laufen.

Impfungen in Unternehmen sollen im Juni starten.

Solingen. Ein neues Thema ist Impfen für das Solinger Werksarztzentrum nicht. Rund 1000 Beschäftigte Solinger Unternehmen immunisieren Dr. Jochen Peters und seine Kollegen jährlich gegen die Grippe. Diese Erfahrung möchte der Mediziner nun auch in die Corona-Impfkampagne einbringen. Ab Juni sollen die Betriebsärzte einsteigen. Die Vorbereitungen dafür laufen. Doch noch gibt es einige ungeklärte Fragen.

Solingen: Einrichtung betreut mehr als 150 Unternehmen mit rund 10.000 Mitarbeitern

Das Werksarztzentrum ist seit 1978 beim Arbeitgeberverband Solingen an der Neuenhofer Straße ansässig (siehe unten). Die Einrichtung betreut mehr als 150 Unternehmen mit rund 10.000 Mitarbeitern. Der Schwerpunkt liegt auf der Metall- und Elektroindustrie. Für 20 bis 30 Prozent der Beschäftigten komme eine Corona-Impfung über das Werksarztzentrum infrage, schätzt Peters. Der Rest habe das Vakzin bereits auf anderem Wege erhalten – oder kein Interesse an einer Impfung. Die verbleibenden bis zu 3000 Mitarbeiter könne man theoretisch innerhalb von zwei bis drei Wochen impfen, läuft alles nach Plan.

„Wir stehen im Kontakt mit den Unternehmen und könnten prinzipiell sofort loslegen“, betont Jochen Peters. An der Zusammenarbeit mit den Betrieben und der Motivation der Mediziner, beispielsweise auch an Wochenenden zu impfen, scheitere es nicht. Einzig es fehlt der Impfstoff. Wann der genau kommt, steht noch nicht fest. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat mindestens 500.000 Dosen pro Woche in Aussicht gestellt. Losgehen soll es spätestens am 7. Juni

„Wir stehen im Kontakt mit den Unternehmen und könnten prinzipiell sofort loslegen.“

Dr. Jochen Peters, Werksarztzentrum Solingen

Ob dieser Termin tatsächlich eingehalten wird, vermag Peters nicht zu sagen. Er hat bei der Apotheke, die das Werksarztzentrum auch mit anderen Impfstoffen beliefert, Bedarf angemeldet. Fixe Bestellungen seien noch nicht möglich. Nicht die einzige Unsicherheit. Noch nicht endgültig geklärt sind beispielsweise Haftungsfragen. Offen ist zudem, welchen Impfstoff die Betriebsärzte erhalten. Diese Frage hat wegen der unterschiedlichen Beschaffenheit der Vakzine Einfluss auf die Organisation der Impfungen. „Mit robusteren Impfstoffen wie Astrazeneca oder Johnson & Johnson ist das weniger kompliziert als zum Beispiel mit Biontech/Pfizer“, erklärt der Mediziner.

Jochen Peters Idealvorstellung ist, mit mobilen Teams in die Betriebe zu fahren. Dort bräuchte es die räumlichen Möglichkeiten, um die Mitarbeiter zu empfangen, ihre Daten aufzunehmen, sie aufzuklären und zu impfen. Zudem wird ein Ort benötigt, an dem sie sich nach der Impfung noch einige Minuten zur Kontrolle aufhalten können. Eine denkbare Alternative zum Impfen in den Betrieben sei es, auf bestehende Infrastruktur zurückzugreifen – etwa im Impfzentrum oder in Kliniken.

Nicht nur im Werksarztzentrum, sondern auch in Betrieben mit eigenen Betriebsärzten oder externen Dienstleistern beschäftigt man sich mit der Corona-Impfung. Das zeigen ST-Anfragen bei großen Solinger Arbeitgebern. Hohe Priorität genießt das Thema zum Beispiel bei Haribo. „Ähnlich wie bei der Grippeschutzimpfung werden wir unseren Mitarbeitenden eine Corona-Schutzimpfung anbieten, sobald dies möglich ist und der Impfstoff dafür bereitsteht. Wir halten uns diesbezüglich an die Regularien und Vorgaben der Bundesregierung sowie der Länder und bereiten uns gerade entsprechend vor“, teilt das Unternehmen mit. Ein internes Präventionsteam erarbeite eine Strategie, um den 3000 Haribo-Mitarbeitern in Deutschland eine Impfung anzubieten.

Auch der Automobilzulieferer BIA plant, seiner Belegschaft ein Impfangebot durch die Betriebsärztin zu machen. Bezüglich des Ablaufs gebe es allerdings noch einige Unklarheiten, erklärt Marketing-Leiter Vincent Domscheit. Diese betreffen unter anderem die Priorisierung innerhalb des Unternehmens. Ähnliche Auskünfte gibt es vom Schneidwarenhersteller Zwilling. Denn es wird nicht von Beginn an ausreichend Impfstoff für alle Mitarbeiter geben, macht Jochen Peters deutlich.

Unabhängig davon rüstet sich BIA für den Start der Immunisierungen im Unternehmen: „Was wir jetzt im Vorfeld bereits tun, ist die benötigten Räumlichkeiten vorzubereiten und bei unseren Mitarbeitern für das Impfen zu werben.“

Werksarztzentrum

Solinger Unternehmer gründeten das Werksarztzentrum 1972 als eingetragenen Verein. Laut der Vereinigung Bergischer Unternehmerverbände versechsfachte sich die Zahl der Mitglieder bis 1977 von 10 auf 60. Heute betreut das Werksarztzentrum, das seit 1978 beim Arbeitgeberverband Solingen an der Neuenhofer Straße ansässig ist, mehr als 150 Unternehmen mit etwa 10.000 Beschäftigten.

Standpunkt: Modell der Zukunft

Von Manuel Böhnke

manuel.boehnke@solinger-tageblatt.de

Die Impfkampagne hat Fahrt aufgenommen. Nachdem es zu Beginn des Jahres berechtigte Kritik am Impftempo gab, drückt Deutschland inzwischen aufs Gas. Mit 1,35 Millionen verabreichten Dosen an einem Tag wurde in der vergangenen Woche ein neuer Rekord aufgestellt. Stück für Stück nähert sich die Quote der Erstimpfungen der Marke von 50 Prozent. Dass voraussichtlich ab der zweiten Juni-Woche auch die Betriebsärzte in die Impfkampagne einbezogen werden, verspricht einen neuerlichen Schub. Und für viele Arbeitnehmer in Solingen endlich Aussicht auf den langersehnten Impftermin. Dass es zum Ablauf noch einige offene Fragen gibt, liegt in der Natur der Sache. Nichtsdestotrotz ist das Impfen in den Betrieben ein Modell mit Zukunft. Denn viel deutet darauf hin, dass regelmäßige Auffrischungen der Corona-Immunisierung nötig sein werden. Dass die Betriebs- die Hausärzte dabei unterstützen können, wenn Impfzentren längst wieder abgebaut sind, beweisen sie bei der jährlichen Grippeschutzimpfung. Ein großer Vorteil: Die Arbeitsmediziner erreichen in den Unternehmen leichter Menschen, die den Weg zum Arzt normalerweise scheuen.

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