Corona und andere Viren

Bethanien: So viele Patienten wie nie

Prof. Winfried J. Randerath rät weiter zu Vorsicht.
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Prof. Winfried J. Randerath rät weiter zu Vorsicht.

Prof. Randerath spricht über das „Ende der Pandemie“. Corona und andere Viren bestimmen nach wie vor den Krankenhausalltag. Deswegen rät der Experte, weiterhin eine Maske zu tragen.

Von Björn Boch

Solingen. Die Lungenfachklinik Bethanien in Aufderhöhe hat in den Monaten Oktober, November und Dezember so viele Patientinnen und Patienten behandelt wie nie zuvor. Das berichtet Chefarzt Prof. Winfried J. Randerath auf Anfrage. Es betreffe fast alle Krankenhäuser in der ganzen Region. Politische Diskussionen über ein Ende aller Corona-Beschränkungen erscheinen ihm angesichts der aktuellen Lage daher „wenig rational“.

Es gebe, so Randerath, ohnehin kaum noch Vorschriften. Und zur hohen Zahl der Patienten kämen viele Ausfälle beim Personal. Es sei daher richtig, in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen an der Maskenpflicht festzuhalten. „Es ist, wie Gesundheitsminister Karl Lauterbach gesagt hat: Ein paar Wochen mehr tun nicht weh.“ Das gelte gerade mit Blick auf andere Krankheiten wie RS-Virus oder Influenza. „Masken bieten einen gewissen Schutz gegen alle diese Viren.“

Es sei wichtig zu verhindern, dass Viren von außen in das Krankenhaus eingeschleppt werden. Wer auch bei anderen Gelegenheiten eine Maske trage, sorge für weniger Belastung in den Kliniken und weniger Risiko für seine eigene Umgebung.

„Die Grundversorgung sollte möglichst fern von wirtschaftlichem Denken sein.“

Prof. Winfried J. Randerath

Am Tag vor Weihnachten hatte die Stadt gemeldet, dass 76 Solingerinnen und Solinger in den Kliniken mit oder wegen Corona stationär behandelt werden, neuere Zahlen gibt es nicht. Dazu kommen, vor allem in Bethanien, Patienten mit Wohnsitz außerhalb der Klingenstadt. „Bei uns sind konstant 20 bis 30 Patienten wegen Corona im Krankenhaus“, berichtet Randerath. Patienten in den anderen Solinger Kliniken hätten zwar Covid-19, was für hohen Arbeitsaufwand sorgt, müssten aber meist aufgrund anderer Ursachen behandelt werden.

Randerath warnt davor, das „Ende der Pandemie“ fälschlicherweise als das Ende von SARS-CoV-2 zu deuten. „Das Virus ist da und wird immer weiter Menschen anstecken. Es wird aber wohl keine so gewaltigen Explosionen bei den Fallzahlen mehr geben. Wir reden also eher über Statistik als über die Krankheit.“

Es sei der natürliche Ablauf einer Pandemie, dass sie anfangs in Wellen verläuft, die irgendwann enden. „Das liegt daran, dass inzwischen viele Kontakt mit dem Virus hatten und eine gewisse Immunität besitzen. Das Virus trifft auf weniger komplett ungeschützte Menschen, weil immer mehr es durchgemacht haben oder geimpft sind.“ Das Risiko eines schlimmen Krankheitsverlaufes sei seltener. Dazu hätten die mildere Omikron-Variante, Impfungen, aber auch Medikamente für Risikogruppen wie Remdesivir oder Paxlovid beigetragen. „Vor allem Ungeschützte werden aber weiter erkranken, wenn auch nicht mehr mit dieser Häufigkeit und Belastung“, so Randerath.

Covid-19 werde in einigen Monaten eher so auftreten wie andere Viren: gehäuft zu bestimmten Zeiten, etwa wie die Grippe im Winter oder Rhinoviren im September nach Schulbeginn. „Auch an der Influenza erkranken jedes Jahr viele, manchmal schwer und mit tödlichem Ausgang.“

Randerath rechnet daher damit, dass Krankenhäuser weiter an ihre Belastungsgrenze oder darüber hinaus gehen müssen – so wie in diesen Tagen. „Wir hoffen, dass wir die Spitze der Patientenzahlen bald erreicht haben. Wir müssen noch einige Wochen durchhalten.“

Die Pandemie habe gezeigt, wie wichtig gute Gesundheitsversorgung ist. „Und zwar möglichst eine, die fern ist von wirtschaftlichem Denken. Der Ansatz, eine Grundversorgung sicherzustellen und vorzuhalten, ist sicher nachvollziehbarer geworden.“ Das erfordere einen gesellschaftlichen Konsens bei der Frage, „wie viel wir bereit sind, dafür aufzubringen“. Im nächsten Herbst und Winter würden die Kliniken, wenn auch wohl aufgrund anderer Viren als Corona, in eine ähnliche Situation kommen.

Covid-19 beschäftigt Bethanien ohnehin weiter. Seit Oktober 2021 hat die Lungenfachklinik gemeinsam mit Neurologe Dr. Ulrich Bock vom Städtischen Klinikum eine Post-Covid-Ambulanz. Die Zusammenarbeit auch mit niedergelassenen Ärzten sei gut, die Nachfrage überregional und hoch. „Wir haben teils monatelange Wartezeiten“, so Randerath. Bei vielen könne schnell Entwarnung gegeben werden, was langwierige Erkrankungen von Herz und Lunge angehe. Aber: „Viele leiden darunter, dass sie ihre Leistungsfähigkeit nicht zurückgewinnen. Wir helfen mit Medikamenten, Reha und Begleitung. Meist verbessert es sich, aber es braucht Zeit.“

Maske und Test

Mit der neuen Corona-Schutzverordnung gilt weiter eine Maskenpflicht in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen – für Besucher und Personal. Die Pflicht zu einem Bürgertest vor dem Besuch ist allerdings entfallen. Es reicht aus, sich zu Hause selbst zu testen und der Einrichtung auf Nachfrage mündlich zu versichern, dass der Test negativ war.

Standpunkt von Björn Boch: Raus aus der Schublade

bjoern.boch@solinger-tageblatt.de

Natürlich hat die Aussage vom „Ende der Pandemie“ durch Christian Drosten und andere vor wenigen Tagen für Aufsehen gesorgt. Ebenso wie kurz darauf der Ruf nach dem „Ende aller Maßnahmen“, obwohl es kaum noch welche gibt.

Angesichts der konstant angespannten Lage in den Kliniken sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, weiterhin eine Maske im Krankenhaus zu tragen, um andere vor den eigenen Viren zu schützen. Die hohen Patientenzahlen in vielen Häusern zeigen, wie notwendig das ist. Wenn im Frühjahr dann wirklich alle Maßnahmen enden können, umso besser.

Langfristig gesehen könnte Corona die Antwort auf die Frage, was uns unser Gesundheitssystem kosten soll und darf, in eine andere Richtung gelenkt haben. Sofern das Minus am Ende nicht zu hoch ausfällt. Und nicht wieder alles vergessen wird. Die Erfahrungen aus der Pandemie müssen präsent bleiben. Bereits vor Covid-19 gab es gute Pläne in den Schubladen – nur wurden sie dort vergessen. Das darf nicht wieder passieren.

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