4000 Tests

Coronavirus: Bethanien betreut große Altenheimstudie

Das Wissenschaftliche Institut in Bethanien betreut Studie.
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In Bethanien betreut das Wissenschaftliche Institut die Studie.

4000 Tests in 30 Senioreneinrichtungen sollen Corona-Infektionsverläufe aufklären.

  • Zum Jahresende soll es belastbare Ergebnisse der Studie geben.
  • Daten helfen, Übertragungswege nachzuvollziehen.
  • Kosten für die Corona-Tests trägt die Stadt Solingen.

Von Philipp Müller

Solingen. Wie verlaufen mögliche Infektionsketten mit dem Coronavirus in Altenheimen? Greifen dabei die getroffenen Hygiene-Maßnahmen in den Einrichtungen? Das sind zwei Fragen, auf die der Oberarzt Simon Dominik Herkenrath der Lungenfachklinik Bethanien Antworten über die seit vergangener Woche laufende Studie in 30 Solinger Senioreneinrichtungen erwartet. Ausgewertet werden 4000 Tests auf das Coronavirus im Wissenschaftlichen Institut Bethanien. Mit ersten belastbaren Ergebnissen rechnet der Mediziner zum Jahresende.

Die Stadt Solingen hatte die Studie als gemeinsames Projekt von Stadt und Bethanien in der vergangenen Woche bekanntgegeben. Rund sieben Wochen soll das Sammeln von Nasen-Rachen-Abstrichen dauern. Die Tests nehmen die dafür ausgebildeten Mitarbeiter des Solinger Gesundheitsamts vor. Zunächst standen zwei Heime der Kplus-Gruppe auf der Testliste. Die Ergebnisse seien alle negativ gewesen, berichtete Kplus-Sprecherin Cerstin Tschirner gestern Vormittag.

Das freut auch den Arzt Herkenrath. Laufe das bei allen Testreihen in den kommenden Wochen so, werde die Studie kein Ergebnis in Bezug auf die genannten Fragen haben. Das sei dann auch ein Ergebnis. Doch zwei Ausbrüche mit Sars-CoV-2 in Heimen ließen einen anderen Schluss zu. „Es würde mich daher wundern, wenn alle negativ getestet würden.“

„Wir wissen immer noch nicht genau, wie die Übertragungswege genau verlaufen.“

Simon Dominik Herkenrath, Oberarzt in Bethanien

Daher sei die Studie auch so wichtig. „Wir wissen immer noch nicht genau, wie die Übertragungswege genau verlaufen“, erklärt er. Da werde die Auswertung der Daten helfen. Ebenfalls zeige sich kein gleichmäßiger Krankheitsverlauf. Manche Infizierte würden sterben, andere nicht einmal Symptome zeigen. Letztere Gruppe stehe dann in der Studie besonders unter Beobachtung. Es soll sich zeigen, ob und wie diese Infizierten das Virus weitertragen. Dies vor dem Hintergrund, dass die Bewohner der Alteneinrichtungen eine besondere Risikogruppe darstellten. Bei der Analyse der Daten werde sich zeigen, wie es zu einem Ausbruch komme und welche Rolle unwissentlich Infizierte bei der Übertragung spielen. Das lasse Rückschlüsse auf das Funktionieren der Hygiene-Maßnahmen zu.

Coronavirus: Untergruppe wird ein halbes Jahr lang getestet

Das Wissenschaftliche Institut stelle bei der Studie die Arbeit für die Auswertung der Daten aus den Tests und deren wissenschaftliche Bewertung zur Verfügung. Die Kosten für die Tests selbst trage die Stadt, die sich gewünscht habe, die Abstriche in allen Senioreneinrichtungen zu machen, erläutert Herkenrath.

Für die Stadt erklärt Sprecherin Sabine Rische, dass die hohen Kosten pro Test aus der Anfangszeit der Corona-Pandemie überholt seien. „Die Laborkosten wurden inzwischen von knapp 60 Euro auf 39,40 Euro gesenkt. Im Rahmen der Reihentestungen werden sie von den Krankenkassen übernommen.“

Wie hoch die verbleibenden Personalkosten sind, könne die Stadt derzeit noch nicht sagen. Getestet werde per Rachenabstrich die Infektion. „Ein Test auf Antikörper ist nach derzeitigem wissenschaftlichen Stand nicht aussagekräftig und wird deshalb auch nicht gemacht“, sagt Sabine Rische.

Herkenrath ergänzt, dass es eine Untergruppe in einem Heim gebe, die ein halbes Jahr lang getestet werde, um neben den Augenblickszahlen vergleichende, langfristige Ergebnisse zu erhalten. Deren Ergebnisse sollen zu Beginn von 2021 ausgewertet sein, die der Reihentests zum Jahresende. Die Tests liefen freiwillig. Das Institut erhalte nur Zahlen, um die Tests auszuwerten. Die Namen wisse für den Fall eines positiven Tests nur das Gesundheitsamt, um zu reagieren. 

Corona fordert elftes Todesopfer

Todesopfer: Wie die Stadt gestern bekanntgab, ist in der Lukas-Klinik ein 81-Jähriger an den Folgen der Corona-Erkrankung Covid-19 gestorben. Damit erhöht sich die Zahl der Solinger Todesopfer auf bislang elf.

Aktuelle Zahlen: Steigende Tendenzen haben sich bei den Corona-Zahlen über das vergangene Wochenende gezeigt, wie die Stadt berichtet: Insgesamt wurden seit Ausbruch der Pandemie in Solingen bisher 325 bestätigte Fälle gemeldet. Aktuell sind 26 Personen in der Klingenstadt nachgewiesen infiziert. Zwölf davon werden derzeit stationär im Krankenhaus behandelt, die übrigen ambulant. Von den 325 bisherigen Fällen gelten 288 Menschen als wieder genesen. In Quarantäne befinden sich derzeit insgesamt 126 Personen in Solingen, 2186 konnten sie wieder beenden.

Studie: Die getesteten Senioren und Mitarbeiter aus den Häusern St. Joseph Altenheim und St. Lukas Pflegeheim der Kplus-Gruppe weisen keine Infektion auf.

Altenheim: Solinger DRK ist an Reihentests beteiligt. Zwei Teams waren bei Senvital und im St. Lukas Pflegeheim im Einsatz.

In unserem Live-Blog finden Sie aktuelle Informationen zu Entwicklungen rund um das Coronavirus in Solingen.

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Standpunkt: Wissenschaft ist wichtig

philipp.mueller@solinger-tageblatt.de

Von Philipp Müller

Die Studie in den Solinger Senioreneinrichtungen zu Übertragungswegen des Coronavirus ist gestartet. Das ist wichtig. Denn die Wissenschaft steht erst noch ganz am Anfang, was Sars-CoV-2 tatsächlich bedeutet. Die Meldungen mehren sich, dass die durch das Virus ausgelöste Krankheit Covid-19 zu Langzeitschäden der Lunge und anderer Organe führen kann. Sicher, nicht alle erkranken – warum, das weiß man auch noch nicht so genau. 

Um den Forschern Zeit für solche Erkenntnisse zu bieten, ist es gut, sich jetzt der Phase zwei der Pandemie-Bekämpfung zu widmen. Und die kann nur lauten: Infektionen möglichst schnell erkennen, Übertragungswege versperren. In Bethanien gibt es dazu ein wissenschaftliches Institut, dass das auf lokaler Ebene fundiert angehen wird. Die Lungenfachklinik hat in Solingen in Sachen Corona „den Hut auf“. Gut, dass wir solche Spezialisten haben. Mancher mag einwenden, das koste zu viel Geld. Aber wissenschaftliche Grundlagenforschung schafft der Gesellschaft und Wirtschaft erst die Luft für dringende, neue Corona-Freiheiten.

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