3-D-Film

Besucher verfolgen auf 360-Grad-Stühlen tänzerisches Können

kinesphere Ein Mensch-Maschine-Tanzabend in 360 Grad, Konzertfoyer Theater
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kinesphere Ein Mensch-Maschine-Tanzabend in 360 Grad, Konzertfoyer Theater

Das Ballett „Kinesphere“ des Stadttheaters Augsburg zeigte eine virtuelle Inszenierung.

Von Jutta Schreiber-Lenz

Solingen. Statt des großen Pina-Bausch-Saals mit Frontalbühne, gab es im oberen Foyer 360-Grad-Drehstühle für die Besucher und VR-Brillen. Zwölf Kulturinteressierte, hauptsächlich Mitarbeiter des Kulturmanagements und des Kulturausschusses, allen voran Dezernentin Dagmar Becker, waren gespannt auf die „schöne neue Welt“ des Theaters, die das Staatstheater Augsburg während der Lockdownzeit entwickelt hat.

Mit „Kinesphere“, einer Tanzperformance, die der Frage nachgeht, wie viel Beziehung zwischen Mensch und Maschine möglich ist, nahmen die Macher dieses digitalen Formats mit in eine 3-D-Erlebniswelt, in der jeder Zuschauer individuell das sah, was er mittels Kopf- oder Drehstuhl-Bewegung sehen wollte: ob zum Beispiel die Tänzergruppe oben links, das sich gleichzeitig formierende Pas de deux unten rechts oder den auf seine Weise tanzenden Roboter auf der anderen Seite der Halle, in der der 3-D-Film gedreht worden war. „Das Kollektiverlebnis eines Theater-Besuchs fällt weg“, räumte Benjamin Seuffert aus Augsburg ein, Mit-Entwickler dieses Stückes, der im Anschluss an die Performance für ein Gespräch mit den Zuschauern und Zuschauerinnen zur Verfügung stand. „Statt alles live zu erleben, sieht man ein zuvor gedrehtes Video“.

Sein Theater erkenne die revolutionäre gesellschaftliche Entwicklung hin zu einer digitalen Welt und habe sich aufgemacht, diese auch in der Kultur abzubilden, sagte er. Allerdings sei man an Grenzen gestoßen, die man nicht überschreiten wolle. „Wir glauben nicht, dass die VR-Welt die echte ablösen kann, sondern fügen sie dem analogen Theater als Bereicherung zu.“ Länger als die mit „Kinesphere“ angebotene halbe Stunde dürfe so etwas zudem nicht dauern, dafür sei das visuelle Erlebnis zu unmittelbar und zu dicht.

Als „spannend und bereichernd“ bezeichneten im Anschluss die Zuschauer im Foyer dieses VR-Erlebnis. „Diese Art Technik bietet zum Beispiel Menschen, die ihr Zuhause nicht verlassen können, die Gelegenheit, Kunst zu erleben“, sagte Sonja Baumhauer, Kopf des Kulturmanagements. Aber: „Ein Ersatz für einen klassischen Theaterabend, der neben der Kunst auch Begegnung mit anderen Menschen bedeutet und auch durch den direkten Austausch zwischen Bühne und Publikum lebt, kann die virtuelle Welt nicht sein“, war allgemeiner Tenor.

Am Staatstheater Augsburg habe man gute Erfahrungen mit neuen hybriden Inszenierungen gemacht, berichtete Seuffert. „Manche Szenen von ‚Orpheo und Eurydike‘, die sehr viel Aufwand auf der Bühne bedeutet haben, wurden zum Beispiel per VR-Brille zur Verfügung gestellt.“ Die hatte jeder im Auditorium unter seinem Sitz liegen und tauchte für ein paar Minuten in die digitalen Bilder ein, bevor es dann analog weiterging.

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