Besucher stürmten das Monopol-Kino

1000 Besucher fanden im großen Saal des Monopol-Kinos am Neumarkt Platz. Die Ära endete mit der Sprengung am 19. März 1958. Fotos: Stadtarchiv
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1000 Besucher fanden im großen Saal des Monopol-Kinos am Neumarkt Platz. Die Ära endete mit der Sprengung.

Solingens erstes Großbauprojekt nach dem Krieg war ein Filmpalast

Von Andreas Erdmann

Vor 70 Jahren, zur Glanzzeit des deutschen Kinos, wurde das Monopol-Kino als eines der größten Lichtspielhäuser Westdeutschlands in Solingen eröffnet. Mehrere tausend Solinger, darunter Oberbürgermeister Eugen Maurer (SPD), und viele Gäste von außerhalb strömten am 20. Juli 1950 zu dem Festakt am Neumarkt.

Das markante Filmtheater stand – eingerückt, mit dem Haupteingang zur Kölner Straße – an der Stelle, wo sich heute das Hofgarten-Einkaufszentrum befindet. Bis zu 1000 Besuchern konnte das Monopol-Kino Platz bieten. Seine Ausstattung war für die damalige Zeit hochmodern; so sorgten die neuesten Geräte der Licht- und Tontechnik mit drei Projektoren für den perfekten Filmgenuss. Auch die Klimaanlage war auf dem neuesten Stand, und der Kinosaal verfügte über eine indirekte Beleuchtung. Sämtliche Sitzplätze waren gepolstert. In den Parkettlogen waren sogar Plätze für schwerhörige Kinobesucher angebracht.

„Zu schade für Solingen. Es hätte nach Düsseldorf gehört, wo ein solches Theater kaum vorhanden ist.“ „Stattdessen hätte man eher Wohnungen bauen sollen“, so bemerkten kritische Stimmen bei der Eröffnung. In Solingen herrschte damals große Wohnungsnot, und die Stadt war schon sehr gut mit Kinos versorgt. Errichtet worden war das Monopol-Kino ab August 1949 an dem früheren Standort des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Hotels und Lichtspielhauses Monopol, dessen Namen es übernahm. Es war das erste große Neubauprojekt der Innenstadt nach dem Krieg. Wilhelm Schneider von der Düsseldorfer Firma Filmverleih Schneider als Bauherr hatte den Solinger Architekten F. W. Frisch mit der Planung des Repräsentativbauwerks beauftragt, das „Solingen mit großstädtischem Flair bereichern“ sollte. Schneider betrieb das Kino zusammen mit seiner Frau. Später übergab er die Geschäftsführung an seinen Sohn Günther.

Drafi Deutscher und die Rattles gaben dort Konzerte

15 Jahre lang verzeichnete das Monopol hohe Besucherzahlen. Hier liefen die großen Nachkriegsfilme und Publikumsmagneten wie „Große Freiheit Nr. 7“ mit Hans Albers, „Die Csárdásfürstin“ mit Marika Rökk und Johannes Heesters, „Der Förster aus dem Silberwald“ mit Rudolf Lenz, „Gräfin Mariza“ und „Die Halbstarken“. Sonntagmorgens gab es Kindervorstellungen.

Darüber hinaus war das Kino Schauplatz für Kleinkunst, Konzert- und Sportveranstaltungen.

Entertainer Peter Frankenfeld trat dort auf. Manuela, Conny Froboess, Drafi Deutscher und die Rattles gaben vielbesuchte Konzerte. Mitte der 1960er Jahre, mit dem massenhaften Aufkommen von Fernsehgeräten, nahm die Zahl der Besucher zunehmend ab. Längst galt der einstige Kinopalast als „Schandfleck von Solingen“.

Denn das weitere Umfeld des Gebäudes lag immer noch brach – jedwede Bebauungsvorhaben der Stadt waren an den Interessen der Grundstückbesitzer gescheitert. Letztlich gaben die Schneiders ihr Grundstück zum Verkauf frei.

Dies kam der BP-Grundstücks-Entwicklungsgesellschaft mit dem Solinger Architekten Kurt Baden gerade recht. Sie planten den Bau des Einkaufszentrums Solingen-City (ESC). Dieses sollte ein Warenhaus mit über 10 000 Quadratmetern Verkaufsfläche fassen, dazu ein 13-geschossiges Hochhaus mit Hotel, Büros und Wohnungen, Parkhaus und unterirdischer Ladenpassage. In der Passage war ein neues, weitaus kleineres Monopol-Kino unter Führung von Günther Schneider vorgesehen. Am 18. Februar 1968 gab das alte Kino seine letzte Vorstellung mit dem bezeichnenden Filmtitel „Der Tod ritt dienstags“. Am Dienstag, den 19. März um 10.04 Uhr, wurden dann 130 Kilogramm Sprengstoff gezündet, die den Bau zu einem riesigen Schuttberg zusammensacken ließen. Zwei Monate später, am 28. Mai, erfolgte die Grundsteinlegung für das ESC mit dem Karstadt-Warenhaus als zentralem Mieter, welches das Stadtbild völlig verändern sollte.

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