Mitmachprogramm

Besucher lernen jede Menge über Äpfel

Beim Apfelfest im Industriemuseum in Merscheid wurden auch die Äpfel aus den Bäumen auf dem Museumsgelände abgeerntet. Dazu gab es viel Wissenswertes rund um das Obst.
+
Beim Apfelfest im Industriemuseum in Merscheid wurden auch die Äpfel aus den Bäumen auf dem Museumsgelände abgeerntet. Dazu gab es viel Wissenswertes rund um das Obst.

Industriemuseum: Mitmachprogramm im Garten bei Hendrichs.

Von Holger Hoeck

Dem fünfjährigen Frederik fiel die Entscheidung wahrlich nicht leicht, die unterschiedlich großen und schweren Äpfel auszuwählen, die anschließend den Weg auf die Waage finden sollten. „Wie viele Äpfel ergeben ein Kilogramm?“ hieß die Aufgabe, die er während der Gartenrallye an dieser Station zu lösen hatte. Schließlich schnappte er sich fünf Äpfel und kam dem erwünschten Gewicht sehr nahe. „Das hast du gut gemacht“, wurde der glückliche Junge danach von der Standbetreuerin gelobt.

Das Gartengelände des LVR-Industriemuseums Gesenkschmiede Hendrichs in Merscheid wurde anlässlich des diesjährigen Apfelfestes, das in Kooperation mit der Biologischen Station Mittlere Wupper nach der positiven Resonanz im vergangenen Premierenjahr auch diesmal wieder mehrere Hundert Besucher anlockte, ohnehin zur bunten Aktions- und Spielfläche für die jüngeren Gäste.

„Heute sind alte Gartenspiele wie Sackhüpfen, Stelzengang auf Dosen oder Blotschenrennen ebenso dabei wie die Gartenrallye, bei der an verschiedenen Ständen kleine Herausforderungen warten. Besonders spannend ist etwa das Schätzen des Gewichts eines Sacks Äpfel mit bloßem Auge“, erklärt Niko Pankop, wissenschaftlicher Referent des gastgebenden Museums.

Während der Nachwuchs auch fleißig Apfelringe in Eigenarbeit entwarf, bestaunten Familien das umfangreiche Apfelsortiment, das über drei Tische und in über 50 Körben präsentiert wurde. „Also von einer roten Sternrenette hab ich noch nie gehört“, gestand Uwe Loog aus Ohligs seinen Kindern, konnte ihnen aber mit kurzen Informationen zum Geschmack der weißen Winterglockenäpfel und der Goldparmäne weiterhelfen. Nach der Teilnahme an der Wildkräuterführung durch Pia Kambergs, stellvertretende Geschäftsführerin der Biologischen Station, ließen sich Tochter und Sohn später mit großer Freude gerne zur Apfelernteaktion rufen, bei der sie mit weiteren Kindern kräftig Apfelbäume schüttelten und den herabfallenden Ertrag anschließend zur mobilen Mosterei von Udo und Maritha Rapp brachten.

In der Presse entsteht aus geernteten Äpfeln haltbarer Saft

Das Mettmanner Ehepaar, das die Anlage im zehnten Jahr betreibt, war während des Apfelfestes stark gefragt, denn ständig luden Besucher Kartons, Bottiche oder Eimer mit selbst geernteten Äpfeln aus ihren Autos und warteten auf die Verarbeitung des Obsts zu frisch gepresstem Saft. „Die Äpfel wandern zunächst über ein Förderband in die Wanne, wo sie gewaschen und dann per Schnecke geraspelt werden“, erläutert Hilfskraft Frank Ringel, der zurzeit eine mehrjährige Obstbaumwartausbildung absolviert. Während die Maische von stetig vorfahrenden Landwirten als Futter für Rinder und Hühner abgeholt wurde, wanderte der ausgepresste Saft durch Filter und Rohr in einen 70 Liter fassenden Tank.

Nach der Erhitzung im Durchluftverfahren bei mindestens 78 Grad erreichte er den „Zieltank“, aus dem er in verplombbare Beutel mit drei, fünf oder zehn Liter Fassungsvermögen abgefüllt wurde. „Abhängig von der Sorte und dem Reifegrad der Äpfel kann man grob sagen, dass ein Saftertrag von bis zu 75 Prozent der abgegebenen Kilomenge möglich ist“, ergänzt der 78-jährige Rapp, der die Anlage selbst mitentwickelt hat.

Auch Stefanie Niggemann, die ihren Hof in unmittelbarer Museumsnähe betreibt, beobachtete mit ihrer Familie die Verarbeitung ihrer annähernd 300 Kilo Äpfel zu frischem Saft. „Wir haben erst vor kurzem den letzten Saft aus dem vergangenen Jahr getrunken. Der hält grundsätzlich locker anderthalb Jahre und auch noch viel länger“, konnte sie berichten. Selbst im angebrochenen Zustand kann der Saft bedenkenlos bis zu drei Monaten ohne Kühlschrank aufbewahrt werden.

„Wir sind froh, dass das Apfelfest allen Beteiligten und Besuchern so viel Spaß macht“, urteilte Niko Pankop. „Wir sehen es als Familienfest, mit dem wir einen kleinen Beitrag zur Bildung für eine nachhaltige Entwicklung auf niederschwelliger Art leisten.“

Apfelbäume

Die Apfelbäume wurden durch die Fabrikantenfamilie Hendrichs angelegt, die gleich neben den Werksgebäuden in einer Villa wohnte und den Garten zur eigenen Selbstversorgung für den alltäglichen Haushalt nutzte. Das Alter der Bäume wird auf bis zu 70 Jahre geschätzt.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Borbet schließt Standort in Solingen
Borbet schließt Standort in Solingen
Borbet schließt Standort in Solingen
Schlägerei auf Feier: 17-Jähriger schwer verletzt
Schlägerei auf Feier: 17-Jähriger schwer verletzt
Schlägerei auf Feier: 17-Jähriger schwer verletzt
St. Lukas Klinik: „Abriss ist wohl die einzige Alternative“
St. Lukas Klinik: „Abriss ist wohl die einzige Alternative“
St. Lukas Klinik: „Abriss ist wohl die einzige Alternative“
Diskussion über Chancen für den Standort Solingen
Diskussion über Chancen für den Standort Solingen
Diskussion über Chancen für den Standort Solingen

Kommentare