Hospiztag

Bestseller-Autorin blickt in wunde Seelen

Der Gospelchor „Unisono“ sang in der Bethanien-Kapelle berührende und ermutigende Stücke zum Thema „Sterben und Tod“. Fotos: Christian Beier
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Der Gospelchor „Unisono“ sang in der Bethanien-Kapelle berührende und ermutigende Stücke zum Thema „Sterben und Tod“.

Beim 24. Hospiztag erzählte Journalistin Sabine Bode vom oft versteckten Leid der Nachkriegskinder.

Von Jutta Schreilber-Lenz

Wer zwischen 1930 und 1945 geboren ist, bezeichnet sich heute oftmals eher als „Nachkriegskind“ denn als „Kriegskind“. Allein diese Tatsache sagt etwas aus: Von Erlebnissen in den späten 40er und den frühen 50er Jahren wird gerne ausführlich erzählt. Die Katastrophen des Krieges aber, die traumatisiert haben – Bomben, Blut, Tod, Verletzte, Leid, Verlust, Schrecken – werden häufig verdrängt. Sie bleiben dort, wohin sie die damaligen Kinder – unbewusst – gepackt haben: in einem unzugänglichen Winkel ihrer Seelen. Verschlossen in in einer nicht zu öffnenden „Truhe“. Mit diesem Phänomen hat sich Sabine Bode beschäftigt, die am Samstag prominenter Gast beim Hospiztag in Bethanien war.

Sabine Bode hat mehrere Bücher zum Thema verfasst.

Die Journalistin und Buchautorin hat sich in ihrem Werk „Die vergessene Generation“ auf die Suche nach den Gefühlen dieser Kriegskinder gemacht. Sie hat den Deckel so mancher Truhe gehoben. Als Referentin setzte sie in der voll besetzten Kapelle bemerkenswerte Impulse bei den Zuhörern. Der Saal musste durch Öffnen der hinteren Trennwand sogar vergrößert werden, um allen Interessierten einen Platz bieten zu können.

Bis zum Buch waren es für Sabine Bode jahrelange und zähe Recherchen. „Von 100 Befragten hatten maximal drei etwas zu erzählen.“ Immer wieder hörte sie Sätze wie: „Das war ja bei uns allen so“ oder „Es hat uns nicht geschadet“ und „Das war für uns normal“. Gerne kam auch ein lapidares „So war das damals.“ Auf die Idee, dass das erlebte Schrecken im eigenen Unterbewusstsein Spuren hinterlassen haben könnte, kam kaum jemand.

Der Umgang mit dem verdrängten Leid erfordert viel Sensibilität

Und tatsächlich: Diese „Nachkriegsgeneration“ zeichnet sich durch besonderen Arbeitseifer aus, durch großen Fleiß. Die Motive dahinter, seien der Wunsch, sich sichere Nester zu schaffen und vor der schlimmen Vergangenheit zu flüchten, erklärte die Autorin.

Susanne Kern, Koordinatorin im Palliativen Hospiz Solingen (PHoS) bestätigte diese Eindrücke durch ihren Erfahrungsbericht des letzten Jahres. „Von den 100 Gästen, die wir begleitet haben, gehörten 40 zu den „Kriegskindern. Sie alle wollen nicht gerne von ihren schlimmen Erinnerungen sprechen.“ Die 20 Menschen, die um Rat für eine Trauerbegleitung baten, hatten dagegen sofort das Thema Krieg parat. „Aber auch bei ihnen merkte man, dass da sehr viel Unverarbeitetes im Herzen ist.“

Umso mehr Sensibilität und Einfühlungsvermögen seien im Umgang mit dieser Generation gefragt. Das betonte auch Theologin Annette Kern-Lux, die gemeinsam mit Hannelore Schmid eine Gedenkfeier hielt. Um „Mitgefühl“ gehe es nach den Worten im „Hohen Lied der Liebe“ des Korinther-Briefes.

Musikalisch wurde die Veranstaltung vom Gospelchor „Unisono“ unter der Leitung von Elisabeth Szakács begleitet. Dieser setzte mit seinem besonderen Flair rhythmische Akzente. Stücke wie „From the mountains“ und „I will see you again“ beschäftigten sich auf berührende und auch ermutigende Weise mit dem Sterben und dem Tod.

In ihren Begrüßungsworten hatte PHoS-Vorsitzende Cordula Scheffels einen kurzen Überblick über die begonnenen Bauarbeiten am künftigen eigenen Haus gegeben. Der Abris der ehemaligen Gewächshäuser am Botanischen Garten sei abgeschlossen. Es könne gelingen, im Dezember ins neue Domizil einzuziehen.

CHOR-TERMIN

GÄSTE Eingeladen zum Hospiztag sind traditionell alle Förderer des Vereins, Partner sowie Mitglieder, Vertreter aus Verwaltung, Politik und Kirche. Am 25. März um 19.30 Uhr singt der Gospelchor „Unisono“ mit dem Jugendchor „Young Voices“ in der Bethanien-Kapelle. Der Erlös geht ans Palliative Hospiz.

Auch Schirmherr Konstantin Wecker sendete ein Grußwort per Video-Botschaft. Oberbürgermeister Tim Kurzbach bedankte sich für die Arbeit des Hospizes.

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