Frei und gleich

Schüler trommeln für Demokratie

Der Trommelworkshop mit Fabakary Jobateh zog beim Antirassismustag am Technischen Berufskolleg viele junge Solinger an.
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Der Trommelworkshop mit Fabakary Jobateh zog beim Antirassismustag am Technischen Berufskolleg viele junge Solinger an.

Im Technischen Berufskolleg lernten junge Erwachsene, Hass und Rassismus zu begegnen.

Von Michael Kremer

Diskriminierung, Rassismus, Rechtsextremismus und Hass sind keine Probleme, die irgendwo in der Welt auftreten. In Europa, in Deutschland und auch in Solingen gehören sie längst wieder zum Alltag. Um den entgegenzuwirken, organisiert der Stadtdienst Integration unter dem Motto „frei und gleich“ die dritten Solinger Antirassismustage. Sie haben vergangene Woche begonnen und enden Samstag mit dem Schülerrockfestival im Schulzentrum Vogelsang.

Am Freitag haben sich rund 200 Berufsschüler im Technischen Berufskolleg getroffen, um in zehn Workshops zu erfahren, wie sie für Demokratie und Menschlichkeit mitmischen können. „Rassismus macht nicht vor der Schule Halt“, weiß der stellvertretende Schulleiter Eckhard Schulze aus leidvoller Erfahrung. Denn „viele Kinder tragen das, was sie zuhause hören, in die Schule“. Längst gibt es auch dort „eine Form von akzeptiertem Rassismus“, wie Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) in seinen Grußworten betont. Deshalb sei es wichtig, „auch im Alltag aufzustehen und sich dagegen zu wehren“. Ausdrücklich appelliert er daher an die Schüler, dass auch sie dafür verantwortlich seien, gegen Rassismus und Hass einzutreten: „Wenn ihr euch nicht engagiert, die anderen machen es. Wenn ihr nicht wählen geht, bestimmen andere über euch.“

Hass-Reden kommen häufig schleichend daher

Als eine „mutmachende Maßnahme für die Schüler“ bezeichnet Berufsschulpfarrer Jens Maßmann das Angebot, das er mit Michael Roden vom Stadtdienst Integration federführend organisiert hat. „Frieden ist mehr, als die Abwesenheit von Hass und Gewalt“, betont Maßmann. Auch Freiheit und Gleichheit seien wichtige Werte, „die in der heutigen Zeit diskreditiert werden“. Insofern freue ihn die große Zahl an Schülern, die durch die Teilnahme an den Workshops als Multiplikatoren für Demokratie und Menschenrechte wirken wollen. Gerade im Internet macht sich eine rechtsextreme Propaganda breit, die oft auf den ersten Blick nicht als solche erkennbar ist.

Die Hass-Reden kommen häufig schleichend daher. Um dies zu erkennen, vermittelt die Referentin Maxine Bacanji von der Amadeu-Antonio-Stiftung den Teilnehmern ihres Workshops „eine geballte Informationsladung gegen Hate Speech“. Denn: „Online-Hass hat Offline-Effekte.“ Als Reaktion darauf ermutigt sie die Schüler zur „Counter Speech“, zur Gegenrede. „Auf Internet-Plattformen sehe ich fast jeden Tag rassistische Aussagen und Hetze“, berichtet Mücahid Özkan. Der 22 Jahre alte Schüler des Mildred-Scheel-Berufskollegs hat sich für die Teilnahme am „Hate Speech“-Workshop entschieden, um zu erfahren, wie er dagegen vorgehen könne.

Ähnlich argumentiert Linda Witscher. Die 22-Jährige besucht ebenfalls das Mildred-Scheel-Berufskolleg und macht eine Ausbildung zur Erzieherin. Deshalb sei es auch für ihre Zukunft wichtig, zu erfahren, was sie Rassismus entgegensetzen könne. Im Internet sei ihr der bisher weniger aufgefallen – dafür aber im echten Leben. Auch dort sind Hass-Reden nicht akzeptabel, führten sie l doch „zur Normalisierung von antidemokratischen Argumenten“.

PROGRAMM
SCHÜLERROCK
Mehr als 20 Schülerbands, zahlreiche Theatervorführungen, Videoclips, verschiedene Infostände, ein Photobooth, verschiedene Graffiti- und Kreativangebote sowie zwei Ausstellungen gibt es heute von 15 bis 23 Uhr beim Schülerrockfestival im Schulzentrum Vogelsang.

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