„Connecting Cultures“

„Pianist aus den Trümmern“ berührt in der Dorper Kirche

Aeham Ahmad wirkte in dem Konzert „Connecting Cultures“ mit.
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Aeham Ahmad wirkte in dem Konzert „Connecting Cultures“ mit.

Seine Videos aus Syrien gingen um die Welt. Jetzt spielte Aeham Ahmad mit Cornelius Hummels in Solingen. Im Juni stellt er hier sein Buch vor.

Von Jutta Schreiber-Lenz

Solingen. Zwei Jahre lang musste das in Dorp geplante Konzert mit dem Duo Aeham Ahmad und Cornelius Hummels immer wieder wegen der Pandemie verschoben werden. Umso intensiver, so schien es, war nun der gut einstündige Auftritt in der Dorper Kirche – bei dem der 34-jährige Pianist mit Wurzeln in Palästina und Syrien gemeinsam mit dem ehemaligen Cellisten des Wiesbadener Staatstheaters musizierte.

„Connecting Cultures“ war der Titel ihres Programms. Eine Botschaft, an die Aeham Ahmad trotz oder gerade durch seine traumatisierenden Erfahrungen als Geflüchteter zutiefst glaubt und die er der Welt durch sein Spiel auf Klaviertasten mitgeben möchte.

„Das Klavier ist meine Heimat“ ist ein Satz aus einem der zahlreichen Interviews, die der 2015 aus seiner syrischen Heimatstadt Damaskus übers Mittelmeer nach Deutschland geflüchtete Musiker seither gegeben hat. Durch Videoaufnahmen eines Freundes, die er ins Internet gestellt hatte, war er schnell weltweit bekanntgeworden — als „Pianist aus den Trümmern“. 2016 bekam er den Beethoven-Preis verliehen.
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Aeham Ahmad, als palästinensischer Flüchtling im syrischen stadtteilgroßen Flüchtlingslager Yarmouk in Damaskus aufgewachsen, ist seit seinem fünften Lebensjahr klavierbegeistert. Konsequenterweise studierte er dieses Fach später an verschiedenen Konservatorien und Hochschulen seines Landes. Ab 2013 fand er sich im Bürgerkrieg wieder.

Wieder Leid, Zerstörung, Angst, Gewalt, Tod und Flucht.

Aehman Ahmad zum Ukraine-Krieg

Kriegshandlungen, Belagerung und Hunger prägten den Alltag des inzwischen zweifachen Familienvaters. Um der zunehmenden Not und der mentalen Verzweiflung vor Ort etwas entgegenzusetzen, transportierte der leidenschaftliche Musiker sein Klavier auf einem Anhänger oder einem Pick-up auf Straßen und öffentlichen Plätze und spielte dort, oft gemeinsam mit Kindern, vor einem begeisterten Publikum. Auf sozialen Netzwerken millionenfach geteilt, machten Videoaufnahmen dieser Szenen weltweit Furore.

„Das Klavier ist meine Heimat“: Auch jetzt gelte dieser Satz noch, vielleicht mehr denn je, betonte Ahmad im Gespräch nach dem Konzert in Dorp, das nicht nur durch die Musik berührte.

Eine intensive emotionale Wärme und Herzlichkeit klag im Raum. Schnell hatten die beiden Musiker mit ihren fulminanten und beeindruckenden Improvisationen einen Draht zum Auditorium gefunden und vermittelten durch die von ihnen gespielten Klänge Nähe und Verbundenheit. „Connecting Cultures“ mischt orientalische Klangfarben mit westlichen – für Aeham ein Anliegen. „So soll es sein“, sagt er in einem lebhaften und herzlichen Mix aus Deutsch und Englisch. „Kulturen müssen sich kennenlernen und somit die Fremdheit zwischen ihnen verkleinern. Nur das, was man nicht kennt, ist bedrohlich und wird möglicherweise zum Feind.“

Mittlerweile fühlt sich der ehemalige Flüchtling in Deutschland angekommen, seine Familie konnte nachziehen, Aeham Ahmad arbeitet als erfolgreicher freischaffender Musiker und Autor.

Ob er oft zurückschaue? Ja, gerade seit der Ukraine-Krieg begonnen habe, sei seine Geschichte wieder sehr präsent. „Wieder Leid, Zerstörung, Angst, Gewalt, Tod und Flucht“. Blicke zurück, die ins Jetzt und die in die Zukunft seien aber untrennbar miteinander verwoben, sagt er.

Aeham Ahmad lebt voller positiver Hoffnung auf das Morgen und wird nicht müde, seinen Appell, für „Connecting Cultures“ mit seiner Musik zu den Menschen zu tragen.

Termin: „Pianist aus den Trümmern“ stellt sein Buch in Solingen vor

Am 7. Juni um 19.30 Uhr ist Aeham Ahmad zu Gast bei den Walder Theatertagen: In der evangelischen Kirche stellt er sein aktuelles Buch „Taxi Damaskus“ in einer Lesung vor. Karten für 14 Euro gibt es beim ST: termine.solinger-tageblatt.de

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