Höhscheid

Bergmann baut in seinem Vorgarten Stollen nach

Mit dem Modell des Bergwerkstollens in seinem Vorgarten möchte Ernst Mokros die harte Arbeit der Bergmänner zeigen.
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Mit dem Modell des Bergwerkstollens in seinem Vorgarten möchte Ernst Mokros die harte Arbeit der Bergmänner zeigen.

Ernst Mokros förderte in Schlesien Steinkohle zu Tage – ein Modell der Grube entsteht seit drei Jahren in Solingen

Von Jutta Schreiber-Lenz

Solingen. Seine Nachbarn kennen das Modell der „Königin Luise-Grube OS“ inzwischen, einer Nachbildung der längst stillgelegten Anlage in Oberschlesien. Aber auch für sie ist das von Ernst Mokros selbst gebaute Modell seiner alten Wirkstätte als Bergmann immer noch ein Hingucker. Für neue Passanten sowieso – und manchmal kommen auch Kindergarten-Gruppen oder Schulkinder mit ihren Erzieherinnen, um sich den Mini-Stollen genau anzuschauen. Ihnen allen gibt der Pensionär ausführlich Auskunft.

Der 85-Jährige erinnert sich gerne an seine Zeit in Hindenburg, das heute Zabrze heißt und zu Polen gehört. Zwar sei es eine Knochenschinderei gewesen – „besonders die ersten zwei Jahre, als ich als 16-jähriger Anfänger auf Knien arbeiten musste, weil der Gang so niedrig war, das man sich nicht aufrichten konnte“. Aber die Faszination Bergbau habe ihn nie losgelassen. Auch nicht, nachdem er Mitte der 70er Jahre mit seiner Familie in Solingen eine neue Heimat fand und bis zur Pensionierung in einer Gesenkschmiede arbeitete.

Als Deutscher fühlte er sich in Polen nicht wohl und beschloss, mit seiner Frau und den vier Kindern gen Westen zu ziehen. Regelmäßig fährt er jedoch mindestens einmal im Jahr in die alte Heimat – und bringt von dort immer wieder Souvenirs mit, hauptsächlich Steinkohle-Brocken unterschiedlicher Größen und Formen. Vor drei Jahren schließlich kam ihm Idee, die er sehr prompt ausführte: Aus rund 300 Kilogramm Kohle ein Modell der ehemaligen Grube bauen. „Viele moderne Menschen wissen ja gar nicht mehr, was Kohle eigentlich ist“, erklärt er seine Motivation, gemeinsam mit seinen beiden Söhnen ein Mini-Museum vor seinem Haus zu bauen . Neben der in der Zeche geschürften Steinkohle hat er je ein Häufchen Braun- und Holzkohle dazu gelegt, um die Unterschiede zu zeigen.

In liebevoller Detailtreue entstand also die Grube, in dem sich gesammelte Bergmann-Figuren in Uniform um eine Grubenlampe scharen. „Die zeigte an, ob giftiges Methangas in der Nähe war – oder ob der Sauerstoffgehalt der Luft zu knapp wurde“, berichtet Mokros. „Wenn die Lampe flackerte oder rot leuchtete, mussten wir zügig aus dem Stollen nach oben fahren.“ Die Rückwand des Modells sei ausschließlich aufgeschichtet, an den Seitenwänden habe er zum Teil Kleber verwendet, um die Kohle miteinander zu verbinden. Mittendrin im Szenario liegt eine Hacke, das Werkzeug der Bergmänner schlechthin. „Die muss ich leider jeden Abend in den Keller räumen, die erste ist mir nämlich gestohlen worden.

„Viele moderne Menschen wissen ja gar nicht mehr, was Kohle eigentlich ist.“

Ernst Mokros, Bergmann

Angesichts dieser ärgerlichen Erfahrung sammelt Mokros nun auch den Miniatur-Förderturm. „Zunächst gab es ja nur Eimer, die befüllt wurden und die via Seilwinde nach oben gezogen wurden“, führt er aus. Die geförderte Kohle wurde schließlich in Container gekippt und per Bahn verladen. „Nach dem Krieg haben viele Menschen an Bahnhöfen Kohle geklaut, um ihr Zuhause heizen zu können“, erzählt er. „Wenn irgendwo ein Güterzug mit Kohle-Waggons hielt, war das eigentlich schon normal.“

Zum Modell des Bergwerks gehört auch ein Kleiderhaken zum Hochziehen: In der Kaue zogen sich die Bergmänner um. Hose, Hemd, Schuhe und Co. wurden platzsparend an die Decke hochgezogen. „Das war unser Spind“, erinnert sich Mokros und berichtet von den Stücken von Kernseife, die auch dort aufbewahrt wurden. „So schmutzig wie wir waren, konnten wir keine Straßenkleidung überstreifen.“

Bergwerk Königin Luise

Ende des 18. Jahrhunderts begann der Steinkohleabbau im Bergwerk Königin Luise in Zabrze, Polen. Dabei wurde die Kohle teils im Tagebau, teils unterirdisch in flach abfallenden Stollen gefördert. Mittlerweile ist das Bergwerk stillgelegt und die letzte Kohle am 31. März 1998 abgebaut. Viele der ehemaligen Bergwerkschächte sind seitdem verfüllt worden. Zudem sind viele oberirdische Anlagen abgerissen worden. Nur Schacht Carnall im Westfeld blieb offen und steht Besuchern heute als Museum zur Verfügung.

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