Bergisches Wissensforum

Heute beim Bergischen Wissensforum: So kommt die „innere Uhr“ in den Takt

Denise Iwanek schult vor allem Firmen.
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Denise Iwanek schult vor allem Firmen.

Mehr Kraft im Alltag: Präventologin Denise Iwanek spricht beim „Bergischen Wissensforum“.

Das Gespräch führte Melissa Wienzek

Frau Iwanek, kommt ein Telefoninterview um 10 Uhr Winterzeit Ihrer „inneren Uhr“ entgegen?

Denise Iwanek: Ja, auf jeden Fall – und dabei ist es egal, ob Winter- und Sommerzeit ist. 10 Uhr ist eine sehr gute Zeit. Um 10 Uhr sind wir auf dem Weg, um 10.30 Uhr beginnt die Phase der Konzentration, die bis 12 Uhr anhält. Das besagen unsere „innere Uhren“.

Was ist eigentlich die „innere Uhr“ genau, von der man so gerne spricht?

Iwanek: Eigentlich heißt es „innere Uhren“, aber umgangssprachlich sprechen wir von der „inneren Uhr“. Es handelt sich dabei um einen internen Prozess unseres Körpers, der bei vielen noch relativ unbekannt ist. Unsere hundert Billionen Zellen verfügen alle über Uhren, die koordiniert werden müssen. Das geschieht über die Hauptuhr, die im Gehirn sitzt.

Wie kann mir meine „innere Uhr“ im Alltag helfen?

Iwanek: Das ist genau das Thema meines Vortrags am 31. Januar. Wenn wir unsere „inneren Uhren“ gut einsetzen im Alltag, können wir kreativer und flexibler werden. Wir können sportliche Phasen oder Konzentrationsphasen besser ausnutzen – denn auch unsere Organe laufen nicht zu allen Zeiten auf Hochtouren. Dafür müssen wir natürlich wissen, wann diese Phasen sind. Und welcher Chronotyp wir sind.

Welche Chronotypen gibt es?

Iwanek: Vielen sind die beiden Chronotypen besser bekannt unter „Typ Eule“ und „Typ Lerche“. Letzterer steht früh auf, ist aber abends relativ schnell im Bett. Die Eulen starten etwas später und sind oftmals abends fitter. Diese Typen werden in der Chronobiologie erforscht. Denn welcher Typ ich bin, spielt im Alltag eine große Rolle. Ich gebe in meinem Vortrag Tipps, wie man das herausfindet.

Kann sich das im Laufe des Lebens ändern? Ich habe als Jugendliche definitiv länger geschlafen als jetzt.

Iwanek: Nein, der Chronotyp ändert sich nicht, er ist in den Genen verankert. Aber es gibt Situationen im Leben, an die wir uns anpassen. Zum Beispiel, wenn eine Frau Mutter wird. Mütter befinden sich stets in einem Ausnahmezustand – da ist es egal, ob sie Früh- oder Spättyp sind, wenn das Baby schreit, sind sie da. Dann ist die „innere Uhr“ ausgehebelt. Die Phase, um in seinen Chrono-Grundtypen zu kommen, ist übrigens zwischen 21 und 60. Im jugendlichen Alter ist der Körper noch mit vielen anderen Prozessen beschäftigt. Daher brauchen junge Menschen auch einfach mehr Schlaf.

Wann stehen Sie denn auf?

Iwanek: Wenn ich arbeite, um 6 oder 7 – und werde dabei vom Wecker geweckt. Wenn ich nach meinen „inneren Uhren“ aufstehe, ist es zwischen 8 und 9 Uhr. Das ist die Zeit, in der ich von allein wach werde und keinen Wecker stelle. Bei mir ist es so: Ich bin in der Woche meist bis Mitternacht oder 1 Uhr auf, aber am Wochenende schlafe ich meist um 22 Uhr vor dem Fernseher ein (lacht). Das beleuchte ich auch in meinem Vortrag.

Sollten Arbeitgeber flexiblere Arbeitszeitmodelle schaffen, um allen Typen gerecht zu werden?

Iwanek: Das wäre schön, ist aber nicht überall möglich. Einem Spättypen fällt eine Spät- oder Nachtschicht zum Beispiel leichter als einem Frühtypen. Mein Wunsch für die Zukunft lautet daher: Firmen sollten mehr auf die Chronotypen ihrer Mitarbeitenden schauen. Denn das können sie für ihre Arbeitsabläufe nutzen. Es geht aber auch darum, bewusst Pausen einzubauen – auch das steigert Effektivität, Kreativität und Wohlbefinden.

Was passiert, wenn meine „innere Uhr“ aus dem Takt gerät?

Iwanek: Aus meiner Erfahrung mit meinen Kunden kann ich sagen: Vielen ist gar nicht bewusst, dass diese „inneren Uhren“ da sind und dass ein Zusammenhang besteht. Oft ist das erste Thema, das angesprochen wird, der Schlaf. Bei rund 80 Prozent der Bevölkerung ist die „innere Uhr“ übrigens immer ein Stück verschoben.

Hat die Zeitumstellung Einfluss auf meine „innere Uhr“?

Iwanek: Ja, ich spüre es auch. Einige Organisationen, die sich mit den „inneren Uhren“ beschäftigen, plädieren dafür, die Zeitumstellung abzuschaffen. So auch ich. Denn es macht keinen Sinn für uns. Jetzt, im Winter, ist unsere optimale Zeit für die „inneren Uhren“ – dann geht die Sonne früher auf. Denn das Wichtigste für den ganzen Prozess in uns ist das Tageslicht. Die meisten Menschen, etwa Dreiviertel der Bevölkerung, arbeiten in Innenräumen, die wenigsten haben Tageslichtlampen. Das Tageslicht ist elementar für uns, und eine Bewegung draußen sinnvoll. Wir spüren übrigens sehr wohl in uns, wenn die Sonne auf- oder untergeht – das hat man in verschiedensten Studien der Chronobiologie herausgefunden. Genauso wichtig ist die mentale Gesundheit: Wenn ich mich mit guten Informationen versorge und auf mich achte, hat es Einfluss auf den Körper.

Auf was können sich die Gäste beim „Bergischen Wissensforum“ mit Ihnen am 31. Januar freuen?

Iwanek: Auf viele spannende Fakten. Ich werde erläutern, was zu welcher Zeit in unserem Körper passiert. Dann gibt es viele Infos und Tipps zum Thema Schlaf. Ich spüre, dass dieses Thema viele Menschen bewegt – und vieles kann man selbst präventiv tun. Und natürlich bringe ich meine beiden Chronotypen mit, die Eule und die Lerche. Ich räume zudem nicht nur mit Mythen auf, sondern bringe auch Tipps mit, die im Alltag umgesetzt werden können – das ist mir immer wichtig. Denn mein Motto lautet: „Gesundheit neu erleben“. Passend dazu bringe ich auch mein neues Buch mit.

Wissensforum 2023

Vortrag

Termin: Denise Iwanek spricht am Dienstag, 31. Januar, 19.30 Uhr, im Bürgersaal der evangelischen Stadtkirche Solingen über Gesundheitskompetenz.

Karten: Die Präsenz- als auch die Onlineteilnahme kostet 49 Euro, Inhaber der ST-Karte erhalten 10 Euro Rabatt. Buchung: Tel. (0 25 61) 9 79 28 88 (Montag bis Donnerstag 9 bis 16, Freitag 9 bis 14 Uhr).
www.sprecherhaus-shop.de

Partner: Das „Bergische Wissensforum“ wird von Solinger Tageblatt, RGA und der Agentur Sprecherhaus veranstaltet; die Firma Walbusch und die Volksbank im Bergischen Land unterstützen die Reihe.

Zur Person: Präventologin Denise Iwanek (48) stammt aus Gelsenkirchen, lebt heute in Recklinghausen. Sie ist Expertin für körperliche und mentale Gesundheit. Ihr Schwerpunkt liegt im Bereich der betrieblichen Gesundheitsförderung auf Basis der zirkadianen Uhr. Sie ist Dozentin und Vorstandsmitglied im Berufsverband der Präventologen. Publikationen: „Ich geh mal eben schnell aufs Klo“ und „Chronobooster – der Mehrwert für Ihre Gesundheit“.

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