Bergisches Wissensforum

Warum gesunde Menschen kreativer sind

Patric Heizmann (47) hat Sportmanagement studiert. 2000 machte er sich selbstständig. Heute ist er 14-facher Autor, Speaker und Vater. Foto: Heizmann
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Patric Heizmann (47) hat Sportmanagement studiert. 2000 machte er sich selbstständig. Heute ist er 14-facher Autor, Speaker und Vater.

Fitnessexperte lädt zum Wissensbüfett ein: Patric Heizmann räumt am 29. März beim Bergischen Wissensforum mit Ernährungsmythen auf.

Das Gespräch führte Melissa Wienzek

Alle Folgen des Bergischen Wissensforums

Drei Mal am Tag satt essen und dazwischen die Klappe halten.

Liebevoll gemeinte Ernährungsregel von Patric Heizmann
Herr Heizmann, sind fitte und gesunde Menschen erfolgreicher im Job?
Patric Heizmann: Definitiv. Das belegen zahlreiche Studien. Letztendlich ist es ein Energiethema. Eine gesunde Lebensweise schafft mehr ATP (Adenosintriphosphat, universeller Energieträger in lebenden Organismen, Anm. d. Red.). Wie der Euro die Währung unseres Landes ist, ist ATP die Währung unseres Körpers. Wer ATP im Überschuss hat, kann Energie umsetzen. Im Umkehrschluss heißt das: Wenn wir nur wenig überschüssige Energie haben, können wir unseren Kortex nicht bedienen, also den Teil des Gehirns, der für Kreativität zuständig ist.
Jetzt, da es in den Frühling geht, möchten viele an ihrer Figur arbeiten. Vielen fehlt jedoch der richtige Antrieb. Wie überwindet man den inneren Schweinehund?
Heizmann: Der innere Schweinehund beschützt automatische Prozesse, sprich: Gewohnheiten. An Gewohnheiten kommt man nur wenig mit Disziplin ran, sondern vielmehr mit einer auf lange Zeit angelegten Strategie. Meine Idee ist es, den Schweinehund an einem Tag in der Woche auf die Schweinehundschule zu schicken und sich an diesem einen Tag auf grundsätzlich gesunde Verhaltensweisen zu beschränken. Bald schon stellen wir fest, dass wir automatisch die Regeln aus dem Schweinehundetag übernehmen und diese auch an anderen Tagen umsetzen. So verändern wir unsere bisher nicht so guten Gewohnheiten in gesündere Gewohnheiten. Dabei zapfen wir unbewusste Programme im Gehirn an.
Gibt es dafür Strategien?
Heizmann: Ja, einige werde ich auch in meinem Vortrag vorstellen. Ich nenne eine davon gerne „den Hellseher spielen“. Dabei wird das Ziel jetzt schon emotionalisiert erlebt, man stellt es sich jetzt schon vor. Und dann schaut man: Wie fühlt sich das an?
So kann jeder sein persönliches Ziel erreichen
Ist es wichtig, sich ein smartes Ziel zu setzen?
Heizmann: Es macht Sinn. Das sollten aber nicht Zahlen, Daten, Fakten sein. Natürlich ist es zum Beispiel ein smartes Ziel, zu sagen: „Ich möchte in einem Monat vier Kilo abnehmen.“ Vielmehr geht es hier um das Warum. Was erwarte ich denn, wenn ich vier Kilo weniger habe? Nur eine Zahl auf der Waage hat keine energetische Antriebskraft. Die zeigt einem nur die Erdanziehungskraft an. Viele Menschen sind so fixiert auf ein Gewicht. Und erinnern sich dann an früher, an die Hose, in die sie einst reingepasst haben. Hier stellt sich die Frage: Wie hast du denn früher gelebt? Wie viel hast du dich bewegt, was hast du geliebt – und wen?
Um fitter zu sein, ist Sport eine gute Möglichkeit. Welches Sportprogramm empfehlen Sie Berufstätigen?
Heizmann: Eines, das umsetzbar ist. Das bedeutet in den meisten Fällen: mit möglichst wenig Materialien und möglichst wenig zeitlichem Aufwand. Die Ausgestaltung ist natürlich sehr individuell. Die Frage ist: Wie kann ich mich am besten motivieren? Kann ich mich als Einzelsportler motivieren oder bin ich ein Mannschaftssportler? Wenn man es auf Effizienz anlegt, bin ich Fan von Tabata-Training. Man nimmt sich dabei eine Übung wie Kniebeugen und macht sie acht Mal hintereinander, je 20 Sekunden lang, und dann 10 Sekunden Pause. Am Anfang ist das noch machbar, aber dann wird es richtig anstrengend – das sorgt für den richtigen Muskelreiz. Man kann sich damit selbst beweisen: Ich setze es um.
Wie geht es dann weiter?
Heizmann: Dann merkt man plötzlich: Ich bin jetzt richtig warm, ich könnte noch ein zweites Tabata machen. Ich nenne es auch: Ein Minimalziel setzen. Ein solches Minimalziel wäre zum Beispiel: Ich ziehe mir direkt meine Sportklamotten an, wenn ich von der Arbeit komme. Das erreiche ich leicht. Wer nun die Tabata-Einheit macht und danach vielleicht noch draußen laufen geht, hat ein richtig gutes Sportprogramm absolviert. Wir überfrachten uns dabei aber nicht, sondern machen es Schritt für Schritt.
Eng damit verbunden ist die richtige Ernährungsweise. Wie lauten Ihre Tipps?
Heizmann: Wir sollten das vermeiden, was dem Körper nicht guttut: zu viel Zucker, zu viel Weißmehl, industrialisierte Produkte. Sie rauben dem Körper nur Energie, statt ihm diese zu geben. Die einfache Regel lautet: Drei Mal am Tag satt essen und zwischendurch die Klappe halten – das ist liebevoll gemeint. Zudem sollte ich Struktur in meinen Ernährungsplan bringen, Speisen vorbereiten und mir vorher schon überlegen, was ich als Nächstes essen werde. Denn wenn man Hunger hat, ist man der Füllstoffindustrie ausgeliefert, wie ich sie gerne nenne. In jeder Mahlzeit sollte zudem ein Eiweißlieferant dabei sein.
Sie möchten mit Ernährungsmythen aufräumen. Haben Sie ein Beispiel?
Heizmann: Da gibt es eine Menge. Zum Beispiel, dass man, um abzunehmen, deutlich weniger Kalorien essen sollte. Eine klassische Diät, wie sie die meisten Menschen machen, ist nichts anderes als eine simulierte Hungersnot – und damit kann unser Organismus richtig gut umgehen. Das ist aber der falsche Ansatz. Ein anderer Mythos ist, dass Eier schlecht seien für das Cholesterin. Das ist völliger Quatsch. Wenn man es sich rational überlegt: Es ist ein Naturprodukt, es ist keine Nährstoffliste drauf, und im Eigelb gibt es alles, was das Küken zum Heranwachsen braucht. Von 47 lebenswichtigen Bausteinen stecken 46 im Eigelb.
Welche Rolle spielt Ernährung in der Pandemie?
Heizmann: Eine sehr große. Wir kommen gerade aus den größten Krisen der letzten Jahrzehnte – und die hat meiner Meinung nach essenziell mit dem Thema Ernährung zu tun. Was mir komplett gefehlt hat, ist die gesundheitliche Aufklärung. Wie häufig wurde auf Vitamin D herumgehackt. Ich bin der Meinung, wenn man über Solidarität spricht, dann ist es essenziell wichtig, unseren Lifestyle zu überdenken. Denn das nächste Virus wird anklopfen. Je fitter der Einzelne ist, desto weniger belastet er auch das Gesundheitssystem. Daher gehört es für mich auch zur Solidarität, zu so einem Vortrag wie meinem zu kommen.
Was erwartet das Publikum?
Heizmann: Comedy mit Nährwert. Denn wer lacht, lernt besser. Mein Anspruch ist folgender: Es ist wie ein großes Büfett. Und davon nimmt man sich ein, zwei, drei Dinge mit, die einem gut schmecken.

Person / Vortrag

Zur Person: Patric Heizmann (47) wuchs in Kirchzarten bei Freiburg auf. „Ich habe mich grottenschlecht ernährt und war häufig gesundheitlich angeschlagen“, erzählt er. „Daher fing ich an, meine Ernährung zu hinterfragen und bin auf unfassbar viele Informationen gestoßen. Ich habe fünf Jahre gebraucht, bis ich herausgefunden habe, welches Konzept funktioniert.“ Ursprünglich lernte er einen handwerklichen Beruf, studierte Sportmanagement, war Trainer. Heute ist er Unternehmer, Speaker, zweifacher Vater und 14-facher Buchautor. Sport macht er fünf bis sechs Mal pro Woche.

Buchtipp: „Ich bin dann mal schlank“, ISBN: 978-3932908569.

Vortrag: Patric Heizmann spricht am Dienstag, 29. März, ab 19.30 Uhr über Vitalität.

Tickets: Wer die Vorträge vor Ort erleben möchte, zahlt 49 Euro (39 Euro für ST-Karten-Inhaber). Teilnahme per Livestream: 39 Euro (29 Euro mit ST-Karte). Buchung: www.sprecherhaus-shop.de/vortragsreihen/bergisches-wissensforum-202122

Telefonisch können sie bei Sprecherhaus bestellt werden: Tel. (0 25 61) 9 79 28 88 (mo. bis do. von 9 bis 16 Uhr, fr. von 9 bis 14 Uhr).

Teilnahme: Die Präsenzteilnahme ist mit 3G möglich. Am Einlass wird der Nachweis geprüft.

Ort: Bürgersaal der Evangelischen Stadtkirche, Kirchplatz 14, Solingen.

Dauer: Die Vorträge dauern rund 90 Minuten, Beginn ist um 19.30 Uhr, Einlass ab etwa 19 Uhr.

Wer: Solinger Tageblatt und Remscheider General-Anzeiger veranstalten die Vortragsreihe mit der Volksbank im Bergischen Land, Walbusch und der Agentur Sprecherhaus.

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