Energiekrise

Wirtschaft blickt sorgenvoll auf den Winter

Henner Pasch berichtet, dass es kaum Wirtschaftszweige gibt, die erwarten, vom Abschwung verschont zu bleiben.
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Henner Pasch berichtet, dass es kaum Wirtschaftszweige gibt, die erwarten, vom Abschwung verschont zu bleiben.

Die IHK-Konjunkturumfrage zeigt zwar eine befriedigende Geschäftslage, aber trübe Aussichten.

Von Manuel Böhnke

Bergisches Land. Die Wirtschaft in Solingen, Remscheid und Wuppertal blickt sorgenvoll auf den Winter. Zu diesem Schluss kommt die Bergische Industrie- und Handelskammer (IHK) bei ihrer Konjunkturumfrage. Zwar bewerten noch drei von vier Betrieben ihre gegenwärtige Geschäftslage als gut oder zumindest befriedigend. Knapp die Hälfte geht jedoch von einer negativen Entwicklung in den kommenden zwölf Monaten aus, lediglich zehn Prozent erwarten eine Verbesserung.

Für diese getrübten Aussichten sind Henner Pasch zufolge nicht nur die „massiven Kostensteigerungen für Energie und Rohstoffe“ verantwortlich. „Die stark gestiegene Inflationsrate reduziert zudem die Kaufkraft der Verbraucher und belastet den privaten Konsum“, führte der IHK-Präsident am Montag bei der Präsentation der Umfrageergebnisse aus.

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Das habe vor allem Folgen für den Handel, den Pasch als „das schlimmste Sorgenkind“ bezeichnete Allerdings sei das Geschäftsklima nicht nur in konsumnahen und energieintensiven Branchen schlecht. „Kaum ein Wirtschaftszweig rechnet damit, vom Abschwung verschont zu werden“, sagte Henner Pasch.

Die Unternehmen kämpfen mit vielen Unsicherheiten. Da sind etwa die steigenden Corona-Zahlen und die weiterhin gestörten Lieferketten. Nichtsdestotrotz bleiben die hohen Energie- und Rohstoffpreise der IHK zufolge das größte Risiko für die konjunkturelle Entwicklung.

Eine „drastische Insolvenzwelle“ zeichnet sich bislang nicht ab

Die stellen vor allem die Industrie vor Herausforderungen. Dabei ist laut Michael Wenge besonders problematisch, dass die Energiekosten in Deutschland deutlich höher sind als in anderen Teilen der Welt, etwa den USA und Asien. „Das ist ein drastischer Standortnachteil, der das bergische Städtedreieck überdurchschnittlich trifft“, betonte der IHK-Hauptgeschäftsführer. Die Bundesrepublik bleibe zwar in vielen Bereichen Qualitätsführer, ergänzte Pasch. Aber: „Bei den aktuellen Energiepreiszuschlägen gehen unseren Unternehmen die Argumente aus.“

Die mannigfaltigen Schwierigkeiten spiegeln sich bisher nicht signifikant in den Finanzen der Unternehmen wider. 56 Prozent geben an, ihre finanzielle Lage sei unproblematisch. Jeweils ein Fünftel berichtet von angespannter Liquidität und sinkendem Eigenkapital. „Noch droht keine drastische Insolvenzwelle“, sagte Pasch. Bei der Konjunkturumfrage berichteten fünf Prozent der Betriebe von drohender Zahlungsunfähigkeit.

Die Kammer führte die Erhebung durch, bevor die Bundesregierung die Gaspreisbremse angekündigt hatte. Diese habe das Potenzial, den wirtschaftlichen Abschwung zu mildern. „Die Frage ist, wie lange der Staat das noch tragen kann“, gab Wenge mit Blick auf die Hilfspakete der öffentlichen Hand zu bedenken.

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