Mit dem ST wandern

Wanderserie: Wälder, Wallfahrtsstätten und eine Wasserburg

Schloss Hardenberg dient heute als Kulisse für kulturelle Veranstaltungen und Mittelaltermärkte.
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Schloss Hardenberg dient heute als Kulisse für kulturelle Veranstaltungen und Mittelaltermärkte.

Eine spannende Rundwanderung führt in die Geschichte des Velberter Stadtteils Neviges.

Von Andreas Erdmann

Bergisches Land. Eine abwechslungsreiche Tour im Niederbergischen Land mit viel Natur, einem historischen Schloss, zwei Wallfahrtsstätten und einem Wallfahrtsdom bietet eine vielseitige Rundwanderung im Velberter Stadtteil Neviges.

Mehr Wanderungen im Bergischen

Wir starten am Bahnhaltepunkt Velbert-Neviges, gehen kurz Richtung Stadt, biegen dann rechts in die Bernsaustraße ein. Nach Unterquerung der Gleise geht es rechterhand zum Katholischen Friedhof hinauf. Rechts daneben führt eine Treppe bergan zur Wallfahrtsstätte auf dem Marienberg. Diese besteht aus 20 Andachtsstationen mit Bildern aus dem Rosenkranz.

Auf einer Anhöhe öffnet sich ein großer Platz am Fuß eines Altarhügels mit der 1922 erbauten Marienkapelle.

Oben auf der Anhöhe öffnet sich dann ein großer Platz am Fuß eines Altarhügels mit der 1922 erbauten Marienkapelle. Wir folgen dem Weg, der leicht bergan parallel zum Feldrand verläuft. Nach der Station mit der Aufschrift „Der für uns das schwere Kreuz getragen hat“ führt ein Wanderpfad zwischen Feld und Waldrand einher. Über die Felder haben wir eine herrliche Fernsicht nach Velbert und Wuppertal. Eine Bank lädt zur Rast. Oben links zweigt ein Weg ab, der an einem Unterstand vorbei, bergab und durch einen Buchenwald führt. Schon von ferne sehen wir das Hardenberger Schloss. Davor fließt der Hardenberger Bach, der in früher Zeit Navigisa hieß, was „Gewässer, Fluss“ bedeutet und dem Ort Neviges seinen Namen gab.

Mariendom ist das zweitgrößte Gotteshaus im Erzbistum Köln

Wir überqueren die Bernsaustraße zum Schloss. Der Kern der Schlossanlage mit Haupthaus, Vorburg, unterirdischen Kasematten, vier Türmen und Mühlengebäude stammt mindestens von Ende des 15. Jahrhunderts. Ihr geht eine ältere, wohl baufällig gewordene Höhenburg voraus – deren 650 Meter südwestlich gelegenen Standort werden wir später noch aufsuchen. Mit dem durch Amtmann Bertram von Gevertshagen ab 1491 errichteten Herrensitz entstand eine Wasserburg mit zweiflügeligem Palast und vorgesetztem Hauptturm.

Die Gebäude wurden umgeben von einer hohen Schildmauer und vier runden Wehrtürmen sowie einem viereckigen Torturm mit Zugbrücke. 1529 kam das Anwesen durch Erbschaft an die Familie von Bernsau, wurde erweitert, wieder verkleinert, und ging dann 1697 für rund 200 Jahre an die Freiherrn von Wendt. Ab 1908 war das Hauptgebäude an einen Wirt verpachtet, der dort bis etwa 1945 eine Gastwirtschaft mit Biergarten und Bootsverleih betrieb. 1939 schließlich erwarb die Stadt Neviges das Schlossareal von den Grafen von Marchant-Ansembourg. Heute dient das Schloss als Kulisse für kulturelle Veranstaltungen und Mittelaltermärkte. Hier lohnt eine Runde durch die Parkanlagen und um den Ententeich. Auch ein Minigolfplatz ist vor Ort.

Wir überqueren die Brücke über die Bahngleise, gehen rechtsum etwa 500 Meter an den Gleisen entlang, dann den Weg links hinauf in Richtung Tönisheide. Links im Tal fließt der Kannebach. Wir überqueren die beiden Bachläufe über die kleinen Brücken, gehen am Kannenbergbach bachaufwärts, kommen vorbei an der Wassertreppe. Rechts, hinter der A 535, liegt der Velberter Stadtteil Tönisheide. Wir überqueren einen weiteren Zulauf des Kannebachs, biegen in den zweiten scharfen Abzweig links – noch vor der Siedlung Reiger Weg – ein.

Gottfried Böhm konzipierte den Mariendom mit seiner prägnanten Form. Der Bau wird dem Brutalismus zugerechnet.

Linkerhand auf der bewaldeten Bergkuppe stand die ehemalige Höhenburg der Ritter von Hardenberg. Urkundlich erwähnt sind die Hardenbergs erstmals 1145. Errichtet wurde die Wehrburg mit zwei Vorburgen im 11. oder 12. Jahrhundert. 1888 stieß man bei Grabungen auf Keramik-, Eisen- und Münzfunde aus dem 12. bis 13. Jahrhundert. Als „huis ind wohnunghe zue Hardenberg“ wird das Burghaus dann im Dezember 1354 in einer Urkunde erwähnt, als Gerhard I. von Berg es erwarb. Hardenberg war nun ein bergisches Amt. 1496 erhielt Amtmann Bertram von Gevertshagen die Burg. Sie verfiel, nachdem er im Tal Schloss Hardenberg bezog.

Der Weg führt bergab, nimmt eine Kurve. Unten, bei der Bank, geht es kurz rechtsum bergauf, dann links bergab und wiederum rechts auf den Hauptweg. Am Kreuzberg zu unserer Rechten befindet sich der Kreuzweg als Wallfahrtsweg, der an 12 bebilderten Stationen den Leidensweg Christi nachbildet. Vor uns sehen wir bereits den monumentalen Nevigeser Wallfahrtsdom oder Mariendom. Der offizielle Name lautet Wallfahrtskirche Maria, Königin des Friedens.

Liebevoll restaurierte, historische Fachwerkhäuser prägen den Nevigeser Kirchplatz.

Als Ursprung der Wallfahrtsstätte gilt eine Marienerscheinung des Dorstener Franziskaners Antonius Schirley, der 1680 eine Stimme vernahm, die sagte: „Bring mich nach dem Hardenberg, da will ich verehret sein!“ Der von dem Architekten Gottfried Böhm konzipierte Mariendom mit seiner prägnanten Form wird architekturhistorisch dem Brutalismus zugerechnet. Erste Baumaßnahmen gab es 1965. 1968 eingeweiht, stellte das Bauwerk nach dem Kölner Dom das zweitgrößte Gotteshaus im Erzbistum Köln dar. Es fasst etwa 1500 Personen. In dem auffälligen, langgestreckten Bau am Platz vor dem Dom befindet sich das Pilgerhaus Neviges mit 31 Betten.

Wir gehen die Klosterstraße zum Franziskanerkloster und der Kirche St. Maria Empfängnis hinunter, biegen rechts in die Elberfelder Straße ein. Sie führt geradewegs in die Nevigeser Altstadt. Besonders sehenswert ist die Reihe der liebevoll restaurierten historischen Fachwerkhäuser rund um den Kirchplatz, in dessen Mitte die evangelisch reformierte Kirche aufragt. Bereits 1220 ist hier eine Kirche nachgewiesen. 13 Bauernschaften gehörten zu dem Ort, der Bestandteil der unabhängigen Herrschaft Hardenberg war. Erst 1922 erhielt Hardenberg-Neviges das Stadtrecht und 1935 den amtlichen Namen Neviges. Am Ende der Elberfelder Straße gelangen wir zum Ausgangspunkt unserer Tour.

Tour 46

Dauer: 2,5 Stunden

Schwierigkeitsgrad: mittelschwer

Ausrüstungstipp: Festes Schuhwerk

Bahnverbindung: S-Bahn S 9, Haltestelle Velbert-Neviges

Mariendom Neviges: Elberfelder Straße 12, Velbert, Öffnungszeiten: täglich 9 bis 17 Uhr, Wallfahrtsbüro: Tel. (0 20 53) 93 18 40
kontakt@mariendom.de

Minigolf am Schloss Hardenberg: Bernsaustraße 79, bei gutem Wetter geöffnet montags bis freitags 14 bis 20 Uhr, samstags, sonntags und feiertags 11 bis 20 Uhr
minigolf-binder.de

Café am Brunnen: Elberfelder Straße 29, Velbert
cafe-am-brunnen.eatbu.com

Tipp: Die ersten 40 Folgen unserer „Wanderrouten im Bergischen Land“ – unter anderem mit den GPX-Daten zum Wandern mit Smartphone oder GPS-Gerät – gibt es als PDF-Download. www.bergisch-bestes.de

Download für Wanderprofis: Hier stellen wir Ihnen die Daten für diese Route als gpx-Download zum Wandern mit Smartphone oder GPS-Gerät zur Verfügung. Sie können die Datei in einer entsprechenden Navigations-App hochladen: Rund um Velbert-Neviges

Alle Wanderungen im Bergischen finden Sie hier

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