Interview

Velina Nenchev: „Musik ist für mich meine Muttersprache“

Velina Nenchev (34) durfte bei „On Fire!“ zuletzt vier Songs singen. Sie hofft auf eine Wiederholung. Foto: Yulia Vlasova
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Velina Nenchev (34) durfte bei „On Fire!“ zuletzt vier Songs singen. Sie hofft auf eine Wiederholung.

Velina Nenchev (34) ist nicht nur Geigerin bei den Symphonikern, sondern auch Sängerin.

Das Gespräch führte Melissa Wienzek

Bergisches Land. Im Interview spricht Velina Nenchev (34) über Musik, die Symphoniker und ihre Auftritte. Letzteres sind für sie eine Herausforderung.

Frau Nenchev, was ist schwieriger: singen oder Geige spielen?

Velina Nenchev: Rein technisch auf jeden Fall Geige spielen. Aber für mich ganz persönlich das Singen. Denn ich habe sehr lange mit meinem Selbstbewusstsein gekämpft. Als Sängerin ist man schließlich oft Solistin, da muss man sehr überzeugend sein. Ich bin von meinem Naturell her eher schüchtern und fühle mich nicht immer wohl, im Scheinwerferlicht zu stehen. Aber beides, das Singen und das Geigespielen, gibt mir viel.

Beim letzten „On Fire!“-Konzert durften sie vier Songs singen. Welche waren das?

Nenchev: „Have yourself a merry little Christmas“, „All I want for Christmas is you“ von Mariah Carey, „Santa Baby“ von Eartha Kitt und „White Christmas“ im Duett mit Gastsänger Nigel Casey.

Das sind ja durchaus anspruchsvolle Titel. Wie war es für Sie, vor den Ohren Ihrer Symphoniker-Kollegen auf der Bühne zu singen?

Nenchev: Oh, das war auf jeden Fall eine Herausforderung. Vorher und hinterher haben mir viele Kollegen gesagt, wie sehr sie sich freuen. Das war sehr lieb. Dann fühlt man sich auf der Bühne auch gleich ganz anders.

Haben die Kollegen Sie da das erste Mal singen gehört?

Nenchev: Nein. Das erste Mal, als ich mit dem Orchester gesungen habe, war vor ein paar Jahren. Damals hatten wir ein Filmmusikonzert bei ,On Fire!‘. Als Zugabe wollte der künstlerische Leiter Miki Kekenj Songs aus dem Musical ,Bodyguard‘ haben. Da habe ich gesagt, ich könnte das machen. Also sang ich ,I will always love you‘ von Whitney Houston. Das war ganz toll, ich habe den Auftritt sehr genossen und mich darauf gefreut. Die Kollegen haben mich unterstützt, das hat mir gegen meine Aufregung geholfen.

Sind die Symphoniker wie eine Familie für Sie?

Nenchev: Ja, auf jeden Fall. Auch nicht nur grüppchenweise, sondern wir kennen und verstehen uns alle. Wir machen auch schon mal Orchesterfeiern. Jetzt wegen der Pandemie leider nicht. Die Stimmung im Orchester ist gut – dadurch kann man viel besser zusammenarbeiten. Wir sind ja alle von Herzen Musiker. Und es ist wichtig, dass man mit Lust zur Arbeit geht.

Womit können Sie sich besser künstlerisch ausdrücken: mit der Geige oder mit dem Gesang?

Nenchev: Auf jeden Fall im Gesang. Geige spiele ich zwar mein ganzes Leben schon, das Singen ist aber auch mein ganzes Leben lang schon dabei. In meiner Familie sind alle Sänger. Singen kommt mir natürlicher vor, obwohl ich beides sehr liebe.

Haben Sie denn Gesangsunterricht genommen?

Nenchev: Nein.

Haben Sie außerhalb von „On Fire!“ schon mal vor Publikum gesungen?

Nenchev: Ja, ich habe schon Crossover-Projekte gemacht. Neben meinem Job als Geigerin bei den Symphonikern spiele ich Geige und singe beim Rockorchester Ruhrgebiet. Wir haben dort regelmäßige Auftritte mit viel Publikum.

Und sind Sie nun immer noch aufgeregt bei Konzerten?

Nenchev: Manchmal, nicht immer. Manchmal kommt die Aufregung eher daher, ob ich den Text richtig weiß (lacht). Man muss sehr viel lernen, um cool zu sein und an seine Fähigkeiten glauben. Ich bin selten wirklich zufrieden mit meinen Auftritten. Vielleicht sollte ich mehr genießen, was ich mache.

Selbst wenn die Waschmaschine läuft, ist das für mich Musik.

Velina Nenchev

Wann kann man Sie das nächste Mal in einem Konzert sehen und hören?

Nenchev: Beim Weihnachtskonzert mit den Bergischen Symphonikern am 26. Dezember und mit der Band am 22. Januar in Oberhausen.

Was bedeutet die Musik für Sie?

Nenchev: Wenn ich Musik höre, dann bin ich voll in der Musik. Ich höre das so aufmerksam, dass ich alles andere um mich herum vergesse. Musik ist eine Muttersprache für mich. Ich verstehe sie. Und ich höre sie überall – selbst, wenn die Waschmaschine läuft, ist das für mich Musik. Meine Tochter, 17 Monate alt, hat das auch schon: Wenn ich mit dem Lappen etwas wegwische, fängt sie an zu tanzen.

Zur Person

Velina Nenchev (34) stammt aus Bulgarien. Dort ist sie bereits zur Musikschule gegangen. Nach einem siebenjährigen Geigenstudium an der Folkwang Universität der Künste hatte sie Zeitverträge und gab Unterricht. Seit 2019 ist sie zweite Geigerin bei den Bergischen Symphonikern. Ihr Mann spielt dort übrigens die erste Geige. Das Paar hat ein Kind und lebt in Essen. Velina Nenchev übt jeden Tag, erzählt sie. Ihre Lieblingssongs sind Soulstücke. Auf dem Youtube-Kanal der Symphoniker gibt es Velina Nenchev zu hören.

Nächstes Konzert

Die Symphoniker treten am 2.Weihnachtstag, Sonntag, 26. Dezember, 18 Uhr, im Teo Otto Theater auf. Kleine, aber feine Kompositionen stehen auf dem Programm. Die Leitung hat Michael Ellis Ingram. Karten: 28, Jugendticket 6,50 Euro: Tel. (0 21 91) 16 26 50 oder im Netz. Es gilt 2G.

theaterticket.remscheid.de

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