Neuer Leiter der Verkehrsdirektion der Polizei

Falko Lotz will die Zahlen der Toten und Verletzten reduzieren

Falko Lotz ist der Bereich der Unfallprävention ein besonderes Anliegen.
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Falko Lotz ist der Bereich der Unfallprävention ein besonderes Anliegen.

Falko Lotz ist neuer Leiter der Verkehrsdirektion im Wuppertaler Polizeipräsidium. Der 39-Jährige spricht im Interview darüber, wie Unfällen vorgebeugt werden sollte und autonomes Fahren im Polizeidienst.

Das Gespräch führte Martin Gehr

Seit dem 1. Oktober ist Falko Lotz neuer Leiter der Verkehrsdirektion im Wuppertaler Polizeipräsidium. Der 39-jährige Polizeirat tritt damit die Nachfolge von Tanja Veljovic an, die die Direktion sechs Jahre lang leitete. Wir haben mit dem gebürtigen Soester über die Besonderheit des Bergischen Verkehrsraums gesprochen, uns erklären lassen, warum man nicht erst über Unfälle sprechen darf, wenn sie passiert sind – und wie das autonome Fahren die Arbeit der Polizei verändern wird.

Herr Lotz, in Ihrer Direktion gibt es Mitarbeiter, die den Verkehr kontrollieren und Bußgelder verteilen, während das Verkehrskommissariat für die Bearbeitung von Unfällen zuständig ist. Es gibt aber noch eine dritte Abteilung, die Ihnen ein besonderes Anliegen ist: die Prävention, damit Unfälle erst gar nicht entstehen. Mit welchen Mitteln wollen Sie das erreichen?

Falko Lotz: Wir arbeiten mit Bildungskonzepten, die auf die jeweilige Generation angepasst sind – vom Kindergarten bis zu Senioren. Ganz frisch ist der Präventionspreis „Der Rote Ritter“, der uns letzte Woche in der Hamburger Elbphilharmonie vom Verein „Aktion Kinder-Unfallhilfe“ verliehen wurde. Grundlage ist das Programm „Mit dem Brummi ins Klassenzimmer“, in dem wir uns mit der Sensibilisierung des toten Winkels bei Lkw befassen und dafür mit einem Lastwagen zu den Schulen kommen.

Wie sieht es mit der Aufklärung von jungen Erwachsenen aus?

Lotz: Ein etabliertes Konzept für Fahranfänger ist unser „Crashkurs“, in dem es um Unfallfolgen geht. Dabei schildern Betroffene vor Ort ein Unfallereignis aus ihrer Perspektive, etwa Eltern, die die Nachricht über den Tod ihres Sohnes beschreiben. Oder Unfallopfer, die schwerste Verletzungen davongetragen haben, aber auch Rettungssanitäter oder Polizeibeamte. Das ist sehr emotional und dadurch eindrücklich. Es hilft, eine konkrete Geschichte zu erzählen und nicht nur den abstrakten Gedanken auszulösen: „Autofahren kann gefährlich sein, aber nicht bei mir.“ So erhält die Gefahr ein Gesicht.

Welche vermeidbaren Ereignisse führen denn zu solchen Katastrophen?

Lotz: Das kann Ablenkung sein, etwa wenn jemand am Steuer mit dem Handy telefoniert. In der jungen Zielgruppe können auch illegale Autorennen eine Gefahr darstellen. Dafür ist Ende Oktober vom NRW-Innenministerium das Programm „Verantwortung stoppt Vollgas“ vorgestellt worden, das sich an 17- bis 27-Jährige richtet. Entwickelt hat es die Polizei NRW, den Inhalt bringen wir in den Schulen unter. Das Fundament ist ein Film, der je nach Entscheidung der Schüler einen unterschiedlichen Ausgang nimmt. Das soll dazu führen, dass sich die Schüler in einer fiktiven Gerichtsverhandlung ein moralisches Urteil zu jemandem bilden, der durch Raserei das Leben anderer gefährdet oder sogar ausgelöscht hat.

Blaulichtmeldungen aus dem Bergischen

Mit welcher Motivation haben Sie die Stelle angetreten?

Lotz: Mich motiviert, dass man die Möglichkeit hat, mit anderen Menschen an einem gemeinsamen Ziel zu arbeiten – und das ist, die Zahl der Schwerverletzten und der Unfalltoten zu reduzieren. Außerdem setze ich mich für eine bessere Verständigung zwischen Bürgern und Polizei ein. Denn der Stammtischklassiker, dass wir nur deshalb Verkehrskontrollen machen, um abzuzocken, ist hinfällig.

Welchen Einfluss hat die Verkehrswende auf Ihre Arbeit?

Lotz: Egal, ob Verbrenner oder Elektroauto: Die Antriebsart eines Fahrzeugs ist aus polizeilicher Sicht nicht ausschlaggebend. Dagegen wird autonomes Fahren unsere Arbeit maßgeblich verändern. Wir befassen uns jetzt schon mit den rechtlichen Schwierigkeiten und der Frage: Wer ist bei einem Unfall mit einem autonomen Fahrzeug verantwortlich und wie lässt sich das nachweisen? Das erste derartige Auto gibt es ja bereits zu kaufen.

Zur Person

Falko Lotz lebt in Soest und trat 2003 in den Polizeidienst ein. Zunächst versah er Wachdienst in Dortmund und war anschließend Gruppenbeamter in der Dortmunder Hundertschaft. Danach ging er als Lehrbeauftragter zum Landesamt für Aus- und Fortbildung und Personalangelegenheiten der Polizei NRW nach Selm. Weitere Stationen waren Hagen und Schloß Holte-Stukenbrock, bevor er ans Wuppertaler Polizeipräsidium kam.

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