Natürlich nachhaltig

180 gefährdete Arten im Bergischen: Wie kann Artenschutz gelingen und was tun die Städte?

Die Ohligser Schafe helfen, die Heide zu erhalten und somit heimische Arten zu schützen.
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Die Ohligser Schafe helfen, die Heide zu erhalten und somit heimische Arten zu schützen.

Seit Jahrzehnten sinkt die Biodiversität, Tiere und Pflanzen sterben aus. Um das Artensterben zu verringern, gibt es zahlreiche Möglichkeiten. In Teilen des Bergischen klappt das schon ganz gut.

Von Valeria Schulte-Niermann

Bergisches Land. Seit Jahrzehnten sinkt die biologische Vielfalt der Arten in Deutschland, Europa und der ganzen Welt. Das teilt das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit. „Immer mehr Pflanzen-und Tierarten sind gefährdet, auch bei uns“, sagt Gerhard Bahmer, Vorsitzender der Solinger Stiftung zum Schutz von Tier und Natur. Er setzt sich vor allem für den Biotopschutz ein. Doch auch die Städte Remscheid und Solingen wollen mit vielen großen und kleinen Maßnahmen Lebensräume für Tiere und Pflanzen schaffen und erhalten.

Denn: „Biodiversität ist die Grundlage für alles, was uns am Leben erhält“, schreibt das BMBF. Sie liefere Nahrung, medizinische Wirkstoffe und Energierohstoffe, reguliere das Klima sowie die Luft- und Wasserqualität, biete Überflutungsschutz und diene der Erholung.

Der Wert dieser weltweiten Ökosystemleistungen beträgt in Zahlen ausgedrückt 125 Billionen US-Dollar pro Jahr. Das schreibt das BMBF in einer Forschungsinitiative zum Erhalt der Artenvielfalt. Ein Rückgang der biologischen Vielfalt ist also auch mit erheblichen wirtschaftlichen Verlusten verbunden.

Warum verschwinden die Arten?

Gerhard Bahmer von der Stiftung zum Schutz von Tier und Natur sieht das Hauptproblem der Gefährdung und Verarmung der Arten durch Flächenverbrauch und Klimawandel. Zwar ist dieses Jahr genug Regen gefallen, jedoch sinke der Wasserspiegel der Feuchtbiotope stetig. Damit sind die Lebensräume für Insekten und Amphibien akut gefährdet.

Dass die Verstädterung, Bodenversiegelung und intensive Landwirtschaft (Monokulturen) den Insekten mehr schaden, als steigende Temperaturen durch den Klimawandel, hat eine Studie der Uni Würzburg ergeben. Die Urbanisierung führe zu einem Rückgang der Biomasse und die Ausweitung landwirtschaftlich genutzter Flächen zu einem Rückgang des Artenreichtums. Das heißt aber nicht, dass es gleichzeitig weniger Arten gebe.

Natürlich nachhaltig

In Nordrhein-Westfalen verschwinden täglich rund acht Hektar Fläche für den Bau von Siedlungs-, Gewerbe- und Verkehrsflächen. Das schreibt das Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz NRW (MKULNV) im Umweltzustandsbericht von 2020 für das Jahr 2019.

Rund 46 Prozent der nordrhein-westfälischen Siedlungs- und Verkehrsflächen sind versiegelt – also bebaut, betoniert, asphaltiert oder anderweitig befestigt. 2019 beanspruchte jeder Mensch in NRW 306 Quadratmeter Siedlungsfläche. In den Vorjahren lag diese bei 304 und 303. Sie steigt also, wahrscheinlich, weil auch der Lebensstandard und die Ansprüche an den Wohnraum steigen.

Die Flächen gehen als natürliche Lebensräume für Tiere und Pflanzen verloren. Sie müssen sich in immer kleinere Bereiche zurückziehen, finden weniger Nahrung und können sich durch diese widrigen Bedingungen immer schlechter fortpflanzen. Die intensive Nutzung von landwirtschaftlichen Flächen, Düngung, Pflanzenschutzmittel, das Begradigen und Verbauen von Flüssen oder das Ableiten von Abwässern bedrohen Flora und Fauna. Auch das Freizeitverhalten des Menschen trägt dazu bei.

Letztendlich verkleinert sich die Population einer Art immer mehr, die genetische Vielfalt verarmt und die Arten sterben aus. „Nahrungsketten werden bei Artenverlust durchbrochen, weil im Ökosystem eine Art auf die andere spezialisiert ist“, sagt die Stadt Solingen.

Welche Arten verschwinden?

Die Rote Liste der Gefährdeten Arten der Weltnaturschutzunion (IUCN) listet 84 Säugetierarten, die seit dem Jahr 1500 ausgestorben sind. Laut UN sind weltweit eine Million Arten vom Aussterben bedroht. Das sind rund ein Viertel aller Arten. Besonders gefährdet sind Amphibien, Korallen, Meeressäuger und viele Pflanzenarten. „Die Aussterberate ist heutzutage mindestens 10- bis 100-mal höher als im Durchschnitt der letzten 10 Millionen Jahre“, schreibt das BMBF. Der Mensch hat 75 Prozent der Landoberfläche und 66 Prozent der Meeresfläche verändert. So gingen 85 Prozent aller Feuchtgebiete in den letzten 300 Jahren verloren.

In Deutschland gelten laut der Naturschutzorganisation WWF 13 Säugetierarten, 16 Vogelarten und vier Süßwasserfischarten als ausgestorben. Besonders gefährdet sind Insekten. Diese sind jedoch enorm wichtig, da sie Blüten bestäuben und Nahrung für andere Lebewesen sind. Der Verein für Insektenkunde in Krefeld stellte fest, dass die Gesamtmenge an Fluginsekten innerhalb von 27 Jahren in deutschen Naturschutzgebieten um 75 Prozent zurückgegangen ist.

Vogelbeobachtung hilft dem Natur- und Artenschutz.

In NRW sind mehr als 43.000 verschiedene Tier-, Pilz- und Pflanzenarten heimisch – mehr als die Hälfte aller in Deutschland vorkommenden Arten. 45 Prozent von ihnen stehen auf der roten Liste. Sie sind also gefährdet, vom Aussterben bedroht oder bereits ausgestorben. Gefährdet ist zum Beispiel die Feldlerche, stark gefährdet das Blaukehlchen und der Kiebitz. Nicht mehr in NRW zu sehen, also hier ausgestorben sind unter anderem Ortolan, Haubenlerche, Elch, Birkhuhn, Großer Feuerfalter und Ackerkohl. Auch ehemalige Allerweltsarten wie Girlitz und Star stehen auf der Roten Liste.

Auch der Bestand der Wildkatze ist gefährdet. Verkehr, Siedlungsgebiete und Landwirtschaft schränken ihren Lebensraum stark ein. Noch lebt sie in der Eifel, im Rothaargebirge und in der Egge.

Denn dort gibt es Naturschutzflächen. Generell machen in NRW diese Flächen laut BMBF 8,4 Prozent aus. Seit den 70ern hat sich hier viel getan. Damals betrug die Fläche noch 0,9 Prozent. Ziel der Biodiversitätsstrategie NRWs und Forderung des Landesnaturschutzgesetzes ist es, den Biotopverbund auf 15 Prozent der Landesfläche auszuweiten. Das lässt hoffen, dass bestehende Naturschutzgebiete erweitert werden.

Die Situation im Bergischen Land:

Auch im Bergischen ist laut der Biologischen Station Mittlere Wupper seit mehreren Jahrzehnten ein kontinuierlicher Rückgang der Arten zu beobachten.

Die Biologische Station Mittlere Wupper erhebt seit über 20 Jahren Daten zur Lage der Tier- und Pflanzenarten im Städtedreieck. Rebhuhn, Gelbbauchunke und Arnika sind hier schon lange ausgestorben.

Rund 180 Tier- und Pflanzenarten, die im Bergischen vorkommen, sind landesweit oder regional mehr als gefährdet. Zu ihnen zählt der Edelkrebs und die Zahntrost-Sägehornbiene, die in NRW als vom Aussterben bedroht gelten. Für sie hat das Bergische eine besondere Verantwortung. Aber auch für den Rotmilan, die seltene Wasserflechte Leptogium rivale, die Geburtshelferkröte und den Baumpieper. Denn bundesweit gibt es hiervon nur noch wenige Vorkommen.

Konkret sind laut Gerhard Bahmer im Bergischen schon diese Arten verschwunden: Kiebitz, Feldsperling, Feldlerche und über 41 Prozent der Schmetterlinge. Über die Hälfte der 561 Wildbienenarten sind bedroht. Auch Tagfalterarten, Wacholderdrossel und die Heckenbraunelle.

Ursachen für Artenschwund:

- Verlust an Lebensräumen durch Bebauung

- Zerschneidung der Landschaft und Wanderbarrieren gefährden die Reproduktion und genetischen Austausch

- Verlust der artenreichen Kulturlandschaft durch Monokulturen

- Nährstoffanreicherung, Nutzungsintensivierung, Nutzungsaufgabe führt zu Verlust blütenreichen Grünlands

- Pflanzenschutzmittel gefährden, töten Insekten; dadurch Verlust an Nahrungsquellen für Amphibien, Vögel, Fledertiere

- veränderte Lebensraumbedingungen und jahreszeitliche Abläufe durch den Klimawandel

- Veränderung heimischer Arten durch eingewanderte, eingeschleppte Neobiota

In unserer Wanderserie erfahren Sie, wie schön die Bergische Natur ist und darum geschützt werden muss.

Lebensräume Im Bergischen:

Durch zunehmend intensive Landwirtschaft und Ausräumung der Landschaft sowie dem Flächenverlust durch Bebauung verschwinden immer mehr Individuen, die auf bäuerliche Kulturlandschaften angewiesen sind. Also landwirtschaftlich genutzte Wiesen neben Hecken, Bäumen und Obstwiesen. Zu ihnen gehören der Rotmilan, der Neuntöter, der Raubwürger, der Steinkauz und einige Fledermausarten. Das schreibt die Biologische Station im Statusbericht von 2018 über die besonders schützenswürdigen Tiere und Pflanzen mit ihren Lebensräumen im Bergischen Städtedreieck.

Auch Wiesen und Weiden werden immer seltener. „Je nährstoffärmer, desto höher der Artenreichtum“, schreibt die Biologische Station. So ist zum Beispiel der einst weit verbreitete Schmetterling, das Kleine Wiesenvögelchen, weitgehend aus der Landschaft verschwunden. Hier brütet die Feldlerche. Auch auf Feuchtwiesen leben viele wertgebende Arten, wie der Lungen-Enzian, das Breitblättrige Knabenkraut und die Schwarze Teufelskralle. Letztere kommt anscheinend nur noch im Remscheider Eschbachtal vor.

Artenreiches Ackerland zählt zu den gefährdetsten Lebensräumen Deutschlands. Im Bergischen Städtedreieck gibt es nur noch das untere Feldbachtal, den Acker Krüdersheide und Acker von Biobetrieben in Gräfrath und Hohenscheid, in denen die an diesen Lebensraum angepassten Arten leben können. So ist die Feldlerche nun als gefährdet eingestuft, obwohl sie Ende des 20. Jahrhunderts zu den häufigsten Vogelarten Deutschlands zählte. Im Bergischen steht sie kurz vor dem Aussterben. Auch der Kibitz hat mit den modernen Bewirtschaftsmethoden zu kämpfen, die kaum einen erfolgreichen Brutverlauf zulassen. In der Flora werden der Klatsch-Mohn und das Wilde Stiefmütterchen immer seltener.

Im Bergischen fehlen nicht nur artenreiches Ackerland und Wiesen, sondern auch Uraltwälder – und damit zahlreiche auf Alt- und Totholz angewiesene Arten. Lichte Wälder bevorzugen viele Tagfalterarten. „Stark beschattete Wälder weisen hingegen oft nur eine verarmte Insekten- und Pflanzenwelt auf“, schreibt die Biologische Station. Den einzigen Trockenwald des Bergischen gibt es noch im Solinger Tal der Wupper. „Hier besitzen gleich mehrere spezialisierte Insektenarten hochgradig isolierte Reliktvorkommen“, wie zum Beispiel die gefährdete Untergrundameise.

Die Ohligser Heide ist für einige Arten ein wichtiger Lebensraum. Viele Libellenarten haben hier ihre wichtigsten oder einzigen Reproduktionsgewässer. „Mehr als zehn Farn- und Blütenpflanzenarten und zahlreiche Moose und Pilze kommen innerhalb des Bergischen Städtedreiecks ausschließlich oder schwerpunktmäßig dort vor“, schreibt die Biologische Station.

Noch ist hier der Gesang des letzten Baumpiepers zu hören und auch viele Insekten wie der Braunfleckige Perlmuttfalter oder die Filzbiene leben nur hier. Genauso wie der Sonnentau und einige Torfmoosarten. Nur durch Pflegemaßnahmen lässt sich dieser wichtige Biotopkomplex erhalten. Zum Beispiel mit Hilfe von Hüteschafen. Diese aktive Naturschutzarbeit hat Erfolg. Die Insektenvielfalt ist hier gestiegen. Libellen, Eisvogel, Uhu, Wanderfalke und Schwarzstorch kommen zurück.

Oft suchen sich Tiere und Pflanzen einen Lebensraum, der für den Menschen nur eine Wunde in der Landschaft ist. In stillgelegten Steinbrüchen finden ursprünglich in Dünen oder auf Äckern beheimatete Arten ihren Ersatzlebensraum. Das gilt auch für stillgelegte Bahnanlagen und andere Brachen. Oft verschwinden diese Biotope allerdings durch „Rekultivierung“ oder Bebauung. Kalksteinbrüche waren der Auslöser für die Rückkehr des lange Zeit ausgestorbenen Uhus im Bergischen. Und auch die Zauneidechse, Kreuzkröte und Geburtshelferkröte sowie viele Bienen-, Fliegen- und Käferarten können hier gut leben.

Die Moorschnucken helfen beim Naturschutz in der Ohligser Heide.

Viele der ursprünglich an Felsen beheimateten Arten sind dem Menschen gefolgt und besiedeln auch Mauern, Gebäude, Schornsteine oder Kellerschächte. Vor allem für Farne, Moose und Flechten sind natürliche Felsstandorte wichtig. Aber auch zwölf Fledermausarten leben hier sowie die gefährdeten Arten Mehlschwalbe und Rauchschwalbe. „Hauseigentümer mit Schwalbenkolonien tragen eine große Verantwortung für den Fortbestand der lokalen Population“, schreibt die Biologische Station.

Viele gefährdete Tier- und Pflanzenarten siedeln sich aber auch gerne in Gärten, Parks und Grünanlagen an. Beispielsweise im Freibad Eschbachtal und beim Ohligser Friedhof. Hier können Bürger mit Privaten Maßnahmen die Biodiversität fördern.

Warum muss der Mensch Lebensräume schaffen?

„Die Landschaft im Bergischen hat sich so gravierend verändert, dass viele Tiere nicht mehr oder nur eingeschränkt klarkommen“, sagt Frank Stiller von der Unteren Naturschutzbehörde der Stadt Remscheid. Arten, die jahrhundertelang selber klar kamen, benötigten nun Unterstützung. Darum müssen ihre Lebensräume erhalten oder neu geschaffen werden.

Vor 50 Jahren sei die Landwirtschaft naturnäher gewesen. Heute sei sie viel intensiver, es werde häufiger gemäht und Dünger verwendet, weil der Verbraucher kostengünstige Produkte wolle und deren Produktion nicht hinterfrage. „Sobald sie düngen, wird aus einer artenreiche Wiese mit 40 Arten eine Wiese mit vier Grasarten“, sagt Frank Stiller. Da die meisten Pflanzen keinen Dünger brauchen, werden sie von den vielen Nährstoffen verdrängt.

Im Vergleich zu den 70er Jahren ist das Bergische von der Luft aus grüner geworden. Es gibt mehr Bäume, Gehölzer und Sträucher. Allerdings sehe man so nicht die Details, sagt Frank Stiller. „Spezialisierte Arten haben extreme Lebensansprüche: trocken, feucht, steil, nährstoffarm. Dort gibt es den größten Artenreichtum.“ So sind die meisten Tierarten nicht auf Gehölze spezialisiert. „Für Gehölze wird genug getan, für spezialisierte Biotope zu wenig“, klagt er. Darum müssen Naturschutzbehörden punktuell eingreifen, um den Artenschwund aufzuhalten.

Probleme im Artenschutz:

Schon 1992 wollte die internationale Staatengemeinschaft die biologische Vielfalt erhalten, 2010 wurden die sogenannten „Aichi-Ziele“ zum Schutz der Arten verfasst und auch die 2015 verfassten UN-Ziele zur nachhaltigen Entwicklung thematisieren die biologische Vielfalt. Dennoch schreitet der Artenverlust mit hoher Geschwindigkeit voran, schreibt das BMBF. Das Ministerium möchte nun mit Forschung zur biologischen Vielfalt Wissenslücken schließen.

Denn ein Problem ist laut BMBF, dass das Ausmaß des Artensterbens nur stellenweise für einzelne Arten und Naturräume bekannt ist. Darum sind zielgerichtete Gegenmaßnahmen kaum möglich. „Letztendlich bleibt es jedoch bei Teilerfolgen, die sich nicht zu einem verlässlichen, aufeinander abgestimmten und eine Trendwende einläutenden Strategie-Portfolie zusammenfügen ließen.“

Auch Frank Sonnenburg, wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Biologischen Station Mittlere Wupper sieht ein Problem: Artenschutz sollte sich nicht nur auf einige Lieblingstiere, wie Frösche, beziehen, sondern auch auf die weniger populären Arten abzielen. Er wünscht sich neben einer intakten Natur auch eine gesunde Kulturlandschaft. Dazu gehöre auch eine Landwirtschaft mit artgerechter Viehhaltung. „Das schafft nicht nur glücklichere Nutztiere, sondern auch bunte Wiesen und Weiden, sofern sie nicht zu intensiv genutzt werden. Diese Lebensräume besitzen einen enormen Reichtum an Tier- und Pflanzenarten“, weiß Frank Sonnenburg.

Auch das MKULNV plädiert dafür, dass sich in der Landwirtschaft etwas tun muss. Die schon festgesetzten Agrarumweltmaßnahmen, Vertragsnaturschutz und der Ökologische Landbau müssen umgesetzt werden – und zwar nicht nur freiwillig wie bisher. Denn hierbei geht es um den Erhalt der Biodiversität, den Schutz der Arten auf offener Feldflur, den Gewässer-, Boden- und Erosionsschutz. Ökologische Landwirtschaft steht für eine umweltschonende Produktion, tiergerechte Haltung, erhält die Biodiversität und schützt die Gewässer.

Maßnahmen für den Artenschutz der Stadt Solingen:

Die Stadt Solingen möchte mit sogenannten MehrArtenRäumen insektenfreundliche Lebensräume gestalten. Dafür werden Obstbäume gepflanzt, Blumenwiesen gesät, Teiche angelegt oder Lehmwände gebaut. Die Räume sollen den Regenabfluss regulieren und das Mikroklima verbessern aber auch den Menschen gefallen, Erholung bieten und über Insektenschutz, Artenvielfalt und Naturschutz informieren.

Invasive Neophyten, also eingeschleppte Arten, die sich hier massenhaft verbreiten und heimische Arten verdrängen, werden zunehmend zu einem Problem. Durch Mahd und Ausgraben sollen Riesenbärenklau und Japanischer Staudenknöterich reguliert werden.

Wald wird zu Heide.

Manchmal muss auch für den Naturschutz Wald gerodet werden. „Das ist ein Interessenskonflikt. Wir müssen Land zerstören, um ein bestimmtes Biotop zu schaffen“, sagt Frank Stiller. Doch einige Arten verdrängen heimische Arten. So musste die Stadt Solingen und die Biologische Station in der Ohligser Heide Pappeln und die invasive Spätblühende Traubenkirsche fällen, um heimische Arten zu schützen.

Da die Natur eh nicht mehr ursprünglich ist, sondern vom Menschen verändert wurde, muss der Mensch hier auch wieder eingreifen, um ursprüngliche Arten zu schützen. So wurden in Solingen Feuchtheiden geschaffen, auf der nun wieder Binsen und andere Heidepflanzen wachsen können. Einige von ihnen sind gefährdet, ihre Besonderheit muss gesichert werden, indem für sie ein neuer Lebensraum geschaffen wird. Natürlich ist auch die Nachsorge wichtig. Schafe und Ziegen sollen kleine Bäumchen fressen und regelmäßig werden größere Bäume ausgerissen.

Die Förderung von Streuobswiesen ist ein weiterer Beitrag zum Artenschutz, da Fledermäuse, Steinkauz und Insekten hier ihren Lebensraum haben. Die Stadt Solingen bietet Förderung von privaten Streuobstwiesen. So wurde die Musterobstwiese Burger Landstraße gepflegt und mit Obsthochstämmen bepflanzt.

Der Hohlenpuhler Weg wird zum Schutz des bedrohten Feuersalamanders gesperrt.

Erfolge von konsequent durchgeführtem Natur- und Artenschutz:

- Verbesserung einzelner Lebensräume, gezielte Förderung von Fortpflanzungsstätten -> Uhu, Wanderfalke und Schwarzstorch sind wieder da

- Wupper hat bessere Wasserqualität -> Eisvogel und Lachs kehrten zurück

- langjährige Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen in der Ohligser Heide -> Wiederausbreitung von Mittlerem Sonnentau, Sumpfbärlapp

Erfolge in der Ohligser Heide:

Durch aktive Naturschutzarbeit ist die Insektenvielfalt im Naturschutzgebiet Ohligser Heide gestiegen. Libellen, Eisvogel und Groppe kommen zurück. Auch der Mittlere Sonnentau und Sumpfbärlapp breiten sich weder aus. Auch die Verbesserung von einzelnen Lebensräumen, gezielte Förderung von Fortpflanzungsstätten und die selbstständige Wiederansiedlung einzelner Arten haben zur Bestandserholung und Rückkehr von beispielsweise Uhu, Wanderfalke und Schwarzstorch geführt.

Stiftung setzt sich für Biotopschutz ein:

Die Stiftung zum Schutz von Tier und Natur setzt sich besonders für den Biotopschutz ein. Zum Beispiel wird in Höhrath eine ehemalige Kuhweide zu einem Feuchtbiotop umgewandelt. Das bietet einen Lebensraum für Wild, Fuchs, Hase, Waschbär, Marder, Fledertiere und Insekten.

In Eickenberg wurde eine Fläche von 20 000 Quadratmeter renaturiert und mit dem Feuchtbiotop Haasenmühle verbunden. Hier gibt es nun Hecken, eine Mager- und eine Streuobswiese mit meist alten Bergischen Obstsorten. Außerdem gibt es sechs Bienenstöcke und insgesamt 23 Nistkästen für Höhlenbrüter.

Private Maßnahmen:

„Wir haben das Gefühl, wir laufen dem Zug hinterher. Es gibt so unglaublich viel zu tun und wir warten darauf, dass die Bevölkerung mit auf den Zug springt“, sagt Frank Stiller. Er wünscht sich mehr Blühstreifen, Gartenteiche und vor allem, dass keine Düngemittel eingesetzt werden.

Mit Nisthilfen können Trauersschnapper, Waldkauz und Star sowie Bienen geholfen werden. So konnte sich der Wanderfalke, der in ganz NRW als ausgerottet galt, wieder ansiedeln. Heute gilt er als ungefährdet mit weiterhin wachsender Brutpopulation.

Ioanna Zacharaki von der Oase Ohligs Ost gibt Tipps, wie nachhaltiges Gärtnern funktionieren kann.

Auch ohne Garten kann jeder etwas zum Artenschutz beitragen, indem er die Natur nicht übernutzt, sondern respektiert. Gerhard Bahmer nennt diese Regeln: Hunde nicht frei laufen und wildern lassen, nicht quer durch den Wald Fahrrad fahren, keinen Müll liegen lassen, Wild-Ruhezonen nicht betreten, nicht wild zelten, grillen und laut Musik hören. Und zuguter letzt: Auf Straßen mit Wildwechsel nicht zu schnell fahren.

Aktuell

Im Oktober hat sich die Weltgemeinschaft bei der Weltnaturschutzkonferenz auf einen verstärkten Kampf gegen das Aussterben von Arten verständigt. Die knapp 200 Vertragsstaaten der UN-Konvention zur biologischen Vielfalt verfasste eine „Erklärung von Kunming“. In der Erklärung wird der gute Wille betont und vor den Gefahren für die Lebensgrundlage der Menschen gewarnt. ist allerdings noch recht unkonkret. Konkret soll sie im April werden, wenn die Weltgemeinschaft wieder zusammenkommt.

Serie

In der ST-Serie „Natürlich nachhaltig“ beschäftigen wir uns mit dem Thema Nachhaltigkeit und Umweltschutz in den Bereichen Ernährung, Mobilität und Konsum. Alle Folgen dieser Serie finden Sie hier.

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